Trotz Sanktionen: EU kauft 2026 für 7,3 Milliarden Euro russisches LNG

Die Europäische Union zahlt weiter Milliarden für russisches Flüssigerdgas, obwohl sie das Geschäft offiziell beenden will: Nach Berechnungen der Umweltorganisation Urgewald gaben europäische Abnehmer zwischen dem 1. Januar und dem 5. September 7,28 Milliarden Euro für LNG aus dem arktischen Yamal-Projekt aus.

picture alliance / SIPA | Sebastien Salom-Gomis
Bretagne: Ein russischer LNG-Tanker liefert Gas an das französische Energieunternehmen Engie.

Dieses Ausmaß übertrifft bereits den geschätzten Wert des gesamten Vorjahres, Euronews und High North News bestätigen die Größenordnung: 156 Ladungen mit 11,39 Millionen Tonnen erreichten die EU-Häfen, 10,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der weltweite Yamal-Export sank zugleich um 3,1 Prozent. Europas Anteil an den Ausfuhren stieg von 78,2 auf 88,9 Prozent – fast neun von zehn Tonnen gingen in die Union.

Kurzfristige Verträge sind seit April 2026 untersagt, langfristige laufen noch bis Januar 2027. Kpler-Analyst Charles Costerrouse sagte Euronews, die Käufer würden noch bestehende Kontrakte maximieren. Größte Empfänger waren Frankreich mit 4,4 Millionen Tonnen, Belgien mit 3, Spanien mit 2,7 und die Niederlande mit 1,1 Millionen Tonnen. Schottlands Seapeak und das griechisch verbundene Unternehmen Dynagas stellten nach Urgewald 72 Prozent der Verschiffung. Die Berliner Zeitung berichtet dazu allerdings, dass der von der Umweltorganisation Urgewald errechnete Betrag „keine exakter Rechnungsbetrag“ sei. Die Organisation multipliziere Mengen mit dem europäischen Referenzpreis TTF, weil die Vertragspreise geheim bleiben, auch der höhere Gaspreis lässt also die Summe steigen.

EU-Kommission blockiert selbst die Gas-Versorgung

Ab dem Jahr 2027 soll bekanntlich russisches LNG aus der EU verschwinden, dann muss Ersatz her – und genau dort blockiert sich Brüssel selbst: Die Methanverordnung gilt seit August 2024. Ab 2027 müssen Importeure nachweisen, dass Emissionen im Herkunftsland vergleichbar gemessen, gemeldet und unabhängig geprüft werden. In den USA fließt Gas aus Hunderten Förderstätten in gemeinsame Leitungen, bevor es verflüssigt wird. Die Zuordnung einzelner Quellen gilt als schwierig. Die USA und Katar haben erklärt, für viele Exporteure sei kein praktikabler Weg erkennbar. Washington verlangte deshalb eine zehnjährige Ausnahmeregelung. Und im Juni forderten die Energieminister der USA, Katars, Nigerias und Algeriens in einem Brief an Ursula von der Leyen und António Costa eine Pause und gezielte Änderungen. US-Energieminister Chris Wright nannte die Regeln laut Reuters „verrückt“. Eine Wood-Mackenzie-Studie für die Produzentenvereinigung IOGP warnte, bis zu 43 Prozent der Gasimporte könnten 2027 als nicht konform gelten. Eine Gegenrechnung von Rystad für den Environmental Defense Fund kommt jedoch zum Ergebnis, dass regelkonformes Gas reichlich vorhanden sei.

Rainer Seele, der bei XRG das globale Chemiegeschäft des emiratischen Staatskonzerns Adnoc führt, sagte dazu dem Handelsblatt: „Mit der EU-Methanverordnung schneidet sich die EU selbst von relevanten Bezugsquellen ab.“ Ein Aussetzen der Strafen reiche nicht, die Verordnung müsse von der Tagesordnung. Langfristige Verträge seien nötig, sonst ließen sich Milliardeninvestitionen nicht rechtfertigen. Deutsche Importeure hatten gegenüber der Berliner Zeitung zuvor ähnliche Risiken beschrieben: Uniper warnte vor Kosten, Verzögerungen und Engpässen, Sefe vor Marktunsicherheit, VNG vor Regeln, die die Versorgung gefährden.


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Kommentare ( 23 )

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BellaCiao
1 Monat her

Da könnte die Bundesregierung genauso gut Pipeline-Erdgas aus Russland kaufen, das wäre deutlich günstiger. Sogar der pöhse Trump hat Deutschland genau das vorgeschlagen – im Falle erfolgreicher Friedensverhandlungen. Aber Deutschland und somit die EU-Kommission haben offiziell „kein Interesse“. Wie schlau ist das eigentlich, wenn unsere Volksvertreter Russland im Gegenzug mit Krieg drohen? Solange der Doofmichel es bezahlt, hält man das wohl für gar kein Problem. Nur „der Russe“ wird im Kriegsfall sicher kein LNG mehr liefern. Und der Preis für LNG aus den USA würde dann außerdem sicher deutlich steigen. Dass Putin unter diesen Umständen immer noch liefert ist schon… Mehr

Last edited 1 Monat her by BellaCiao
Moses
1 Monat her

Warum spricht man eigentlich nur über Gas. Die EU kauft auch große Mengen russischen Öl. Offiziell wird ausschließlich indisches Öl gekauft, tatsächlich handelt es sich jedoch um raffiniertes russisches Öl, manchmal auch um weiterverkauftes und unverarbeitetes Öl.

GP
1 Monat her

Auch 2027 werden die Gasimporte aus Russland weiterlaufen, die Politiker werden eine Begründung erfinden und das Volk ist froh nicht zu frieren. Diese EU ist ein Polit-Zirkus ersten Ranges….

Anglesachse
1 Monat her

Mehrwertssteuer, CO²-Steuer, Importsanktionen, EU-MArkt…hier wird deutlich, der „Feind“ sitzt in Politik und Börse und „jazzt“ ein Rohölpreis (Brand<2016) durch Spekulation hoch. Billig einkaufen und teuer verkaufen…ein hochgestochener Monopolismus. Rendite durch künstlichen Mangel. Und es scheint ausdrücklich gegen die BRD und seine Bürger als "Zahlvieh" in der EU zu gehen, die der "Einkauf" bei unseren Nachbarn zeigt, die uns "gnädig beliefern". Wir dürfen nie vergessen, dass es Partei-Politiker/innen, die auch als CEO,s in Vorständen von int. Pharma-u.Energie-Konzernen sitzen und deren "Finanzwünsche" hier in Gesetze giessen. von Merz, VdL, Weber bis Habeck…. Hier sehe ich auch den Grund der Massen-Migration, den Bürger… Mehr

Talleyrand
1 Monat her

Wir werden in Kürze noch viel mehr russisches Gas kaufen müssen, wollen wir nicht erfrieren. Denn russisches Gas ist zwar furchtbar böse, aber brennt auch gut und wärmt selbst Putingegener.

Der Person
1 Monat her
Antworten an  Talleyrand

Wieso sollte Russland Deutschland Gas verkaufen, wenn Deutschland Raketen baut, die aus der Ukraine nach Russland geschossen werden und dort Russen töten? Soweit ich weiß, hat Putin auch schon angekündigt, dass es dank dieses faktischen Kriegseintritts Deutschlands selbstverständlich dann keine Lieferungen mehr geben wird.

Man kann dem Bären nicht in die Eier treten und dann erwarten, dass er brav Männchen macht und Pfötchen gibt.

PapaAN
1 Monat her

Zahlt Deutschland eigentlich noch für nicht geliefertes russisches Gas?
Hab das im Internet gefunden: „Der Vertrag enthält eine Take-or-Pay-Verpflichtung. Vereinfacht: SEFE verpflichtet sich, die vertraglich vereinbarte LNG-Menge abzunehmen bzw. wirtschaftlich dafür einzustehen, selbst wenn SEFE das Gas nicht benötigt oder nicht physisch nach Europa bringen möchte.
Das Wirtschaftsministerium bestätigte 2025 ausdrücklich, dass eine Einstellung der Abnahme nicht einfach dadurch möglich ist, dass SEFE sagt: „Wir wollen kein russisches Gas mehr.““
Der ganz normale Wahnsinn im BDAZ und in der EU.

der Albaner
1 Monat her

Milliarden-Investitionen in eine rückständige Energieform stecken? Reiche – übernehmen Sie!

Deutsche
1 Monat her

Hirnlose Bigotterie. Hauptsache so tun als ob.
So versickert unser Wohlstand auf breiter Front. Und die Verantwortlichen sind weiterhin uneinsichtig, uneinsichtig, uneinsichtig.
Die AfD sind der Sammelpunkt der Vernünftigen. Die an Steuergeldern fettgefressenen Stümper hinter „der Brandmauer“ sind die So-tun-als-ob Ideologen/Simulanten.

Waehler 21
1 Monat her

Der deutsche Michel zahlt sich aber weiter dumm, für die „Haltungspolitker“ .
Autofahren und heizen ist sowieso schlecht für die Umwelt.

Zu diesem Thema kommt kein Politiker in „Talg“ Shows!

KFischer
1 Monat her

Man hat eine Pipeline und kauft LNG (viel mehr Transportverluste), was ein Irrsinn…