Die wahren Kosten der Klima-Kirche

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hat ausgerechnet, was das Ziel der „Klimaneutralität“ kostet: sechs Billionen Euro bis 2045. Das sind 290 Milliarden jedes Jahr. Gegenleistungen kommen im Konjunktiv. Höchstens.

picture alliance/dpa | Markus Lenhardt

Die KfW ist die wichtigste Förderbank Deutschlands. Sie gehört dem Bund und den Ländern. Ihre neue Studie beziffert die tatsächlichen Investitionskosten der Klimapolitik.

Insgesamt sind es sechs Billionen Euro. Mit „B“. Pro Jahr sind das 290 Milliarden Euro. Das sind rund 3.470 Euro pro Einwohner und 6.300 Euro pro Erwerbstätigem. Jedes Jahr. Zwei Jahrzehnte lang.

Prioritäten

290 Milliarden: Das sind 52 Prozent des gesamten Bundeshaushalts 2027. Man könnte eine ganze Menge damit machen.

Der Bund könnte damit zum Beispiel die Zinsen für seine Schulden bezahlen. Auf dem Niveau von 2027 könnte er mit den Kosten nur eines Jahres für die „Klimaneutralität“ satte sieben Jahre lang alle fälligen Zinsen bezahlen.

Mit 290 Milliarden könnte man ein Jahr lang fast alle 19,1 Millionen Altersrenten bezahlen. Oder man könnte den Solidaritätszuschlag abschaffen; die 290 Milliarden jährlichen Investitionskosten für die Klimapolitik würden das sagenhafte 22 Jahre lang gegenfinanzieren. Man könnte damit 45 Jahre lang den Zuschuss zu den Netzentgelten der Haushalte bezahlen – und sogar 229 Jahre lang den gedeckelten Industriestrompreis.

Alles mit den Ausgaben nur eines Jahres für die Klima-Kirche.

Mit 290 Milliarden Euro jährlich könnten wir eine Million neue Wohnungen bauen, jedes Jahr. Das Defizit der Kommunen erreichte im vergangenen Jahr die Rekordhöhe von 31,9 Milliarden. Ein einziges Jahr der Ausgaben für „Klimaneutralität“ würde dieses Defizit neun Jahre lang decken.

Wen wir brauchen, was wir brauchen

Mit 290 Milliarden könnte man (jeweils bei berufsspezifischem Durchschnittsverdienst) ein Jahr lang bezahlen:

• fünf Millionen Altenpfleger
• fünf Millionen Erzieher
• vier Millionen Polizisten
• drei Millionen Lehrer
• 2,5 Millionen Klinikärzte.

Mit 290 Milliarden könnte man 1,1 Millionen Pflegeheimplätze neu bauen oder mehr als vier Millionen Pflegeheimplätze ein Jahr lang vollfinanzieren. Man könnte 700 funkelniegelnagelneue 1A-Krankenhäuser bauen. Oder 3.000 hochmoderne Schulen. Oder knapp 20.000 neue Sporthallen. Oder weit über 50.000 neue Kitas.

Mit 290 Milliarden könnte die Bundeswehr knapp 12.000 neue Leopard-2-Panzer kaufen. Zum Vergleich: Derzeit hat die Truppe 320 von den Dingern, bestellt sind weitere knapp 200. Die Bahn könnte 10.000 neue ICE-Züge bestellen. Derzeit hat sie etwas mehr als 400.

Wir könnten alle unsere 16.000 maroden Brücken dreimal (!) neu bauen. Oder etwa 20 Kernkraftwerke. Mit Zinsen sogar. Oder wir könnten einfach jedem Einwohner des Landes 3.470 Euro bar in die Hand drücken.

Alles mit den Ausgaben nur eines Jahres für die Klima-Kirche.

Der zusätzliche Finanzierungsbedarf der Autobahn GmbH für 2025 bis 2028 beträgt 5,5 Milliarden Euro. Mit den jährlich 290 Milliarden bezahlt man das in einer Woche. Den Jahresetat des Bundesverkehrsministers könnte man mehr als verzehnfachen, den Etat der Bundeswehr verdoppeln. Die gesamte Telekommunikationsbranche hat im vergangenen Jahr 15,3 Milliarden Euro in Breitbandnetze investiert. 290 Milliarden bezahlen das knapp 19 Jahre lang.

Wenn wir die 290 Milliarden Euro jährlich anders ausgeben, haben wir ein anderes Land: eines mit funktionierenden Schulen, einer zuverlässigen Bahn, einer verteidigungsfähigen Bundeswehr.

Ungewisse Gegenleistung

Besonders entlarvend ist die KfW-Studie dort, wo sie beschreibt, was Deutschland für die 290 Milliarden jährlich als Gegenleistung bekommt.

Denn an dieser Stelle wechselt das Papier von der Berechnung zum Prinzip Hoffnung. Die Importe fossiler Energie, zuletzt im Gegenwert von rund 81 Milliarden Euro im Jahr, sollen sinken. Vielleicht. Abhängigkeiten sollen reduziert, Geld soll gespart werden. Vielleicht. Die Energiekosten sollen fallen. Vielleicht.

Das ist keine seriöse Kosten-Nutzen-Rechnung. Kein Mittelständler bekäme für so etwas einen Kredit. Unser Staat haut auf derselben (fehlenden) Grundlage ein paar Billionen raus, lässt die Steuerzahler und Unternehmen dafür bluten und nennt es „Vorsorge“.

Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) in Kassel hat vorgerechnet, wie die deutsche Energie-Unabhängigkeit im Endstadium der „Klimaneutralität“ aussieht: Für 2050 weist es einen Bedarf von rund 1.780 Terawattstunden (TWh) an erneuerbarem Bruttostrom aus. Im Inland erzeugbar: rund 900 TWh. Die Differenz von etwa 880 TWh – also knapp die Hälfte – muss importiert werden: als Wasserstoff oder als synthetischer Kraftstoff.

Fünfzig Prozent Auslandsabhängigkeit im Endausbau – und das nach Ausgaben in Höhe von sechs Billionen Euro. Mit „B“.

Die Bundesnetzagentur hat ein Szenario veröffentlicht, wonach Deutschlands Bedarf bei 1.351 TWh liegen wird. Doch selbst bei diesem etwas geringeren Bedarf kommt der Plasmaphysiker Friedrich Wagner im „Physik Journal“ auf sage und schreibe 1.000 TWh, die nur über importierten Wasserstoff abgedeckt werden können. Woher dieser Wasserstoff kommen soll, ist völlig unklar: Denn die Lieferländer brauchen den Strom für ihre eigene Entwicklung.

Die Mär vom billigen Öko-Strom

Es gibt kein Land mit einem hohen Anteil an Wind- und Solarstrom, das gleichzeitig niedrige Strompreise hat.

Je höher der Anteil von Wind und Sonne, desto teurer der Strom. Nur Finnland nutzt viel Windenergie und hat trotzdem vergleichsweise günstigen Strom – aber das liegt daran, dass dort Kernenergie die Grundlast abdeckt.

Die aktuellen Preislisten von Haushaltsstrom im zweiten Quartal 2026 bestätigen das:

• Deutschland: 35,6 Cent je Kilowattstunde – weltweit Rang vier, nur Irland, Bermuda und Belgien sind noch teurer.
• Frankreich: 23,3 Cent
• USA: 18,3 Cent
• Kanada: 10,6 Cent
• China: 6,7 Cent
• Indien: 6,3 Cent
• Saudi-Arabien: 4,6 Cent.

Deutschland erzeugt fast 45 Prozent seines Stroms mit Wind und Sonne. Billig ist Strom dort, wo er aus Kohle, Gas, Wasser und Atom kommt. Die Politik weiß das. Sie deckelt den Strompreis energieintensiver Betriebe per Subvention auf fünf Cent. Kostenpunkt: 3,8 Milliarden Euro. Unser Mittelstand zahlt im Schnitt rund 17 Cent. Industriebetriebe in den USA und China zahlen nur rund acht Cent.

Deutschlands Regierung subventioniert den Marktpreis weg, weil der Marktpreis offenlegen würde, wie teuer unsere Energiepolitik die Energie bei uns gemacht hat.

Wohlstand entsteht dort, wo Energie Arbeit ersetzt. Eine Kilowattstunde leistet, wofür ein Mensch fast einen Arbeitstag schuftet. Wer sie verteuert, verteuert alles, was daraus entsteht: Stahl, Dünger, Chemie, Glas, Papier. Deutschlands Wirtschaftsmodell beruht darauf, importierte Rohstoffe zu veredeln. Veredeln frisst Energie. Die energieintensiven Branchen verbrauchen drei Viertel der Industrie-Energie. Wer ihnen den Strom verteuert, macht aus dem Veredelungsland einen Importeur fertiger Waren.

Die Arbeitsplätze folgen dem billigen Strom.

Deindustrialisierungsfetisch

Das Ergebnis steht in der amtlichen Statistik. Seit Februar 2022 ist die Produktion der energieintensiven Branchen – Chemie, Papier, Glas, Metall – um 15,2 Prozent gesunken. In der gesamten Industrie waren es etwa 9,5 Prozent. Im März 2026 haben in den kritischen Branchen nur noch 794.400 Menschen gearbeitet – das sind 53.200 Mitarbeiter weniger.

Ausgerechnet diese Branchen sollen den Umbau zur „Klimaneutralität“ stemmen, die Stahlerzeugung auf Wasserstoff umstellen und „grünen Stahl“ liefern – während die Regierung für sie den Strom teurer und teurer macht.

Klimaneutralität bis 2045 ist der teuerste ideologische Irrweg, den jemals eine Zivilisation freiwillig gegangen ist. Die Prediger der Klima-Kirche versprechen Energie-Unabhängigkeit – und liefern 50 Prozent Abhängigkeit vom Ausland. Sie versprechen billigen Strom – und liefern die höchsten Preise in den G20. Sie versprechen Zukunft – und liefern Deindustrialisierung.

Strom muss billiger werden, nicht grüner. Das Geld der Menschen muss für Dinge ausgegeben werden, von denen die Menschen wirklich etwas haben: für Schulen, Schienen, Brücken und Kliniken.

Die Ideologen dürfen ihren Wahn gerne behalten. Aber sie sollen ihn gefälligst selbst bezahlen.


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Kommentare ( 71 )

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BellaCiao
9 Tage her

Die „große Transformation“ zur Klimaneutralität soll laut KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) 6 Billionen € kosten. Also weit mehr als 1 Kugel Eis pro Jahr – mal der Anzahl der 83 Mio. Einwohner in der BRD. Siehe: https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/die-wahren-kosten-der-klima-kirche/ Wenn neuerdings die Kosten für den Ukrainekrieg in Flaschen Bier gemessen werden, dann wäre der Krieg sehr billig. Nämlich bei 450 Millionen EU-Bürgern je 1 Flasche Bier (0,5 L) genau 450 Mio. €. Schon bisher belaufen sich aber allein die Kosten der BRD für den Ukrainekrieg auf über 100 Mrd. €. Dunkelziffer noch unbekannt. Also, ich war jedenfalls vorbildlich und habe allein dieses… Mehr

Last edited 9 Tage her by BellaCiao
Mausi
9 Tage her

Schade. Sie hätten zusätzlich die bisher aufgelaufenen Kosten der Energiewende in den Artikel mit aufnehmen können.

Last edited 9 Tage her by Mausi
Peter Pascht
9 Tage her

Frankreich und Deutschland beschließen das AUS vom Verbrenner-AUS !!! Quelle; ÖRR-VTX – Als EU-Akt Vorlage
Um die wirtschaftliche katastrophe in Frankreich und Deutschland zu verhindern – durch das Aus eines tragenden Wirtschaftzweifes.
Leider zu spät – die Auto Verbrenner Industrie liegt schon in der Agonie des Todes.

Mausi
9 Tage her
Antworten an  Peter Pascht

Link: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/verbrenner-aus-lockerung-100.html
Meine Vermutung: Wenn Ds Wirtschaft tot ist, wird erneut gewendet. Erst wird Kernkraft klimaneutral, dann das Aus vom Aus.
Lt. tagesschau sperrte F sich. D machte Zugeständnisse an F für die Aus-Wende. Bewirkt diese Wende für die dt. Automobilindustrie mitsamt Zulieferern noch irgendetwas?

Peter Pascht
9 Tage her

Die wahren Kosten der Klima-Kirche – sind auf dem Boden der Realität aufgeschlagen
Frankreich und Deutschland beschließen das AUS vom Verbrenner-AUS !!! Quelle; ÖRR-VTX – Als EU-Akt Vorlage
Um die wirtschaftliche katastrophe in Frankreich und Deutschland zu verhindern – durch das Aus eines tragenden Wirtschaftzweifes.
Leider zu spät – die Auto Verbrenner Industrie liegt schon in der Agonie des Todes.

Peterson82
9 Tage her

Mein Strompreis liegt jetzt für 2 Jahre neu abgeschlossen bei 29Cent. Vorher 31Cent. Die Inflation ist in den letzten Jahren ordentlich nach oben gegangen, die Kosten für Strom im Verhältnis aber nicht. Eine Grafik mit „das kostet es in anderen Ländern“ ist völlig witzlos, wenn es nicht in Relation zum Einkommen und dortigen Lebenshaltungskosten gesetzt wird. Oder glaubt jemand, dass 20 Cent, wie oben skizziert in Rumänien wirklich im Verhältnis günstiger sind als unsere 35Cent bei deutschem Einkommen?

Donostia
9 Tage her
Antworten an  Peterson82

Sie sprechen von Kaufpreisparität. Das ist für den Privatmann:innen (der kleine Gendergag musste einfach sein) wichtig. Für eine exportierte Wirtschaft ist ein hoher Strompreis Gift. Der Rumäne kann günstiger herstellen. Sie sollten den Vergleich mit einen Ami machen. Der verdient im Schnitt deutlich mehr und bezahlt ca. 2/3 des Strompreises. Es geht um unsere Wettbewerbsfähigkeit die so immer schlechter wird. Wenn es so weiter geht stehen wir beim Wohlstandsvergleich bald hinter den Rumänen. Googeln sie mal Medianvermögen in Europa. Da werden ihnen ein paar Lichter aufgehen zum Narrativ wir sind doch so reich.

Fralarovi
9 Tage her

Laut TE-Artikel hat die Klimapolitik den Steuerzahlern Billionen gekostet. Das Geld ist aber nicht weg. Es ist in den Taschen der Hochfinanz, die ihre Geschäftsmodelle erfolgreich mit hoher Investitionsrendite durchführen, solange die Bürger sich nicht informieren. Die WHO: eine lebensgefährliche Gelddruckmaschine? Hier wird von einer 30-fachen Investitionsrendite oder 3000 % !!!!! gesprochen. Es wäre Aufgabe der Politik, dies in Untersuchungsausschüssen gründlich zu prüfen und aufzuarbeiten. Merz‘ geheimer Billionen-Plan +++ Klimaneutralität und neue Schulden +++ Der grüne Kurs eskaliert – YouTube Vahrenholt auf X: „Zur heutigen Entscheidung von Friedrich Merz, den Grünen den Wunsch zu erfüllen, die Klimaneutralität Deutschlands für 2045… Mehr

Der Ingenieur
10 Tage her

„Saudi-Arabien: 4,6 Cent pro kWh“ als weltweit günstigster Strompreis.

Und die Ukraine?

Dank bisher 120 Mrd. € deutscher Steuergelder konnte das Selenskij-Regime den Ukrainern den Strompreis auf 3,5 Cent pro kWh subventionieren.

Seit einem Jahr kostet die kWh nun 8,5 Cent pro kWh, was immer noch lächerlich gering ist. Denn wir müssen in Deutschland inkl. EEG-Umlage aus Steuern ca. 53 Cent pro kWh zahlen“

Last edited 10 Tage her by Der Ingenieur
DDRforever
10 Tage her

Ihr Beispiel sind mir einfach nicht plausibel genug denn das Geld würde ja niemals dafür ausgegeben. 290 Milliarden wäre allerdings so etwa drei Jahre weitere Zahlungen an Schnorrensky und seine Schergen.

Lizzard04
10 Tage her

Und am Ende steht ein wirtschaftlich ruiniertes Land! Man kann gar nicht nicht soviel essen, wie man…usw.!

Logiker
10 Tage her

Nach den 400 Mrd. Flüchtlingskosten, die zuerst bei der „Welt“ auftauchten nun der zweite Posten auf der Kassensturzliste.

Und dafür soll niemand verantwortlich sein und gemacht werden können?

Benedictuszweifel
10 Tage her
Antworten an  Logiker

Doch natürlich ist da Jemand verantwortlich: Die überwältigende (!) Mehrheit der Souveräne dieser Republik, die diesen Komplettuntergang aller Souveräne immer und immer wieder per freier und geheimer Wahlen selbst genau bestellt hat. Diese Masse an Bürgern hat ohne auch nur 5 Minuten darüber nachzudenken, einfach mal den „Zeitgeist“ gewählt. Man hat sich auch so wohl gefühlt in der gemütlichen Gruppe der der von sich selbst beseelten Menschen- und Weltretter… Das ist das Problem: „Mach mal ’nem Bekloppten klar, dass er bekloppt ist…“ Das war’s Leute. Aber keine Angst: Die Rente von 2000 oder 3000 € oder so ist natürlich absolut… Mehr