Eine sich höher auftürmende Pleitewelle reißt den Mittelstand mit sich. Es ist tragisch, dass die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ausschließlich den Problemen der Global Player gewidmet ist. Deutschlands Wohlstand steht und fällt aber mit den flexiblen kleinen und mittleren Unternehmen.
picture alliance / CHROMORANGE | Udo Herrmann
Was für ein Affentheater um Audi-Chef Gernot Döllner und das Milliardenengagement in den USA. Tagelang bestimmte Döllner die Schlagzeilen, die Dauerempörten betrieben ihr Mediengeschäft. Selbstverständlich war von Kritik an der deutschen Standortpolitik nichts zu lesen, kein Wort von der sich immer höher auftürmenden Insolvenzwelle, die durch das Land fegt – dies hätte ja schließlich Kritik an der herrschenden Macht impliziert. Und das wagt niemand mehr. Stattdessen gehen die, die das Land verlassen können, und stimmen mit den Füßen ab. Audi war letztlich nur eine von unzähligen Schlagzeilen, die in diesen Wochen von der Flucht deutscher Unternehmen ins Ausland künden.
Was werden sich die Menschen im Mittelstand angesichts der hohen Insolvenzrate wohl denken? Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen liegt bislang zwölf Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Es trifft ja vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen, die an den Standort gebunden sind. Schlagzeilen schreiben immer nur die anderen, es sind immer die Großen, um die sich das Mediengeschäft dreht. Dabei könnte man auch von ihnen etwas Entscheidendes lernen: Dass sich der Audi-Chef auf einer MAGA-Wahlkampfveranstaltung feiern ließ, ist letztlich nur recht und billig. In der Heimat wirft ihm die Politik einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine. Und was die Großen trifft, trifft die Kleinen härter. Irgendwann bleibt keine Wahl mehr, dann müssen Investoren, Kapital und das ganze Unternehmen vor der zerstörerischen Politik in der Heimat geschützt werden.
Die Flucht ist dann zwingend, ansonsten droht die Insolvenz.
Es ist bitter, wie die Politik die Ökonomie verformt hat. Nach Kalkulationen der Bundesbank bringen deutsche Unternehmen etwa sieben Prozent ihres Umsatzes auf, um den unsinnigen bürokratischen Aufwand des staatlichen Feudalherrn zu bewältigen. Kein Wunder, dass das Immunsystem des Mittelstands dadurch so geschwächt wurde, dass sich die hohen Energiekosten letztlich nicht mehr kompensieren ließen.
Die aktuellen Zahlen des Wirtschaftsinformationsdienstes Dun & Bradstreet, der seinen Global Bankruptcy Report 2026 veröffentlicht hat, zeichnen ein düsteres Bild.
In den ersten neun Monaten des Jahres meldeten 14.341 Unternehmen in Deutschland Insolvenz an – zwölf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders sticht die Entwicklung im Mittelstand hervor. Unter den Unternehmen mit zehn bis 49 Beschäftigten schnellte die Zahl der Insolvenzen um sagenhafte 63,2 Prozent auf inzwischen 3.082 Fälle in die Höhe. Dies ist keine normale Entwicklung. Es ist eine Art Downstream-Effekt der Pleitewelle bei den Großen, die in der Industrie Lieferketten mit Zehntausenden mittelständischen Betrieben formiert haben und nun ihr Kapital abziehen müssen. Auch bei den Kleinstunternehmen mit bis zu neun Beschäftigten stiegen die Insolvenzzahlen. Dun & Bradstreet zählte 6.550 Insolvenzfälle in diesem Jahr – ein Anstieg von 19,2 Prozent. Die Firma rechnet für das Gesamtjahr mit mehr als 19.000 Firmenpleiten.
Auch die Halbjahreszahlen von Creditreform zeigen einen weiteren Anstieg der Unternehmensinsolvenzen. Deren jüngste Auswertung für das erste Halbjahr 2026 weist 12.900 Unternehmensinsolvenzen aus – ein Anstieg um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten verzeichnete Creditreform einen überdurchschnittlich starken Anstieg der Insolvenzen um 28,6 Prozent. Creditreform erfasst darüber hinaus gesondert 12.300 Insolvenzen ehemals Selbstständiger. Diese Fälle gehen häufig auf eine frühere gewerbliche Tätigkeit zurück, werden statistisch aber nicht als Unternehmensinsolvenzen geführt. Zusammen ergeben beide Gruppen 25.200 Fälle. Im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 24.370 – ein Anstieg um rund 3,4 Prozent. Über sämtliche Schuldnergruppen hinweg registrierte Creditreform 66.700 Insolvenzverfahren, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Wer kann, der geht und rettet sich.
Doch den Luxus der dauerhaften Flucht hin zu besseren Standorten genießen nur die Großen. Im Mittelstand herrscht Tristesse: Gerade die kleinen Betriebe, Händler, Kleingewerbe und all die Hunderttausenden Betriebseinheiten, die mit ihnen gemeinsam an den Standort Deutschland gebunden sind, müssen versuchen, sich in der rauen politischen und ökonomischen See zu behaupten. Und dass diese See noch rauer zu werden droht, pfeifen die Spatzen von den Dächern.
Die hohe Staatsverschuldung und das weiter steigende gesamtstaatliche Defizit, das sich 2027 ohne Gegenmaßnahmen nach Einschätzung der Bundesbank der Fünf-Prozent-Marke nähert, deuten auf das Grundproblem hin: Man hat sich ideologisch mit Klimakampf und Energiewende verrannt und versucht nun, eine schuldenfinanzierte Staatsökonomie an die Stelle der zerbröselnden Industrie zu verpflanzen. Sozialismus nennen das die einen, Zentralplanung die anderen. Im Ergebnis läuft alles auf dasselbe hinaus: Die gesamtwirtschaftliche Produktivität leidet. Die reale Wirtschaft geht unter den schlechten Wettbewerbsbedingungen in die Knie und verlagert ihre Produktion ins Ausland. Und mit jedem Leuchtturmunternehmen, das den Standort verlässt, geht bei Tausenden Mittelständlern, angegliederten Betrieben, vom Kaufkraftverlust der Region betroffenen Händlern bis hin zum Stadtkämmerer das Licht aus.
Allein Volkswagen, Posterboy des deutschen Niedergangs, steht an der Spitze einer Lieferkette von über 65.000 Einzelunternehmen, von denen weit mehr als 10.000 am Standort Deutschland tätig oder verwurzelt sind. Dieses Fundament aus Kooperation, Wissenstransfer und Produktion am Heimatstandort ist von Ideologen und politischen Hardlinern zerschlagen worden. Und auch die Regierung von Friedrich Merz arbeitet unter Hochdruck daran, den Umbau der Ökonomie zu einer Staatswirtschaft – zu einer Klimawirtschaft und Militärökonomie – fortzuführen.
Staatswirtschaft soll die Heilung bringen. Friedrich August von Hayek hätte wohl frustriert konstatiert, dass sich das Land längst auf dem Weg in die Knechtschaft befindet. Und auf diesem Weg spielt der Mittelstand bei den Dispositionen der Politik keine Rolle mehr.




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Und wen wählt der Mittelstand denn so? AfD ganz sicher nicht.
Wir sind auf einem guten Weg. Wir wollen CO2 frei werden und jeder Betrieb der schließt stößt das Gott bei sei uns Gas nicht mehr aus. CO2 frei ist Staatsziel Nr1 und wurde im GG verankert. Das Volk wählt die Parteien die genau das angekündigt haben. Ich warte noch bis zum Selbstmord aufgerufen wird um die Zukunft zu retten, denn jeder Atemzug stößt CO2 aus.
Da hatte ich als Schwurbler, Querdenker und Schwarzmaler leider recht. Ich habe vor 2 Jahren per Insolvenz geschlossen und in 2 Wochen wandere ich aus. Es gibt noch Länder wo Leistung zählt und entlohnt wird. Good Bye Deutschland.
Luisa Neubauer und Carla Reemtsma mit ihren FFF JüngerInnen freuts: immer schneller auf dem Weg in die Klimaneutralität. Und viele der AN, die jetzt um ihren Job bangen, sind die stolzen Papis & Mamis, die Freitags ihre Kinder zum Schule schwänzen fuhren.
Zum Schulschwänzen mit dem SUV gefahren haben, sollte es heißen.
„Friedrich August von Hayek hätte wohl frustriert konstatiert, dass sich das Land längst auf dem Weg in die Knechtschaft befindet. Und auf diesem Weg spielt der Mittelstand bei den Dispositionen der Politik keine Rolle mehr.“
Welch witzige Bemerkung. Vor allem da der Mittelstand über seine Verbände weiterhin eine besonders aggressive Pressure Group des woke-links-grünen Blocks ist und die überwältigende Mehrheit der genetisch auf Helotentum geieichten Bevölkerung dieses Lande mit vielem ein Problem hat. Aber bestimmt nicht mit Knechtschaft.
P.S.: Und „verrannt“ hat sich da auch niemand. Läuft alles exakt so wie gewünscht. Und zwar weiterhin von locker 70%.
Wieviel Firmenkredite die Banken bei Insolvenz wohl abschreiben müssen?
Ich arbeite übrigens daran, die Verantwortlichen in Politik und anderswo, vor ein Gericht, besser ein Volksgericht zu bekommen. Leider wird meine Arbeit in der Hinsicht erfolglos bleiben, zu wenig Macht! Sie Wissen schon als Leser des Artikels.
Das Merz-Regime gehört schnellstens geschasst!
Mindestens 30 Jahre habe wir schon rumgekriegt, mehr als nochmal 10 Jahre (maximal) gebe ich denen nicht. Allerdings sind die wirtschaftlichen Grundlagen schon heute mehr als ruiniert, denn von der Energiewende wird sich dieses Land vermutlich nicht erholen.
Für die Energiewende danken auch die Mittelständler der Merkel inständig und werden die auch als Bundes-Grüßtante sehr begrüßen.
Neben den Insolvenzen gibt es auch noch die Kleinunternehmen die keinen fachlich geeinigten und risikobereiten Nachfolger finden. In einigen Jahren, wenn die Boomer in Rente gehen wird es deutlich weniger Betriebe geben. Stellt euch schon mal darauf ein,das in naher Zuknft für die Arbeitsstunde eine Sanitärinstallateurs über 100 EUR zu zahlen sein werden. Auch das ist Markt.
MEDIA-MARKT/SATURN darf laut BILD von JD übernommen werden.
Allerdings wird diesen Saftladen sicher niemand so wirklich vermissen, denn deren Geschäft(smodell) hat sich ins Internet verlagert.
Da haben die ja noch mal so gerade eben die Kurve bekommen. Den Durchschnittsschrott der deutschen Wirtschaft binden sich die schlauen Ostasiaten bestimmt nicht ans Bein.