Audi flüchtet vom sinkenden Narrenschiff und investiert Milliarden in den USA

Gas kostet in Europa inzwischen zehnmal so viel wie in den USA. Während bei Verbrauchern und Mittelstand die Sorgen wachsen, lässt sich der Audi-Chef auf einer Trump-Rally für ein Milliardeninvestment feiern. Die Steigbügelhalter des Klimairrsinns verlassen das sinkende Schiff.

picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Kaum etwas ist aus der Sicht eines Politikers demütigender als der öffentliche Schulterschluss heimischer Wirtschaftsbosse mit dem politischen Erzfeind von außen.

Nur wenige Tage nach dem gemeinsamen Schwur von Bundesregierung und Industrie, einem flüchtigen Treuebekenntnis zum Investitionsstandort Deutschland, sah Audi-Chef Gernot Döllner wohl den geeigneten Moment gekommen, Bundeskanzler Friedrich Merz auf seine historische Bedeutungslosigkeit hinzuweisen. Ein öffentlichkeitswirksamer Auftritt auf einer Wahlkampfrally von US-Präsident Donald Trump machte klar, was die Stunde geschlagen hat: Der Kanzler wird von der deutschen Wirtschaft eingenordet und öffentlich gedemütigt. Döllner präsentierte in Georgia vor Tausenden begeisterten MAGA-Fans die Pläne seines Unternehmens, weitere 4,5 Milliarden US-Dollar am Standort Macon zu investieren.

Döllner genoss den Moment des Triumphs, den überschwänglichen Jubel auf der Bühne mit dem US-Präsidenten – da schien die Heimat mit dem Trauerkanzler in herbeihalluzinierter Klimaschock-Starre ganz weit weg.

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Wie so viele andere in diesen Monaten tritt auch Audi die Flucht nach vorne an, umgeht den Zolldruck der USA durch Produktionsverlagerung und schüttelt so auch ganz nebenbei die vom Klimakanzler und seinen grünen Truppen eisern verteidigte Energie- und Klimapolitik ab. Politiker sollten schnell lernen: Unter den gegebenen Rahmenbedingungen läuft in Deutschland die Zeit von Industrieproduktion, hoher Wertschöpfungstiefe und Prosperität ab.

Auch Merz’ Lieblingsprojekt, die Militärstaatswirtschaft, ist auf günstige und vor allen Dingen zuverlässig-strömende Energie angewiesen. Aus diesem Grund wird auch dieser politische Homunkulus bald in Trümmern liegen.

Es schlägt jetzt also die Stunde der Verräter, der Klimaabtrünnigen und politischen Kollaborateure, die angesichts der Katastrophe nun versuchen, ihre eigene Haut zu retten. Der rettende Hafen: ausgerechnet Donald Trumps Amerika.

Es waren nicht zuletzt die Autobosse, die Funktionärskader der deutschen Industrie, die sich angesichts der Klimapläne und der Regulierung die Hände rieben. Diese Regulierung schaltete zum einen lästige Konkurrenz aus dem Mittelstand per Federstrich aus und versprach zum anderen satte Subventionszahlungen.

Schäbiger Opportunismus, unerträgliche Kumpanei mit der Politik – die Wirtschaft unterwarf sich dem grünsozialistischen Establishment ohne ein einziges Wort der Kritik. Deutschlands Elite hat den politischen Bückling kultiviert, sich als Steigbügelhalter der Macht angedient und ist jetzt nicht mehr in der Lage, dem Wahnsinn in einer konzertierten Aktion entgegenzutreten. Derweil stiegen die Energiepreise im Land immer weiter. Niemand fiel den Scharlatanen der grünen Transformation in den Arm, als klar wurde, dass mit dem Green Deal der größte politisch legitimierte Raubzug seit dem Zweiten Weltkrieg geplant war.

Sie ließen es laufen, ließen politische Dilettanten und Ideologen ihr Werk verrichten und stehen heute vor einem zerbrochenen Geschäftsmodell: Dauerkrieg mit Russland, handelspolitische Konflikte mit Washington und Energiepreise jenseits von Gut und Böse. Die letzte Illusion, den Standort Deutschland verteidigen zu können, wird damit im Keim erstickt.

Der europäische Gasmarkt hat sich seit Jahren von der amerikanischen Realität abgekoppelt. Zuletzt notierte der niederländische TTF-Preis, Europas Benchmark, bei rund 94 Euro je Megawattstunde, während man in den USA für Henry-Hub-Gas nur 8 Euro berappen muss. Der Stoff, aus dem wirtschaftliche Albträume gemacht sind. Gas ist in Europa damit mehr als elfmal so teuer wie in den USA. Vor einem Jahr lag der Faktor noch bei vier, und nie war der Abstand so groß wie heute.

Nichts und niemand wird diesen Preisgraben dauerhaft zuschütten können, solange die Europäer ihre Energiepolitik nicht radikal auf den Kopf stellen. Doch selbst die Rechtsaußenpolitikerin Marine Le Pen plant wohl, an diesem gigantischen Umverteilungsschema festzuhalten und die Deutschen dafür blechen zu lassen. Europa hat sich verhakt: in seiner intellektuellen Erbärmlichkeit, in politischer Großmannssucht und in ökonomischem Opportunismus.

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Zu viele Unternehmen, Arbeitnehmer, Rentenbezieher, Sozialhilfeempfänger, Politiker, Funktionäre und Nichtsnutze in den NGOs oder Staatspropagandisten beim ÖRR kleben am Umverteilungsstaat und füllen ihre Kassen in vielen Fällen über die unterschiedlichsten Kanäle der Transformationswirtschaft.

Für die energieintensive Industrie in Deutschland und in den europäischen Industriestandorten ist damit das Ende des Weges erreicht. Stellen wir uns einen gasintensiven Betrieb vor, etwa ein Düngemittelwerk, und vergleichen die Situation am Standort Europa mit der in den USA: Hier zahlen Sie mehr als 30 US-Dollar je Million BTU, in den USA weniger als 3 Dollar. Investitionen bewegen sich dorthin, wo Energie günstig ist, wo die Wirtschaftspolitik dereguliert und die Bürokratielast nicht so hoch ist. 7 Prozent ihres Umsatzes bringen deutsche Unternehmen, so die Bundesbank, allein dafür auf, die Fronarbeit der Staatsbürokratie zu leisten. Das ist grotesk, das ist wirtschaftspolitischer Wahnsinn.

Man mag sich an die Bürokratiekosten fast schon gewöhnt haben. Dass Gas jedoch zum industriepolitischen Kill Switch wurde, trifft vor allem die Chemiewirtschaft. Glasproduktion ist ebenso wenig möglich wie wettbewerbsfähiger Stahl oder Düngemittel am Standort. Für sie alle ist Gas kein Nebenkostenposten. Gas ist der Grundstoff, die Prozessenergie und ein wichtiger Wettbewerbsfaktor zugleich.

Verständlich, dass vor allen Dingen die Chemieproduktion in Deutschland von ihrem besten Jahr um 20 Prozent eingebrochen ist. Der Standort ist nicht mehr zu halten.

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Audi ist beileibe kein Einzelfall: Das Kapital flieht regelrecht aus Deutschland und aus der EU über den großen Teich nach Amerika. Mercedes-Benz kündigte im April an, bis 2030 allein vier Milliarden US-Dollar in sein Werk in Tuscaloosa, Alabama, zu investieren. Insgesamt summieren sich die Investitionen in das US-Geschäft auf mehr als sieben Milliarden Dollar. Die Produktion des GLC wird dafür von Deutschland nach Alabama verlagert.

BMW wiederum hat sein bislang größtes US-Investitionsprogramm abgeschlossen: 1,7 Milliarden Dollar sind in die Werke in South Carolina geflossen, eine Milliarde in die Modernisierung von Spartanburg und 700 Millionen in die neue Batteriefabrik in Woodruff. Zugleich kündigte der Konzern im Juli den Abbau von bis zu 8.000 Stellen in Deutschland an. Audi wechselt von „Made in Germany“ zu „Made in the USA“.

Auch bei Otto Normalverbraucher herrscht Ebbe in der Kasse. Nicht wenige Familien dürften im Winter Probleme bekommen, ihre Häuser zu beheizen. Was für eine Schande, was für ein Offenbarungseid und wirtschaftlicher, aber auch intellektueller Niedergang eines Landes, das sich einst seiner Ratio, seiner Ingenieurskunst und politischen Überlegenheit rühmte.

Es wäre der Moment der Wende, der Moment der Krisis – Krisis bedeutet im Altgriechischen Wendepunkt –, und diese Wende ist längst überfällig: die Erschließung eigener Gasvorkommen in der Nordsee und der Ostsee, eigenes Fracking, die schnelle Rückkehr zur Kernkraft und die Ausweitung der Kohleförderung. Das wäre das, was Angela Merkel einst als „alternativlos“ bezeichnete. Heute gilt dies zumindest dann, wenn es einem um das Wohl der deutschen Bevölkerung, ihrer Industrie, ihres Mittelstands, ihrer Händler und kleinen Betriebe gelegen ist.

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Kommentare ( 157 )

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Kaesebroetchen
20 Stunden her

Man wundert sich nur, dass der Wähler sich jetzt wundert. Wer konnte ernsthaft erwarten, dass die „grüne Transformation“ für den Preis von ein paar Kugeln Eis zu bekommen wäre? Ernsthaft, wer glaubte diesen von allen Staatsmedien gehypten Unsinn?

Mein Onkel
16 Stunden her

Schon seit Schröder, und erst recht seit Merkel sind deutsche Wirtschaftsbosse der Polit-„Elite“ von schwarz-grün und rot-grün in den Allerwertesten gekrochen. Klima und Weltenrettung war die Devise.
Jetzt kommen sie wieder aus ihren Löchern gekrochen…

DELO
19 Stunden her

Endlich hat einer dieser Wirtschaftstölpel mal Farbe bekannt und die Karten offen gelegt. Nur SO kann es Änderungen geben, daß zeigt sich vor allem daran, daß die grünroten Idioten alle durchdrehen. Genau die Typen, die dieses Chaos hervorgezaubert haben. Eine konzertierte Aktion seitens der Autobranche wäre zwar wünschenswerter gewesen, aber die Herren CEO-Angsthasen sitzen eben noch zu bequem in ihren Ledersesseln.

Peter Pascht
20 Stunden her

DIE LINKE Linksextremisten verlangen den Rücktritt des AUDI Chefs
Linksextremistiche Ideologie geht vor Sicherung von Arbeitnehmer Interessen.

albert deutsch
20 Stunden her

Audi-Fahrer in Deutschland :
zu geizig für Mercedes .
zu unbedarft für BMW ,
zu arrogant für VW . USA – passt !

Logiker
21 Stunden her

Kein Mitleid mit AUDI – es konnte ja nicht elektrisch und teuer genug sein. Echte Innovationen blieben aus – die Autos sind ausentwickelt – so wie z.B. auch Smartphones. Buntes Mäusekino im Inneren auf allen Plätzen – Hauptsache teuer. Der Markt für frühere hauseigene Abzocksysteme namens Multimedia samt Navi ist weggebrochen. Reparaturunfreundliche Bauteile in der Crashzone dank zahlreicher unnützer „Assistenzsysteme“ – eine einfache Stoßstange oder Windschutzscheibe war einmal. Renault / Dacia ist auf gutem Weg – bis 2030 sollen mehr als 20 Modelle besser, aber billiger werden. Der Treppenwitz der Geschichte: die deutschen „Luxuswagen“-Hersteller schaffen in großer Not große Teile… Mehr

Freigeist63
21 Stunden her

Bei allem Zorn auf die Unternehmen, die den Kurs von Merkel/Ampel/Merz unterstützt haben und jetzt flüchten, trifft auf der einen Seite auf Unverständnis auf der anderen Seite auf die logische Konsequenz der Wirtschaftspolitik.

Als Erkenntnis bleibt, das unsere Politiker seit Jahren in einem intellektuellen Vakuum der Blödheit verweilen. Der Begriff Politiker wird zu einem der Schimpfwörter werden, dass sich diese wünschen würden eher als Ars%hoch bezeichnet zu werden!!

Mausi
21 Stunden her

Nett der Abschnitt unter „Ministerpräsident und IG Metall reagieren“, vgl. https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/audi-usa-trump-100.html, zu „verbindliche Perspektiven… an den hiesigen Standorten“ „Bringschuld“, und „Wachstum in Amerika muss Arbeit und Wertschöpfung hier sichern und darf sie nicht verdrängen“. Ja, die Wirtschaft „macht mit“, solange die Perspektiven, die die Politik bietet, immer noch Umsatz kreiert für den Umsatz, den sie zerstört. Und dann ist es vorbei. Es ist nicht Aufgabe der Wirtschaft Standorte gegen sture Politik zu verteidigen. Das ist Aufgabe der Gewerkschaften. Bis Standorte kostenintensiv verlegt werden, das braucht schon sehr schlechte politische Vorgaben. Abgenickt von den ArbN in ihren Gewerkschaften. Es wäre Aufgabe… Mehr

Last edited 21 Stunden her by Mausi
Ceterum censeo Berolinem esse delendam
22 Stunden her

Sicherlich wird Audi in den USA nur e-tron Modelle produzieren. Da die Nachfrage im deutschen Markt so hoch ist, hat man einfach keine Kapazitäten, um den amerikanischen Markt von hier aus zu bedienen.

drnikon
22 Stunden her

Genau das war der Zweck der Übung: Ab in die USA, so wollen es die us Boys, in der Hoffnung einer Reindustrialisierung und gleichzeitig das Ausschalten des europäischen „Mitbewerbers“. Und die EU macht auch brav mit. LOL

AmpelFluechtling
22 Stunden her

Donald Trump ist ein Macher. Die amerikanische Wirtschaft explodiert während der Rest der Welt vor die Hunde geht aufgrund von Klima, Gender und Wokismus.

M. Stoll
20 Stunden her
Antworten an  AmpelFluechtling

Nicht der Rest der Welt.
Nur Europa verliert dramatisch.
Hat die Mehrheit nicht das grüne Wirtschaftsprogramm DEGROWTH zur „Klima-Rettung“ gewählt?
Go woke, get broke.

Kassandra
17 Stunden her
Antworten an  M. Stoll

Kanada geht auch vor die Hunde – das wird uns hier nur nicht beschrieben. Wie es in Australien, Neuseeland oder Japan zugeht – wer weiß es?