Berlin, Berlin, wir flüchten aus Berlin

Seit Jahren ziehen mehr Menschen aus Berlin in andere Bundesländer als umgekehrt. Die Stadt wächst nur durch Ausländer. Da beträgt das Plus 330.000 seit 2018. Das ist ein ganzer Stadtbezirk – oder einmal Bielefeld.

picture alliance / pressefoto_korb | Micha Korb

Es gibt so Statistiken, die kann das schönste Stadtmarketing nicht schönreden. Allein im vergangenen Jahr sind etwa 12.500 Menschen mehr aus Berlin in andere Bundesländer gezogen als umgekehrt.

Gegenüber dem Ausland steht im vergangenen Jahr dagegen ein Wanderungsplus von etwa 32.200 Menschen. Die deutsche Hauptstadt wächst durch internationale Zuwanderung, aber verliert im Austausch mit dem übrigen Deutschland.

Abstimmung mit dem Möbelwagen

Wer Berlin von außen betrachtet und noch nicht kennengelernt hat, der sieht meist Möglichkeiten. Wer schon in Berlin lebt und seinen Alltag dort organisieren muss, sieht das anders.

Auch wenn man jung ist, verliert irgendwann die Aussicht auf die nächste aufregende Nacht gegen den Wunsch nach einem erträglichen Dienstagmorgen. Berlin lebt vom unberechtigten Vertrauensvorschuss der Neuankömmlinge – und von der sentimentalen Verlustangst der Alteingesessenen. Ein Arbeitsplatz, die Familie und ein alter Mietvertrag halten Menschen fest. Das ist noch lange kein Liebesbeweis.

Wer gehen kann, besitzt eine Freiheit, die diese Stadt zunehmend wertvoll macht: die Freiheit, ihr den Rücken zu kehren.

Hauptstadt der Gleichgültigkeit

Wer nach Berlin zieht, tut das sehr oft von vornherein nicht, um lange dazubleiben.

Internationale Arbeitsnomaden, auch in hochbezahlten Führungspositionen, wechseln durchschnittlich nach drei Jahren, spätestens nach fünf Jahren den Job und ziehen dann weiter. Berlin betrachten sie grundsätzlich nur als Zwischenstation auf ihrer globalen Reise – und ganz sicher nicht als ihr Zuhause oder gar als Heimat. (Umso mehr braucht die Stadt für diese solvente Klientel mit dem dringend benötigten hohen Steueraufkommen möblierte Wohnungen auf Zeit – die sie gerade weitgehend verbieten will; aber das nur am Rande.)

Berlins Bewohner interessieren sich nicht wirklich für ihre Stadt. Und die Stadt interessiert sich nicht für ihre Bewohner. Man hat sich gegenseitig durchaus verdient. Berlin hat die Gleichgültigkeit zur Weltanschauung gemacht. Was auch passiert: Das Amt hat keinen Termin oder ist nicht zuständig. Oder beides. Der Nachbar hat nichts gesehen, der Passant geht weiter. Verantwortung liegt überall herum. Aber niemand hebt sie auf.

Einwohnerentwicklung
Allein im Jahr 2025 sind bei der Berliner Stadtreinigung (BSR) mehr als 106.000 illegale Müllablagerungen gemeldet worden. Die BSR holte rund 54.000 Kubikmeter Sperrmüll und Sortierreste sowie 5.800 Kubikmeter Bauabfälle – von den Straßen, wohlgemerkt. Die Menge an illegalem Müll stieg damit um satte zehn Prozent.

Die Bewohner Berlins machen aus den Bürgersteigen der Stadt die längste Müllhalde der Welt. Es ist ihnen egal, weil ihnen die Stadt egal ist.

Eine Matratze am Straßenrand ist tatsächlich nicht nur ein Entsorgungsproblem. Sie ist ein aggressives Bekenntnis zum Desinteresse: Mein Problem ist jetzt euer Problem. Der öffentliche Raum gehört nicht allen, sondern gefühlt niemandem – und wo kein Eigentümer, da auch keine Verpflichtungen. Freiheit heißt in Berlin, dass jemand anderes hinter einem her putzt.

Die Stadtreinigung räumt gegen dieses Lebensgefühl an. Doch sie ist chancenlos gegen die hauptstädtische Überzeugung, dass Rücksicht etwas für Provinzler ist und Ordnung eine verdächtige politische Haltung.

Menschenexperiment

Die Politik hat sich angepasst und behandelt die Stadt nicht sorgsam, sondern als großes Versuchslabor für allerlei Ideologien.

Der Bewohner von Berlin ist in diesem Schauspiel nur die Kulisse – und natürlich die Finanzquelle. Wobei: Zahlen tun gar nicht die Berliner selbst, sondern vor allem die Bayern. Ohne die ständigen Überweisungen aus dem Freistaat könnte Berlin sich noch nicht einmal den Strom für die Ampeln leisten. Allein im vergangenen Jahr flossen sagenhafte 4,2 Milliarden Euro aus dem Finanzkraftausgleich an die Spree. Berlin macht Dauerparty mit einer bayerischen Kreditkarte.

Doch egal, wer letztlich blechen muss: Eine funktionierende Stadt bekommt er dafür nicht. Dafür jede Menge Erklärungen, warum die Stadt nicht funktioniert. Berlin betrachtet die Verwaltung seiner Probleme als deren Lösung. Ein neues Konzept ersetzt die erledigte Aufgabe.

Ort ohne Zukunft

Die Schlauen verlassen die Stadt. Es kommen die Ignoranten – und die Bedürftigen.

Mehr Einwohner retten das Modell nicht. Ein zusätzlicher Name im Melderegister repariert keine Schule, baut keine Wohnung und gründet kein Unternehmen. Und selbst wenn Menschen kommen (was viel zu selten der Fall ist), die Fähigkeiten und Initiative mitbringen: Dann müsste die Stadt ihnen erlauben, daraus etwas zu machen.

Aber das Einzige, was Berlin baut, sind Hindernisse.

Keine Frage: Die Stadt zerstört sich selbst. Was Berlin braucht, sind Menschen, die bauen, gründen, investieren und Verantwortung übernehmen. Was Berlin bietet, ist ein Alltag, in dem diese Menschen ihre Energie an Widerständen verbrennen. Jeder, der mobil genug ist und eine Alternative hat, kann gar nicht anders, als irgendwann zu rechnen: Wie viel Lebenszeit ist dieser Standort noch wert?

Neubürger können Weggezogene allenfalls zahlenmäßig ausgleichen. Aber sie ersetzen keine verlorene Verbundenheit. Eine Stadt besteht aus mehr als vermieteten Wohnungen. Sie braucht Menschen, die bleiben wollen, weil sie dort etwas aufbauen möchten. Wer bloß durchhält, bis sich endlich etwas Besseres bietet, schafft keine Zukunft.

Deutschland wäre ohne dieses Berlin besser dran. Sogar die Berliner wären ohne dieses Berlin besser dran.


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Kommentare ( 96 )

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Gerdt Novak
31 Minuten her

Das Müllproblem in der Öffentlichkeit ist die Hinterlassenschaft der Merkelschen Zuwanderungspolitik und den internationalen Hipstern. Seit 2015 hat die Verwahrlosung drastisch zugenommen.
Gut zu sehen an einem Sommer-Sonntag-Abend im z. B. dem Treptower Park, Müll so weit das Auge reicht.
Das ist was die Linken nicht verstehen. Die Stadt, ein Land, ist so wie deren Bewohner. Wenn die Bewohner verwahrlost und unfähig sind, dann strahlt es genau das aus, zieht solche Typen an.

Beckstein
46 Minuten her

Ich habe beruflich öfter etwas mit Unternehmen aus Berlin zu tun. Totales Chaos. Wenn ich in Berlin übernachten muss, dann nur in Köpenick, das ist am wenigsten unerträglich. Ansonsten nur depressive Menschen, Hundemist, und Müll überall.

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
59 Minuten her

Ich bin für Familienzusammenführung der Palästinenser. In Berlin, wo ihre Verwandtschaft sowieso schon lebt. Die Stadt kann dann in Neu-Gaza umbenannt und die Scharia-Rechtsprechung eingeführt werden. Bitte eine Mauer rundum hochziehen und Elif Eralp als Oberbürgermeisterin zusammen mit Innensenator Ferat Koçak. Damit würden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Palästinenser hätten endlich ihren eigenen Staat. Und der wäre auch noch ein sozialistisches Paradies, wo den Bewohnern die reifen Früchte ohne Anstrengung in den Mund fallen.

Israel hätte endlich Ruhe, und Trump könnte in Gaza ein neues Dubai errichten.

Win-win für alle Seiten.

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
1 Stunde her

Eine multikulturelle Gesellschaft ist nun mal keine Gesellschaft, sondern zahlreiche Parallelgesellschaften mit Partikularinteressen. Woher sollte dann ein gemeinschaftliches Interesse an einer sauberen und funktionierenden Stadt kommen? Ja, der Länderfinanzausgleich gehört abgeschafft, damit Konstrukte wie Berlin es auf die harte Tour lernen müssen. Und wenn es nur dadurch geht, dass Bayern ebenso ruinös wirtschaftet, um kein Geld mehr für Berlin übrig zu haben, dann sollte dieser Weg eben gegangen werden. Wenigstens hätte Bayern dann ein saniertes Straßennetz, kostenfreie Kindergärten und bestens ausgestattete Schulen davon. Das ist doch besser, als dem Moloch Berlin das bayerische Steuergeld für Nichts und wieder Nichts in… Mehr

Last edited 1 Stunde her by Ceterum censeo Berolinem esse delendam
Giovanni
1 Stunde her

Berlin entwickelt sich zu einer woken Provinzhauptstadt. Das Vorbild ist New York mit einem muslimischen Bürgermeister.

Uferlos
4 Stunden her

Berlin hat viele Probleme, aber ich lebe seit langem und gern hier. Auf den Keks geht mir die zunehmende Vermüllung des öffentlichen Raumes.

Internationale Arbeitsnomaden, auch in hochbezahlten Führungspositionen, wechseln durchschnittlich nach drei Jahren, spätestens nach fünf Jahren den Job und ziehen dann weiter. Berlin betrachten sie grundsätzlich nur als Zwischenstation auf ihrer globalen Reise – und ganz sicher nicht als ihr Zuhause oder gar als Heimat.

Ja, dass ist so, was soll das Gejammere ? Das gleiche trifft auf andere Metropolen genauso und oft noch stärker zu. Auch Barcelona hat massenhaft diese kurz bis mittelfristigen Einwohner.

Uferlos
4 Stunden her

Ort ohne Zukunft

Die Schlauen verlassen die Stadt. Es kommen die Ignoranten – und die Bedürftigen.

Mehr Einwohner retten das Modell nicht. Ein zusätzlicher Name im Melderegister repariert keine Schule, baut keine Wohnung und gründet kein Unternehmen. Und selbst wenn Menschen kommen (was viel zu selten der Fall ist), die Fähigkeiten und Initiative mitbringen:

Defätismus in Reinform. Gerade Berlin erlebt Zuzug aus allen Ecken der Welt und unterscheidet sich damit deutlich von kleineren Städten, die überwiegend von Asylbewerbern überlaufen werden.

Ralph Martin
5 Stunden her

Wir waren vor 3 Jahren im Sommer auf Wunsch unser ausländischen Gäste 3 Nächte in Berlin.
Ausser im Regierungsviertel und an den Touristenmagneten ist die Stadt dreckig, verfällt und von ausländischen Langschläfern besiedelt.
Wir alle waren froh als wir abgereist sind.

Michael W.
5 Stunden her

Abstimmung mit dem Möbelwagen

Und dort, wo die hin ziehen, wählen die wieder Links und Grün.
Wenn es bei uns ein Neubaugebiet gibt (erst vor kurzem ein Dutzend Doppelhäuser), steigt die Zahl der Stimmen für Links und Grün. Und die Leute kommen fast alle aus Großstädten. MA, M, F usw. Bei uns gibt es eben noch keine Moslem- und Maximalpigmentierten-Horden. Je mehr aber Links und Grün wählen, desto eher werden die auch zu uns geholt werden. „Uns“ ist ein Dorf mit 2000 Einwohnern in der Nordpfalz an der Grenze zu Rheinhessen in der Nähe von Worms.

Britsch
2 Stunden her
Antworten an  Michael W.

Städter ziehen aufs Land mit ihren Vorstellungen von Natur und ländlichem Leben.
Sie zerstören das Dorfleben, das „Landmenschen“ schätzen und wieso diese bisher „auf dem Land“ gelebt haben.

Rasio Brelugi
5 Stunden her

„Die deutsche Hauptstadt wächst durch internationale Zuwanderung, …

Oh! Ich dachte immer, durch muslimische Zuwanderung.
(Kann zwar auch international sein (afghanisch, iranisch, irakisch, syrisch etc.), bleibt aber ein bemerkenswertes Merkmal.)