Das Stasi-Gesetz 2.0 kommt: Alexander Dobrindt baut den Verfassungsschutz zum Repressionsapparat um. Neue Eingriffsbefugnisse, abgeschirmte Kontrolle und der Kampf gegen den angeblichen „inneren Feind“ verschieben die Grenze zwischen Rechts- und dystopischem Überwachungsstaat.
picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
In den immer hysterischer werdenden Diskussionen in der erodierenden Union um Stützen oder Stürzen von Bundeskanzler Friedrich Merz wird neben den üblichen Prätendenten Markus Söder und Hendrik Wüst nun auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt genannt.
Im Jahr 2018 schrieb Dobrindt: „dass diejenigen, die viel über Vielfalt reden, in Wahrheit nur eine Meinung akzeptieren – ihre eigene.“ Heute gehört er selbst zu denen, „die viel über Vielfalt reden, in Wahrheit nur eine Meinung akzeptieren“ – nämlich die rotgrüne. Allzu vergnügt sitzt er mit einem Koalitionspartner zusammen, der „viel über Vielfalt“ redet und dem „Einheitsbraun“, also denen, die Dobrindt 2018 noch als die Mehrheit feierte, die „bürgerlich“ denkt und lebt, den Kampf angesagt hat. Dobrindt hatte damals festgestellt: „Es gibt keine linke Republik und keine linke Mehrheit in Deutschland.“ Inzwischen gibt es immer noch „keine linke Mehrheit“, aber Deutschland ist eine „linke Republik“ geworden, dank Merkel und nun auch dank Dobrindt, der inzwischen in Mustern, die man aus der Geschichte nur zu gut kennt, in der Konstruktion des „inneren Feindes“ als Agenten des äußeren Feindes lebt. Doch die Konstruktion des inneren Feindes hatte in der Geschichte stets dazu gedient, die Opposition zu delegitimieren und zu kriminalisieren, um sie zu vernichten.
Merz, Günther und Wüst wollen die Pressefreiheit einschränken, die Meinungsfreiheit limitieren und die einzige Volkspartei, die in Deutschland existiert, verbieten. Was Dobrindt damals für die CSU als Volkspartei reklamierte, dass sie „ein kraftvolles Bindeglied aller gesellschaftlichen Gruppen – Arbeiter und Angestellte, Landbevölkerung und Städtern, Katholiken, Protestanten und Konfessionslosen, Liberalen und Konservativen, Kosmopoliten und Nationalen“ darstellt, findet man nur noch bei der AfD. Damals rief Dobrindt auf der Barrikade der Freiheit aus:
„Fünfzig Jahre nach 1968 wird es Zeit für eine bürgerlich-konservative Wende in Deutschland. Linke Ideologien, sozialdemokratischer Etatismus und grüner Verbotismus hatten ihre Zeit. Der neue Islamismus attackiert Europas Freiheitsidee und Selbstverständnis und darf seine Zeit gar nicht erst bekommen. Darum formiert sich in Deutschland eine neue Bürgerlichkeit. Auf die linke Revolution der Eliten folgt eine konservative Revolution der Bürger. Wir unterstützen diese Revolution und sind ihre Stimme in der Politik.“
Würde mit diesen Sätzen Dobrindt heute nicht selbst zum Verdachtsfall seines Verfassungsschutzes? Die Stimme „dieser Revolution“ ist Dobrindt längst nicht mehr, sondern inzwischen eine Stimme der Reaktion, der 68er.
Um Herrn Dobrindt muss man sich indes keine Sorgen machen, längst hat er die Barrikade der Freiheit mit dem Dienstwagen und dem Ministersessel in einer inhaltlich rotgrünen Regierung eingetauscht, in einer Regierung linker Ideologien, sozialdemokratischer Etatismen und grüner Verbotismen.
Immer wieder hatten sich Menschen in der Geschichte gefragt, wie es dann der römische Dichter Juvenal in den Vers brachte: „Wer bewacht die Wächter?“ (Quis custodiet ipsos custodes?). Da Macht korrumpiert und absolute Macht absolut korrumpiert, wie schon Lord Acton feststellte, stand die Frage, wie man den Missbrauch von Macht von denjenigen verhindern kann, die den Missbrauch von Macht zu verhindern hätten. Die Lösung, auf die der englische Philosoph John Locke und der französische Aufklärer Charles de Montesquieu kamen, war genial und stellt die conditio sine qua non einer jeden Demokratie und eines jeden Rechtsstaates dar. Verkürzt gesagt lautet die Antwort, dass es nicht einen Bewacher, sondern drei Bewacher gibt, die unabhängig voneinander, auf unterschiedliche Legitimation zurückgreifen und deshalb sich gegenseitig kontrollieren, in Schach halten können, sich gegenseitig „bewachen“.
In Dobrindts Gesetz-Entwurf wird das für die Demokratie essentielle Prinzip der Gewaltenteilung aufgelöst. Im Grunde im Geist der Dienstanweisung Nr. 1/52 zum Befehl vom 15. Mai 1952 des Ministeriums für Staatssicherheit wird die richterliche Kontrolle über geheimdienstliche und geheimpolizeiliche Maßnahmen eingeschränkt und zudem der parlamentarischen Kontrolle enthoben. Dobrindt behauptet zwar, dass die parlamentarische Kontrolle über den Unabhängigen Kontrollrat (UKRat) gewährleistet sei. Doch den Unabhängigen Kontrollrat beruft und kontrolliert das Parlamentarische Kontrollgremium. Das Parlamentarische Kontrollgremium besteht hinwiederum aus den Politikern Henrichmann (Union), von Notz (Grüne), Hain und Throm (Union) und Baldy und Eichwede (SPD). Ihm gehören weder Abgeordnete der Linken noch der größten Oppositionspartei des Bundestages, der AfD, an.
Eine solche parlamentarische Kontrolle hätte auch die Volkskammer hinbekommen. Das Institut des Unabhängigen Kontrollrats hebelt sowohl die Rechte des Parlaments als auch der Gerichte und mithin das Prinzip der Gewaltenteilung aus. In einem Rechtsstaat kann der Unabhängige Kontrollrat nicht die Funktion von Gerichten übernehmen, übernimmt er sie, sind wir nicht mehr im Rechts-, sondern im Überwachungsstaat. Dobrindts Gesetz verletzt das Rechtsstaats- und das Demokratiegebot des Grundgesetzes und steht im Widerspruch zur Menschenwürde, wenn der Bürger zum Ausspähungs- und Desinformationsobjekt der Geheimdienste werden kann, ohne dass Rechtsschutz durch unabhängige Gerichte besteht.
Das Rechtsstaatsprinzip wird geschleift, wenn man das Recht der Bürger auf Information willkürlich reduziert. Wenn der Verfassungsschutz nicht antworten will, dann fabuliert er eine nicht überprüfbare Bedrohungslage oder behauptet einfach, dass seine Darlegungspflicht „die zu wahrenden Schutzerwägungen gefährdet“. Dobrindt behauptet in der klassischen Art der Verschwörungstheorien, dass „fremde Mächte“ „über Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz mittels eines durch künstliche Intelligenz gestützten Anfragesystems sowie einer mittels künstlicher Intelligenz vorgenommenen Auswertung der dabei generierten Daten“ die „Möglichkeiten einer systematischen Ausforschung“ erhalten.
Er darf damit wohl auch jeder politischen Partei und jedem Bürger gefälschte Informationen unterschieben, die er dann zum Anlass nehmen kann, gegen sie oder ihn vorzugehen bzw. „Beweise“ zu fabrizieren, auf deren Grundlage das Verfassungsgericht ein Verbotsverfahren durchführt. Der Informationsgewinnungsweg wird versperrt, indem Anfragen von Bürgern als Anfragen fremder Mächte, als Spionageakte delegitimiert werden.
Und wie immer beruft man sich auf den bösen Feind, auf „die systematische, zielgerichtete Verbreitung von Fake-News und Desinformationen, deren Ziel die Störung des gesamtgesellschaftlichen und politischen Gefüges eines Staates in freiheitlicher demokratischer Grundordnung durch die Anwendung konventioneller oder nicht konventioneller Mittel ist. In der Folge kann eine möglicherweise einsetzende Destabilisierung der Gesellschaft von anderen Staaten für eigene, insbesondere machtpolitische Zwecke genutzt werden.“ Wie leicht aufgrund einer Geheimdienst-Behauptung in der EU inzwischen eine demokratische Wahl für ungültig erklärt werden kann, hat das Beispiel Rumänien gezeigt.
Der beste Schutz vor Desinformation ist die freie Rede, der freie Diskurs, der im Wechselspiel von Rede und Gegenrede, der Argumente und Gegenargumente wie auf einer Bühne der Wahrheit, dem mündigen Bürger die Möglichkeit einräumt, zwischen Information und Desinformation zu entscheiden. Wenn aber Politiker in Staatsämtern den Bürgern vorschreiben wollen, was sie als Information und was als Desinformation zu verstehen haben, Gegenrede und Gegenargument zu verbieten gedenken, dann stehen sie in starkem Verdacht, den unmündig gemachten Bürger selbst desinformieren zu wollen.
Sicher richtet sich das Gesetz auch gegen äußere Feinde, auch gegen Terroristen, doch vor allem ist die Ahnung nicht unbegründet, dass es vor allem gegen den „inneren Feind“ geht, gegen den, der die eigene Macht bedroht. Der neue Adel in Neu-Versailles möchte nicht aus Neu-Versailles ausziehen, er will Macht und Privilegien, Posten und Pöstchen behalten. Doch da er nur Deutschlands Niedergang befördert, der Wirtschaft, der inneren Sicherheit, der Bildung, den Bürgern immer mehr Geld abpresst, kann er zum Machterhalt, zum Erhalt der Posten und Pöstchen nicht mit Erfolgen, nicht mit gelungener Arbeit operieren, sondern nur noch mit Zwang, Repression, Zensur und Bespitzelung.
Sieht die Regierung in den eigenen Bürgern etwa den Gegner, schlimmer als Putin und Trump? Dobrindts Gesetz ist jedenfalls ein Anti-Bürger-Gesetz. Der Anschlag vom Breitscheidplatz, von Magdeburg, auf den CSD in Berlin und all die anderen hätten sich bereits mit den aktuellen Gesetzen verhindern lassen. Die Geheimdienste benötigen nicht mehr Rechte, sondern lediglich die rechte Konzentration auf ihre wahren Aufgaben. Der Kampf gegen den politischen Gegner gehört nicht dazu.








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Das braucht man, weil man auch den Krieg plant. Nicht ohne Grund übt Bundeswehr auch die Bekämpfung der Aufstände – das ist dann für den Fall, wenn alles andere scheitert.
Die Bundeswehr MUSS sich auf solche Sachen heutzutage vorbereiten, denn wenn die Sozialkassen leer gefressen und das Wohnen in Vollpension + Medical nicht mehr bezahlbar ist, werden sich die mehr und mehr im Stich gelassenen netten Kostgänger am Rest der Bevölkerung schadfrei halten. In Westeuropa braucht man die Russen gar nicht für Krieg. Mit dem heutigen Politikkurs wird das ganz klar so kommen, sobald das Staatsgeld alle ist.
Aber ob die Soldaten dann auch die Waffen gegen die eigene Bevölkerung richten, ist doch recht ungewiss. Man muss nur zum Bundeswehrstandort Munster im roten Niedersachsen schauen, wo die AFD die meisten Stimmen erhalten hat. (regieren werden die aber nicht, u.a. weil man wegen der sozialen Repressionen nicht genug Kandidaten für den Stadtrat zusammenbekommt).
Passt doch, die CDU/CSU ist längst die SED 2.0.
Der Vergleich mit der Staatsischerheit greift meines Erachtens zu kurz, mir würde dazu RSHA einfallen, was mehr zum Gesamtkontext passen würde.
Die Juristen in BT bzw. diejenigen, die für die Brandmauer tätig werden, suchen m. E. gezielt nach Möglichkeiten, den Geist des GrungG auszuhebeln. Das Gewissen von Politikern? Verschwindet hinter der Partei und hinter der Brandmauer. Und die AfD allein hat nicht die Sitze, um ein Normenkontrollverfahren anzustoßen.
Bis der übliche Rechtsweg zu Ende gegangen ist, Eilanträgen wird sicher nicht stattgegeben werden, fließt sehr viel, zu viel Wasser unter der Brücke hindurch.
Hat der vielleicht schon „Ich liebe Euch doch alle“ gemurmelt?
Ob die die sich diese „Gesetze“ ausdenken auch bedenken das bei einem schnellen Regierungswechsel selbige gegen ihrer selbst Anwendung finden? Da im allgemeinen sowie im besonderen die strategische Vorausschau fehlt denke ich das das Ende nicht bedacht wird.
Was Merz naiverweise immer wieder ausplaudert macht Dobrindt hintenrum heimlich. Der Mann ist gefährlicher als Merz.
Welchen „Rechtsstaat“ meint der Autor denn? Seit den Corona Maßnahmen habe ich eines zur Kenntnis nehmen müssen:
Ein Recht, das der Staat mir wegnehmen kann, hatte ich nie.
Eine starke These lautet: Der VS ist im Wesentlichen Regierungsschutz. Man kann diese Absicherung durch Überwachung natürlich auch vollkommen z logisch als notwendige Sicherheitspolitik für den Bürger verkaufen im ÖRR. Auch die FAZ und der Spiegel machen da mittlerweile gern mit. Dobrindt, Söder, Merz. Wer erwartet da irgendetwas ? Ich vereinfache manchmal gern. Wenn man sich überlegt, dass ein Ludwig-Holger-Pfahls auf dem Ticket von CDU/CSU über 30 Jahre an der Spitze mitgemischt hat und Präsident (!) des VS war, braucht man keine weitere Phantasie über Hintergründe aktueller Entwicklungen, v.a. in der Außenpolitik. Wer diesen Namen spontan nicht einordnen kann, ist… Mehr
Aus eigener Sicht verkörpert er den bräsigen Beamten in Reinkultur und ist sicherlich als zuverlässiger Abwickler geeignet im Gegensatz zu Franz Josef, der ihm meilenweit voraus war und Dinge eingefädelt hat, die Deutschland schützen und nützen sollten, während es unter seiner Ägide andersrum verläuft und die Deutschen gefährlich sind und man alles unterläßt, um bei niemand anzuecken, damit man sich selbst nicht ins Abseits stellt. Hat nicht mal der Selige davon gesprochen, daß irren menschlich ist, aber immer irren eine Sache der Sozialdemokratie ist und dazu zählen auch die Christsozialen und damit wäre sogar noch seine weitere Aussage zu verstehen,… Mehr
Hier wird Unfähigkeit nicht entlassen, sondern einfach nur umetikettiert:
Die Schwätzer von gestern verwalten heute ihr eigenes Versagen.
Ein genialer Schildertausch, der beweist, dass man auch ohne Gehirn und Rückgrat Karriere machen kann❗
Nicht nur Merz ist eine Enttäuschung, ein Rohkrepierer – die gesamte deutsche Politik, bzw. CDU ist es.