Auf dem Land, wo Menschenansammlungen zu Demonstrationszwecken wenig sinnvoll sind, dienten gestern Straßen und Himmel als Demonstrationshintergrund.

Die Anarchie hat ein neues Symbol gewonnen: den Böller. Jahrelang war er bereits dem Juste Milieu ein Dorn im Auge. Der Böller ist laut, stinkt, kurz: unangenehm. Beginnend mit der Zeitrechnung ab Corona Geburt widerfuhr ihm eine weitere Ächtung. Der Böller war nun nicht mehr allein Ärgernis, er avancierte zum Vorboten der Todesgefahr. Hatte er schon zuvor als Risiko für Leib und Leben gegolten, potenzierte er sich nunmehr zur Ursache von Superspreader-Events. Durch Corona verstärkte sich seine bedrohliche wie verhasste Aura: wer sich fahrlässig die Hand wegsprengt, nimmt Corona-Patienten die Intensivplätze weg. Das Böllerverbot an Silvester war geboren.
Ein linker Kulturkampf
Die Debatte darüber brachte einen erstaunlich luziden Artikel in der taz hervor. Grundton: beim Böllerverbot handelt es sich auch um einen linken Kulturkampf. Das Öko-Spießertum aus Prenzlauer Berg wollte das Spielzeug des kleinen Mannes schon immer verschrottet sehen. Corona ist nur eine elegante Ausrede, um sich der alljährlichen Lärmbelästigung durch das Proletariat zu entledigen. Das Feuerwerk des Arbeiters soll aus Klima- und Umweltschutzgründen weichen: die DUH wünscht sich sogar ein umfassendes, bundesweites Böllerverbot für immer. Puritaner zeichnen sich durch die ständige Angst aus, dass irgendwer in ihrer Nähe Spaß haben könnte.
— Deutsche Umwelthilfe (@Umwelthilfe) January 1, 2022
Indes bedarf es bei der Identifizierung des klassischen Böllertypus in der Großstadt einer Korrektur. Der klassische Arbeiter hat als Aushängeschild der Unterschicht ausgedient. Es sind junge Männer aus dem Orient, die als Hauptvertreter des wilden Böllerwerfers und -zünders seit Jahren die Straßen und Domplätze der Republik bereichern. Dazu gesellen sich die Nachfahren jener eigentlichen Erfinder des Schießpulvers, die traditionell geringe Hemmungen verspüren, wenn es um das westliche oder ostasiatische Neujahrsfest geht. Der Autor dieser Zeilen erinnert sich an einen Restaurantbesitzer in Bonn, der in der Silvesternacht eine doppelte Reihe wenig vorschriftsgemäßer Chinaböller von seinem Laden quer über eine Ampelkreuzung per Seil spannte und damit mehr Krach und Dreck verursachte als zwei Häuserblöcke zusammen.
Das Böllerverbot als Machtprobe
Die Migranten mit Ungeimpftenhintergrund sind also häufig auch welche mit Böllerhintergrund. Die Janusköpfigkeit linksbürgerlicher Gesellschaftskritik, die einerseits jeden Einwanderer willkommen heißt, aber andererseits deren Lebensstil unausgesprochen verachtet, ist frappierend. Man frönt dem Ungeimpften- und Böllerhass und will das handelnde Individuum nicht sehen, wenn es nicht dem zugewiesenen Klischeekarton angehört. Zufall, dass die „Böller-Idioten“ sich ausgerechnet im Berliner Szenebezirk Neukölln tummelten, wie sie etwa der Berliner Kurier nannte?
Ganz ab von diesen tiefergehenden Befindlichkeiten jener Gesellschaftsgruppe, die Medien und Politik prägt, und ein ganz eigenes Interesse an einer zweiten „Stillen Nacht“ hatte, war Silvester zum Jahr 2022 vor allem eines: eine Machtprobe. Der Souverän hatte die Verachtung bereits letztes Jahr gespürt, als man ihn etwa in Köln dazu aufgerufen hatte, auf Lärm und Feuer zu verzichten und stattdessen zum neuen Jahr das Licht in den eigenen Räumlichkeiten an- und auszuschalten. Das aktuelle Silvesterregiment war von Bundesland zu Bundesland verschieden, aber in seinen Richtlinien ähnlich: keine Versammlungen in der Öffentlichkeit, Verkaufsverbot von Böllern und Feuerwerkskörpern, Verbot der Nutzung in gewissen Bereichen oder ganz. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk leistete Schützenhilfe, so etwa der MDR, der zwar erklärte, dass privates Feuerwerk vorher gekaufter Feuerwerkskörper zwar erlaubt sei, aber zugleich sagte, warum man dies dennoch nicht tun sollte.
Wie bei der Impffrage: eine Melange aus Trotz und Hass
Der Staat testete damit die Grenzen seiner Macht aus. Ein solcher Beschluss, der Millionen von Menschen zugleich an allen Orten der Republik betrifft, kann nur jemand fällen, der davon ausgeht, dass seine Autorität ausreicht. Polizeilich kann Silvester kaum verhindert werden. Schon im Vorfeld hatte es daher – ähnlich wie bei der Impffrage – eine Melange aus Trotz und Hass gegeben. Leute, die sich bisher nie etwas aus Silvester gemacht hatten, deckten sich mit Knall- und Zischkörpern aus den Nachbarländern ein; die polnische Feuerwerksindustrie bedankt sich. Auf der anderen Seite sickerte der unverhohlene Hass gegen jene asozialen Subjekte durch, die sich der puritanischen Ordnung widersetzten. Entmenschlichung ist bei einigen Vorzeigegesichtern der politisch korrekten Meinung bereits zum Volkssport geworden.
Roland Tichy hat erst kürzlich geschrieben, dass „jede billige Kaufhausrakete zum Angriff auf den Staat interpretiert“ werde. So hat es aber nicht nur der Staat interpretiert – sondern auch der Souverän. Zahlreiche Videos und Posts bei Facebook und Twitter bestätigen, dass letzterer sich vielfach nicht an die Regeln gehalten hat; trotz Repressalien, trotz Polizeikontrollen, trotz Drohkulisse. Beide Seiten interpretierten es als Angriff auf die Staatsgewalt. Die Silvesterrebellen sahen in jedem Schuss einen Freiheitsprotest, die Vertreter des Silvesterregiments verurteilten es als Salven aus feindlichen Panzerkanonen. Der ehemalige Bundesminister Peter Altmaier gestand indirekt das Debakel ein. O-Ton: „Noises in the streets of Berlin as if a communist army would attack!“
Die Medien halten am Narrativ fest
Berlins neue Innensenatorin Iris Spranger übte sich dagegen in der Rolle eines weiblichen „Comical Ali“. Während in der letzten Nacht die altmaier’sche Rote Armee durch Berlin gefahren war, wollte Spranger von solchen Vorfällen nichts wissen. Neben gewissen Einzelfällen sei das Silvesterkonzept „wirkungsvoll“ gewesen. Auch die Berliner Polizei zog eine positive Bilanz, trotz mehrfacher Angriffe auf Einsatzkräfte durch Böllerattacken, rund 280 Festnahmen und 15 Böllerverletzten im Unfallkrankenhaus Marzahn. Allein elf Menschen verletzten sich bei einer privaten Silvesterparty bei der Explosion einer selbstgebauten Kugelbombe, insgesamt zwanzig Menschen hätten untersucht werden müssen. Ergo: Ein ganz normales, friedliches Silvester in Berlin.
An diesem Narrativ wollten auch andere Medien festhalten. So steht bei der Tagesschau der vielsagende Satz: „Bundesweit ereigneten sich mehrere schwere Unfälle mit Feuerwerkskörpern, obwohl vor dem Jahreswechsel kein Feuerwerk verkauft werden durfte, um Rettungsdienste und Krankenhäuser nicht durch Verletzte zu belasten.“ Ein Eingeständnis? Ziviler Ungehorsam muss sich nicht immer in Spaziergängen äußern. Auf dem Land, wo Menschenansammlungen zu Demonstrationszwecken wenig sinnvoll sind, dienten gestern Straßen und Himmel als Demonstrationshintergrund.
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Jeder Böller war ein Stinkefinger gegen die Corona-Maßnahmenpolitik!
Der Staat scheitert nicht am Böllerverbot sondern an sich selbst. Auf Visegrad 24 bilden sie auf einer Europakarte ab, wie sicher sich Menschen des Nachts alleine in den verschiedenen Staaten noch fühlen – und Deutschland ist dabei, nur noch die 50% Marke zu erreichen, zumal bei der Kriminalstatistik nicht alles mit rechten Dingen vor sich geht: https://twitter.com/visegrad24/status/1477671526342221827 Ich weiß noch, dass ich mich als Frau bis 2015 ohne Bedenken immer sicher fühlte. Inzwischen lange nicht mehr. Und ich war viel in Ländern unterwegs, die jetzt bereits das Sicherheitsgefühl mit unter 50% angeben – auch damals vollkommen ohne Angst. Wie bescheuert… Mehr
Nein, der Böller in der Hand ersetzt mir nicht die Waffe, die ich übrigens überhaupt nicht vermisse!
Der Böller ist mir mit jedem Knall aber heilig, da ich die Gewalt in meinen Händen habe. Und diese „Gewalt“ darf mir schon deshalb nicht genommen werden, da man mir sonst absprechen würde, selbstverantwortlich sein zu können!
„Böller“ gibt es übrigens in meinem Leben JEDEN VERSCHIXXENEN TAG!
Und da frage ich mich mich auch nicht, ob ich mir diese DRANGSALIERUNGEN einfach verbitten darf!
Meine solide Vorratswirtschaft hat sich auch dieses Jahr beim Übergang bewährt. Mit den ums Haus wabernden Rauchschwaden dürfte das Areal für länger „Corona“ befreit desinfiziert sein. Laut war’s, und Spaß gemacht hat’s auch.
Ich muss mal nachfragen, vielleicht kann mir hier einer das erklären – weil: ICH verstehe DAS NICHT:
Wenn ich in den „sozialen Medien“ Heinrich Heine zitiere, werde ich wegen Verbreitung von Hass und Hetze gesperrt. Aber zu wünschen, dass Böller in irgendwems Gesicht explodieren und 2000 Likes dazu, hat mit Hass und Hetze nichts zu tun? Was ist das für eine kranke Schei**e? (Da kommt doch keine Netiquette mehr mit – wie soll man das beschreiben, ohne ausfällig zu werden? Wieso ist der bei Twitter noch nicht auf Lebenszeit raus?)
Das geht halt nur in einer revolutionären sozialistischen Gesellschaft, die zugleich anarchistisch ist, klar, und autoritär – nicht verwechseln mit autoritativ!
Linke dürfen alles, Hassreden, Hetze, Lügen verbreiten, Gewalttaten begehen, sie dürfen sich freuen, wenn jemand tätlich angegriffen und verletzt wurde, wenn Häuser beschmiert werden, einfach alles. Das wird noch weiter getrieben. Ihre moslemischen Freunde, die autoritäre Gesellschaften gewohnt sind und mit säkularer Rechtsstaatlichkeit nichts anfangen können, werden einiges draufsetzen, bis nichts mehr funktioniert. Wir werden es sehen!
Bei uns in relativer Grenznähe zur Tschechei fast normaler Böllerbetrieb über den Jahreswechsel. Mit einem kleinen Unterschied! Die Detonationen und Lichtblitze hatten schon eine andere Qualität als in den letzten Jahren.
Zitat: „Aber vorher war bedeutend weniger los. Und als ich heute zum Neujahrsessen zu Freunden gefahren bin, waren die Straßen extremst sauber.“
> Ähnliches habe ich auch in Teilen von Hamburg beobachten können.
Mein Eindruck war, dass zwar -zumindest im nahen Umfeld- kaum geböllert wurde, aber dafür mehr an Raketen u.ä. in den Himmel geschossen wurden.
Auch war nach 0:00h schnell wieder Ruhe und so gut wie nix mehr an Sylvester-Krams zu seh.
Soweit ich den Jahreswechsel hören und sehen konnte, hatte ich ein Gefühl von Trostlosigkeit und -auch Vorausschauend auf das politische 2022 -ein leichtes Gefühl von Depri.
Jeder leiste Widerstand. Wie er kann. Spaziergänge, Knaller, Raketen. Demonstrativ Auto fahren. Bratwurst und Schweinebraten essen. Ich persönlich wiegele gern die Leute auf, im persönlichen Gespräch. Habe augenscheinlich Erfolg damit, bis dato Zustimmungsraten wie bei einer Wahl in der DDR! Morgen gehe ich mit meinem Sohn und meinem Enkel in Schwerin spazieren, um 18 Uhr geht es los. Wir Bürger sind die Rote Linie! Und die Arbeitgeber der Zerstörer! Wir kündigen denen fristlos.
Der Staat erlässt doch seit vielen Jahren lauter Gesetze, die vielleicht im Einzelfall, nie aber in der Breite durchsetzbar sind. Das sind alles nur noch „Als ob“-Gesetze, die von einer „Als ob“-Regierung gemacht werden. Alles nutzloser Quatsch von einer Bande inkompetenter, unterbeschäftigter Parlamentarierdarsteller.
Sollte das je enden, wird alle Gesetzgebung zumindest seit Merkel, vielleicht schon früher auf den Prüfstand müssen. Und vieles andere zudem. Durch den Corona-Ausschuss wird bekannt, dass sich damit durchaus schon einige kompetente und loyale Menschen beschäftigen, wie die Grundlagen „danach“ aussehen könnten.
Durch den Corona-Ausschuss wird bekannt, dass sich damit durchaus schon einige kompetente und loyale Menschen beschäftigen, wie die Grundlagen „danach“ aussehen könnten.
Interessant, könnten Sie mir das näher erläutern? Wer sind diese Menschen und wo kann ich dazu etwas lesen?
Wenn man „Staat“ mit Obrigkeit gleichsetzt, dann ist Staat am eigenem Verbot gescheitert, und Staat wird breitflächig weiter scheitern!. Alles, was sich dieser Mob aus gewählten Demokraten/Undemokraten vorgenommen hat ist zum scheitern verurteilt, denn zum Gelingen bedarf es der tätigen Unterstützung einer Mehrheit, aber bisher ist diese Mehrheit noch still, was sich aber sehr schnell ändern könnte, oder wird, wenn die Minderheit des Linksmobs weiter versucht die Mehrheit der Anständigen zu bevormunden oder zu unterdrücken!. Das links-rote Gespenst wurde schon einmal in die Löcher gejagt, aus denen sie emporkrochen, dieses mal hat sich eine rote Falschfarbe(Grün) dazu gesellt, ändert aber… Mehr
Den Untergang der aktuellen Weltverbesserer sehne ich herbei und halte ihn auch für möglich. Denn sie werden von Tag zu Tag unerträglicher, und der Krug geht bekanntlich solange zum Brunnen, bis er bricht. Aber dass deren Ungeist ein ewiges Ende finden wird, muss angesichts der Lehren der Geschichte wohl leider bezweifelt werden. Denn Möchtegern-Weltverbesserer gab es immer und zu allen Zeiten. Zwar scheiterten sie früher oder später alle, doch bis dahin musste die betroffene Bevölkerung Einiges erdulden und erleiden, bis hin zu Gefängnis, Folter und Tod. Die dem Größenwahn entsprungene Vorstellung, man könne Menschen ungeachtet der menschlichen Natur (und ich… Mehr