Die CDU hat ihre Zukunft hinter sich: Christdemokraten im Parlament nicht mehr vertreten

Wie nach Sachsen-Anhalt müsste sich die CDU nach Mecklenburg-Vorpommern die Frage stellen, was sie für eine Partei sein und für wen sie Politik machen möchte, wenn sie ihre Wähler an die SPD und an die AfD verliert. Die Schwierigkeit besteht nicht darin, Merz abzulösen. Die eigentliche Frage lautet, wann und ob überhaupt man die Realitätsverweigerung aufgeben will.

picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt

Dass der Sturz der CDU in Mecklenburg-Vorpommern tief sein wird, stand zu erwarten. Man konnte den zunehmend beschleunigten Niedergang live und in Farbe verfolgen, wie die 11 Prozent nachgaben, wie schließlich die Zweistelligkeit verloren ging und wie schließlich bei 7 Prozent ein Zwischenstopp eingelegt wurde. TE hatte vor der Wahl schon prognostiziert, dass die 7 Prozent nicht zu halten sein werden und der Landesverband auf die 5-Prozent-Hürde zurast. Dass er aber nicht mehr aufzuhalten sein würde und die 5-Prozent-Hürde deutlich reißt, haben selbst wir nicht vorausgesehen.

In der Mecklenburg-Vorpommern-Wahl gibt es nur einen Sieger, das ist die AfD, die mit 38,2 Prozent einen Zuwachs von 21,5 Prozentpunkten erringen konnte. Die SPD verlor trotz geschichtsklitterndem Klassenwahlkampf wie schon in Brandenburg – die oder ich – 4,1 Prozentpunkte und kam auf 35,5 Prozent der Stimmen. Während die AfD 22 Landkreise gewann, reichte es bei der SPD nur für 14.

Ende einer Volkspartei
Vom Fischbrötchen in Richtung Fünf-Prozent-Hürde
Auch wenn die SPD Schwesig feiern mag, um im Propagandarausch die Ergebnisse von Baden-Württemberg, von Rheinland-Pfalz, von Sachsen-Anhalt und von Berlin zu vergessen, besteht die Wahrheit darin, dass die SPD und Manuela Schwesig die Wahl verloren haben. Was sagt es eigentlich über ein Land aus, dass nur von Koalitionen der Wahlverlierer regiert wird? Auch die Grünen, die wieder einmal so tun, als hätten sie 40 Prozent errungen, büßten 0,6 Prozentpunkte ein, kamen aber noch in den Landtag mit 5,7 Prozent. Gemessen an dem CDU-Ergebnis ist das allerdings ein gewaltiger Sieg. Schwesigs Pionierleiter-Wahlkampf kostete auch die SED-Linken Stimmen, und zwar 3,4 Prozentpunkte, die damit auf 6,5 Prozent der Stimmen zurückfielen.

Von der SPD sind immerhin 48.000 Wähler zur AfD gewandert, 15.000 von den Linken zur SPD und 6000 von den Grünen zur SPD, von der CDU zur SPD jedoch 25.000 Wähler. Den größten Zuspruch bekam die AfD von den Nichtwählern (66.000), von der SPD (48.000) und von der CDU (32.000). In der Wählergruppe 16 bis 24 Jahre hat die AfD den größten Zuspruch mit 36 Prozent, gefolgt von der SPD mit 22 Prozent und der Linken mit 21 Prozent. In der Altersgruppe über 60 konnte Schwesig und die SPD mit 46 Prozent die meisten Wähler überzeugen.

Wie schon zuvor erwähnt, half hier Schwesigs Pionierleiterinnen-Charme und eine betuliche Stimmung, die sich in dem Satz ausdrückt: „Ach, die Frau Schwesig ist doch nett.“ In dieser Altersgruppe, die ZDF- und ARD-affin ist, funktioniert zudem die „Nazi-Keule“. Das Bild bei der AfD ist konträr, 37 Prozent der Wähler unter 30 wählte die AfD, ebenfalls 43 Prozent der 30- bis 44-Jährigen, 45 Prozent der 45- bis 59-Jährigen und 32 Prozent bei den über 60-Jährigen. Die AfD liegt bis auf die über 60-Jährigen in allen Alterskohorten vorn. Zusammengefasst kann man sagen, dass die AfD in Mecklenburg-Vorpommern von den Erwerbstätigen, die SPD von den Pensionären gewählt wurde.

Wie schon in Sachsen-Anhalt muss sich auch die CDU in Mecklenburg-Vorpommern die Frage stellen, was sie überhaupt für eine Partei sein will und für wen sie Politik machen möchte, wenn sie 57.000 Wähler insgesamt an SPD und an AfD verliert, vergröbert und in der Tendenz die über 60-Jährigen an die SPD, die unter 60-Jährigen an die AfD.

In der Woche vor der Wahl konnte keine journalistische Peinlichkeit von FAZ bis WELT zu groß sein, um den neuen, den kämpferischen Friedrich Merz zu feiern. Panegyrik und Lobhudelei vom Gröbsten und vom Spießigsten.

Merz- und Sinnkrise
Rücksitz-Fotos als Krisenbarometer: CDU vor nächsten Verlusten
Merz gestand in seiner Bunkerrede am Wahlabend kurz nach 18 Uhr die krachende Wahlniederlage – die CDU in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr im Landtag, in der bald schon Hauptstadt der Clans bei 18 Prozent – zwar ein, überraschte aber das staunende Journalistenvolk damit, dass sein Kurs richtig sei und die Reformen kommen werden. Welche Reformen? Vielleicht haben wir es auch nur falsch verstanden und das Bundeskanzleramt wird zum Reformhaus mit Merzblütentropfen gratis für deprimierte CDU-Granden und Hauptstadtjournalisten? Jedenfalls wird man in der CDU wohl kaum noch Merzens Durchhalteparolen durchhalten können: „Was jetzt zu tun ist, erfordert Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld“, redete Merz und: „Ich werde das aufbringen als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes.“ Na, darauf eine zweite Runde Merzblütentropfen.

Ob über die Zukunft der Bundesregierung und des Bundeskanzlers Friedrich Merz noch Friedrich Merz entscheidet oder eben andere, ist nicht mehr die Frage. Man möchte fast meinen, dass sich die Ministerpräsidenten der CDU und ein paar Landesvorsitzende im Stundentakt treffen und sich abstimmen, gestern Abend taten sie es jedenfalls.

Etwas muss jetzt geschehen, wissen sie in der CDU, nur nicht was. Die Schwierigkeit besteht nicht darin, Merz abzulösen, die wirkliche Frage lautet, wie weiter mit der in sich verhakten Koalition der Realitätsverweigerer. Die CDU kann nur weiter nach links mit Wüst und Günther rücken oder weiter in die Mitte mit Schnieder und Rhein gehen.

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Kommentare ( 71 )

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andreas
1 Tag her

Warum ist Merz bereits so früh vor die Mikrofone getreten? Man hört, die CDU habe im Wahllokal eher bei zwei Prozent gelegen als bei fünf. DAS wollte Merz nicht kommentieren müssen. Im übrigen sollen die Unterschiede Briefwahl zu Urnenwahl wieder so hoch gewesen sein, dass auch diese Wahl extrem unglaubwürdig ist.

Guzzi_Cali_2
1 Tag her

Blöd nur für Schniedel und Rein, daß in der imaginierten „Mitte“ schon die AfD ist. Wie ein YouTuber so richtig sagte: Die AfD deckt ein breiteres Spektrum ab, als es die CDU jemals könnte – die AfD ist eigentlich sowas wie die CSU der 70er und 80er-Jahre: Von bürgerlich-konservativ bis rechtskonservativ. Die Leute, die linke Politik wollen, wählen, je nach Extremismus, SED, Grüne oder SPD. Diejenigen, die konservative Politik wollen, wählen AfD. Die CDU wird schlicht nicht mehr benötigt, ebensowenbig wie die FDP. Die CDU wird der FDP in den Untergang folgen.
Daher: Weg mit denen.

Britsch
1 Tag her

Christdemokraten?
Sind das noch echte Christen? Sind das noch echte Demokraten?
Vertreten duie noch die Interessen des „gemeinen“ Volkes?
Der Mitte? Merkel hat damit angefangen das Volk zu bevormunden und massiv gemäß ihren Ideoilogien beeinflussen zu lassen. Zum Schaden des Deutschen Volkes

Privat
1 Tag her

Die Anti-Deutsche CDU gehört wegen ihrer anti-deutschen Politik gegen die eigene Bevölkerung aufgelöst.

Mausi
1 Tag her

„Die eigentliche Frage lautet, wann und ob überhaupt man die Realitätsverweigerung aufgeben will“: M. E. lautet die Frage, ob die Union überhaupt noch Politiker hat, die die „Verweigerung“aufgeben wollen. Ob nicht inzwischen – auch nach dem Austritt der Gruppe um Herrn Maaßen – wokelinks mit dem Ziel demokratischerSozialismus bei den Unionspolitikern die Mehrheit hat. Und weil der Wähler dem Unionspolitiker und seinen in Worten vertretenen Zielen mißtraut, die Taten der Union immer offensichtlicher eine andere Sprache sprechen, springt der Wähler ab.

Last edited 1 Tag her by Mausi
man without opinion
1 Tag her

Moin, Selbst das Titelbild stützt meine These. Die Frau gegen blau. Wieso hat die CDU ausgerechnet blauen Hintergrund auf ihren Plakaten? Mal angenommen das war Absicht. Dann ist Frau Schwesig die Wiedergängerin Merkels. Das passt wie Legosteine. Noch am Wahlabend, hat sie Energie aus Russland ausgeschlossen. Die interesssiert das Volk rein gar nichts. Die fehlenden Fachkräfte im Tourismusbereich, hat sie ja während Corona tatkräftig aus den Jobs getrieben. Usw. usf. Zwei, drei Züge weiter gedacht, empfiehlt sie sich schon als Kanzlerkandidatin, falls Neuwahlen anstehen. Die Frau gegen blau. Nun sind sie mal da. Wir schaffen das. Alternativlos. Ein seit 25… Mehr

Peter Gramm
1 Tag her

Die absolute Politgranate Klein Philipp hat nicht gezündet.

man without opinion
1 Tag her

Moin,
Was für ein schöner Tag. Man durfte zwar hoffen, aber das ist wirklich zu schön.
Welch eine historische Fügung, daß die Merkel-CDU ausgerechnet in McPomm eine Kündigung wegen Eigenbedarf erhalten hat.
LG

DELO
1 Tag her

Die CDU hat fertig. Von Merkel entkernt und von Merz unangespitzt in den Boden versenkt. Hoffnungsträger sind auch keine vorhanden. Günther ist geradezu lachhaft und Wüst 4 Nummern zu klein. Merz wird mit seinen Reformen nicht weiterkommen, weil Blondie aus Mecklenburg jetzt schon anfängt, die Klappe aufzureißen. Und den Mut, das Ruder herumzureißen, die SPD vor die Tür zu setzen und mit der AfD zu kooperieren, hat der Sauerländer vorn und hinten nicht. Da fehlt ihm das Charisma. Die CDU ist Geschichte, genau wie in Italien.

Metric
1 Tag her

Schön ist, dass ja in MV Merkels politische Karriere begonnen hatte, als Umweltministerin. Und jetzt ist die CDU da weg 🙂