„Wenn Geld drucken gegen Armut helfen würde, würde das Drucken von Diplomen gegen Dummheit helfen.“ Das weiß und sagt der argentinische Präsident Javier Milei. In Berlin, wie in ganz Deutschland, weiß man das nicht mehr. Zeugnisse, die kein Wissen, keine Kenntnisse und kein Können mehr bestätigen, sind wertlos.

In allen deutschen Ländern platzen die Gymnasien aus den Nähten. Aufgrund populistisch-gefälliger Schulpolitik hat sich die Vorstellung festgesetzt: Der Mensch beginnt erst mit dem Abitur. Zu diesem Zweck wurde unter Absenkung der Leistungsansprüche und im schier planwirtschaftlichen Eifer des Quotendenkens der Zugang zum Gymnasium in nahezu allen Bundesländern völlig freigegeben.
Folgen: Alles Nicht-Gymnasiale gilt als zweitrangig. Immer weniger junge Leute ergreifen eine berufliche Bildung. Es entstand ein Fachkräftemangel. Die Hochschulen platzen ebenfalls aus allen Nähten; sie werden von immer mehr jungen Leuten bevölkert, die studierberechtigt, aber nicht studierfähig sind. Die Hochschulen betreiben letztlich eine Pseudoakademisierung. Zugleich gilt: Wenn alle Abitur mit immer noch besseren Durchschnittsnoten haben, hat keiner mehr Abitur.
Tatsächlich hat die Quote an Grundschülern, die an ein Gymnasium wechseln, in weiten Bereichen Deutschlands längst die 50 Prozent, in Großstädten gar die 60 Prozent überschritten. In Berlin werden es 2025 exakt 54 Prozent der rund 25.000 Grundschüler sein, die nach der 6. Klasse eine Gymnasialempfehlung bekommen. Konkret sind das 13.500. Wobei man nicht vergessen darf, dass in Berlin neben den 113 Gymnasien auch viele nicht grundständig gymnasiale Schulformen zu einem Abitur führen: berufliche Gymnasien, integrierte Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen.
Nun wollte der schwarz-rote Senat Berlins den Zugang zum Gymnasium etwas drosseln. Schüler brauchen für eine Gymnasialempfehlung der abgebenden Grundschule einen bestimmten Notenwert. Dieser errechnet sich nach Paragraph 56 des Berliner Schulgesetzes wie folgt: „Aus den am Ende der Jahrgangsstufe 5 und den im ersten Schulhalbjahr der Jahrgangsstufe 6 erteilten Zeugnisnoten in den Fächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprache wird ein Zahlenwert gebildet.
Die Erziehungsberechtigten können ihr Kind, dessen Förderprognose den Zahlenwert von 14 überschreitet, nur dann an einem Gymnasium anmelden, wenn die Eignung für den Besuch des Gymnasiums im Rahmen der Teilnahme an einem Probeunterricht nachgewiesen wird.“ Einfacher ausgedrückt: Der Zahlenwert 14 ist die Summe aus 2 mal 3 Fachnoten in den Fächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprache. Im Schnitt heißt das: 14 : 6 = 2,33.
So weit, so gut – vorausgesetzt die Noten, die hier vergeben werden, sind ehrliche Noten auf der Basis anspruchsvoller Kriterien. Und dann die Ausnahmen: Schüler, die die Gymnasialempfehlung bzw. den Zahlenwert nicht erreichen, müssen sich einem „Probetag“ am Gymnasium stellen. 1.937 Schüler wollten/mussten/konnten das tun. Und dann der Hammer: Nur 51 von 1.937 Schülern ohne Gymnasialempfehlung haben den dreistündigen Probetag mit einheitlichen Eignungstests (in Deutsch und Mathematik) am 21. Februar bestanden, also rund 2,6 Prozent.
Dabei fielen die Ergebnisse je nach Bezirk sehr unterschiedlich aus, wie nun eine Anfrage zeigt, über die der „Tagesspiegel“ berichtet. So war kein einziges der 248 Kinder, die im Bezirk Mitte antraten, erfolgreich. In Pankow waren es gerade einmal fünf Kinder. Neun Schüler schafften die Aufnahmeprüfung in Reinickendorf, je acht waren es in Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf. In den Bezirken Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg schaffte es jeweils ein Kind, in Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf waren je zwei Schüler erfolgreich, in Neukölln drei und in Spandau vier. Vergleichsweise am besten lief es im Bezirk Steglitz-Zehlendorf: Hier bestanden 13 von 192 Kindern den Test. Insgesamt keiner der 51 „Willkommensschüler“, die angetreten waren, ging mit Erfolg aus dem Probetag.
Prompt hagelt es Kritik von linken Gewerkschaften, den Grünen und Elternvertretern. Kritiker halten den nur drei Stunden dauernden Test für nicht aussagekräftig. Der Senat meint allerdings: „Die Bestehensquote bestätigt, dass der Notendurchschnitt von 2,2 sorgfältig gewählt wurde und für Schüler eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Lernen am Gymnasium ist.“ Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat den Probetag beim Wechsel aufs Gymnasium verteidigt. Die geringe Quote mache deutlich, dass die Lehrkräfte an den Grundschulen die richtige Förderprognose abgegeben hätten, sagte Günther-Wünsche im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses am 27. März.
Zu einer ehrlichen Betrachtung gehört auch: Neben einer gefälligen Schulpolitik, die sich im Glanz toller Quoten und Noten sonnt, und neben mutlos gefälligen Lehrern tragen auch große Teile der Elternschaft dazu bei, dass sich das Gymnasium als heimliche Einheitsschule mit schönen Namen zu Tode wächst. Der Trend zur Ein-Kind-Familie spielt dabei eine Rolle, aber auch das Ausweichen vor nicht-gymnasialen Pflichtschulen mit hohen Migrantenanteilen. Eine Umkehr scheint nicht in Sicht, wenngleich sogar in Berlin ein Nachdenken begonnen hat.
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In den Golfstaaten müssen alle Ausländer auf Privatschulen gehen. Staatsschule, kostenlos, können nur Einheimische nutzen. Das finden sie dort das natürlichste auf der Welt. Es wäre auch nichts, weil fast alle nichtarabischen Ausländerkinder in Arabisch nicht mithalten können. Abgesehen davon sollten Ausländer, wo zuhause die Schulen und Universitäten NICHT kostenlos sind, in Ländern mit staatsbezahltem Studium NICHT kostenlos studieren können. Ich erinnere mich noch an 20015/16, wo junge, neu Aufgeschlagene mit Schildern gegen Einwanderungsgegner demonstrierten „“Wir wollen doch nur studieren können“. Ach die Armen ! In deren Heimatländern muß man zum studieren einen dicken Geldbeutel haben. In Kanada bekommen nur… Mehr
Der Trend zur Ein-Kind-Familie spielt dabei eine Rolle, aber auch das Ausweichen vor nicht-gymnasialen Pflichtschulen mit hohen Migrantenanteilen Kann ich Ihnen nicht deutlich genug zustimmen, Herr Kraus. Zwei Punkte: 1) Kutlurell – Universitäten machen uns krank Unsere Bildungskultur vermittelt, man sei erst mit Bachelor „vollwertig“ und erzieht die Generationen in der Erwartungshaltung, man müsse überdurchschnittlich enlohnt werden, weil man ja diesen Wisch einer Uni bei sich führt. Der Hartz-4-Fernsehkonsument wird die Ausläufer dieses Phänomens sehen, wenn in der Casting Show seiner Wahl Dieter Bohlen einen unfähigen Musiker von der Bühne watscht – und dieser ihm erwidert „Aber ich habe doch… Mehr
Sehr geehrter Herr Kraus, zuerst einmal vielen Dank für ihren Artikel! Ein paar Ergänzungen und Erläuterungen meinerseits möchte ich noch nachreichen. „Der Senat meint allerdings: „Die Bestehensquote bestätigt, dass der Notendurchschnitt von 2,2 sorgfältig gewählt wurde und für Schüler eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Lernen am Gymnasium ist.““ Das ist – mit Verlaub – fragwürdig, was der Senat da erzählt. Da so gut wie niemand den Probeunterricht bestanden hat, heißt das, dass aller Wahrscheinlichkeit es sehr viele unter denen gibt, die eine Gymnasialempfehlung erhalten haben, die den Probeunterricht ebenfalls nicht bestehen würden. Zudem: in der ‚Welt‘ gab es einen Artikel,… Mehr
Dieses Durchschleifen erscheint auf den ersten Blick wie ein Henne-Ei-Problem: Welcher Lehrer, der die Zustände an Berliner Schulen kennt, würde Kinder sehenden Auges in das (nicht nur) sprichwörtliche Offene Messer laufen lassen?
Die Privatschule in Dubai, die unsere Kinder nacheinander und miteinander für fast 20 Jahre besuchten, eine „libanesische Schule“ nach US-amerikanischem Standard (wir liebten sie), hatte Akkreditionen zu bekommen, damit die Absolventen an amerikanischen Universitäten studieren konnten. So fanden sich Leute von der amerikanischen Schulaufsicht ein, um die Schule zu prüfen. Sie nahmen am Uterricht der hohen Klassen teil, sprachen mit Lehrern und Schülern. Und jetzt kommt‘s: sie waren total erstaunt, daß fast alle Schüler Angaben, auf die Universität gehen zu wollen. Das war in Amerika nicht (20% .) Sie erfuhren, daß alle Eltern, Leute von der ganzen Welt, gebildete Leute… Mehr
Was sehr wichtig ist, ist die Konkurrenz, die weltweite Konkurrenz. Als wir in den 1980ern noch in Deutschland waren, dachte ich, es ist auch gut, ein guter Bäcker, Metzger oder Dachdecker zu sein. Dann kam ich nach Dubai Anfang 1990 und sah die asiatische Seite vom Leben. Die, die nicht genug gelernt hatten für mehr, konnten sich nicht mal eine Studio-Wohnung leisten, die „Handwerker“ schliefen zu achten in einem Zimmer, Bed Space nannte man das. Abitur war nicht mehr genug, Bachelors war das Neue In-Wort. Ein Blick in die Zukunft … Klar war jedenfalls, daß in asiatischen Schulen härteres Holz… Mehr
Richtig. Unsere Bedingungen-Sozialhilfe-sind nur für unsere Kinder. Die dies in seltenen Fällen benötigen.
Die Asylanten sind dem Konkurrenzkampf zuzuführen. Wer zu Fuss zu uns geschafft hat, braucht weder Schule für die Kinder, noch Wohnung von uns.
Das muss er selbst erwirtschaften.
Greift mMn viel zu kurz. Die Dubaier Handwerker sind keine Emiratis, sondern kommen aus Drittwelt-Ländern, in denen das Durchschnittseinkommen deutlich unter dem „kann mir keine Studio-Whg in Dubai leisten“ liegt. Die Dubaier „Asiaten“ stammen meist aus Ländern, in denen Bachelors gekauft werden können. Bachelors ist das neue Abitur. Wenn das Abitur bereits Müll war, so wird sich nichts damit ändern, es jetzt Bachelor zu nennen. Otto-Normalverbraucher oder die Petra-Normalverbraucherin sich kaum noch etwas richtiges zu wohnen leisten kann mit seinem/ihrem EinkommenMan wird Handwerker weiterhin brauchen. Nur wenn sie dann seltener werden, werden die Löhne wieder besser, oder es kommen die… Mehr
Ich gebe Ihnen hier auch Recht. Das ganze ist sehr vielschichtig. Aber es ändert nichts an der Bienen-Mentalität der Asiaten, der Konkurrenz, von der ich spreche. Ich habe zugeheiratete Verwandtschaft aus Korea. Diese sind streng mit ihren Kindern, verlangen Höchstleistungen in der Schule, weil sie sonst nicht bestehen können. Ich habe übrigens 25 Jahre in Dubai gelebt und kenne das alles noch vor dem Bauboom.
Kinder der illegal eingereisten Eltern sind von höheren Schulen grundsätzlich abzulehnen. Wer hier eine gute Ausbildung bekommen will, muss legal kommen. Illegal Eingereisten dürfen nicht mit unserem Steuergeld zur Konkurrenz für deutsche Kinder hochgebildet werden.
Diese Kinder schaffen eine Konkurrenz zu den einheimischen Kindern. Sie belasten das System und ziehen den Unterrichtsniveau nach unten.
Und später sind sie Konkurrenz um gute Ausbildungen und Studienplätze.
Bei weniger Konkurrenz um Ausbildungen wären Realschulen attraktiver. Es ist kein Geheimnis, dass viele Abiturienten Realschüler bei den Ausbildungsplätzen verdrägen…
Logisch, dass jeder beste Chancen für sein Kind will.
Bitte an den Ursachen Änderungen vornehmen. Schuld sind nicht die Kinder illegalen Migranten, sondern unsere offenen Grenzen mit Bürgergeld.
Da es Berlin ist:
Wer in der Grundschule besser als 1,5 ist, der darf nicht aufs Gymnasium.
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Und ansonsten: Warum sollten die Leute mit der Haupt- oder Realschule zufrieden sein, wenn man als Abiturient vom Vorstand empfangen wird und als Realschüler vom Reiseleiter? So lief das bei Schülerrundfahrten bei meinem Ex-Arbeitgeber ab.
Corona hätte die Chance sein können für die Entwicklung eines deutschlandweiten identischen Lehrplans mit Teleunterricht an 4 Tagen pro Woche und 1 Präsenztag in der Schule in ungefähr leistungsgleichen Kleingruppen. Das hätte gemobbten Schülern die Möglichkeit eines Rückzugs ohne Gesichtsverlust und Absentismus ermöglicht, und der Schulweg hätte keine Angstpartie sein müssen. Lärmempfindliche Schüler hätten sich entfalten können. Es hätte erheblich weniger Disziplinprobleme gegeben. Berlin ist, was Negativtrends angeht, erwartungsgemäß ganz an der Spitze. Weder vom Verhalten noch vom Wissensstand können sich dort so viele Gymnasialanwärter finden. Die meisten Schüler verlassen ihre Lehranstalt ohne jegliche Ausbildungsreife und mit erheblichen Defiziten im… Mehr
Die Probleme die Sie beschreiben gab es so früher gar nicht. Das Problem ist ein anderes.
Und nein, eine echte Digitalisierung hätte es in Deutschland auch bei einem ehrlichen Versuch nicht gegeben. Dazu fehlt bürokratisch schlicht das Know-How. Es wäre besser wenn man zu Stift, Papier und Frontalunterricht zurückkehren würde.
Guter Ansatz in Berlin! Aber das werden die Linken und Grünen noch verhindern, denn denen ist Intelligenz gefährlich und Leistung ein absolutes Fremdwort!
Es geht ja nicht um das bisschen Bildung das man in den zwei Jahren zusätzlich zum Abitur lernt. Es geht um den Zugang zu Universitäten weil nach wie vor die Überzeugung herrscht, dass man nur „irgendwas studieren“ muss um später erfolgreich zu sein. Oder überhaupt erfolgreich zu sein.
Ich habe jedenfalls in der Oberstufe kein relevantes Wissen mitgegeben bekommen.
Egal, was man studiert, Hauptsache man hat überhaupt studiert.
Vor 150 Jahren waren Handwerker noch wichtig, aber der Fabrikdirektor bekam den 1000-fachen Lohn. Selbst Büroangestellte bekamen das 10-fache eines Handwerkers, der Akademiker schon das 100-fache. Das ist heute nicht viel anders.
Nein. Heute wird man, außer man hat grade Glück und landet an der richtigen Stelle im Schweinezyklus, eher arbeitslos.
Schauen Sie sich den ÖD Tarif. Akademiker verdienen nicht so viel im Vergleich zu Nichtakademikern.
Sind Sie da vielleicht mit den Zahlen etwas durcheinander geraten?
Gilt das auch für Beamte und Politiker?