Wer mit einer Statue eines nackten dicken Donald Trump im EU-Parlament provoziert, sollte außenpolitisch relativ unangreifbar sein – doch jetzt zeigt sich die nächste Niederlage der EU-Kommissionspräsidentin: Hochtrabende Kanada-Pläne zerbröseln.
IMAGO / ZUMA Press
Ein großer außenpolitischer Erfolg sollte es werden, doch unmittelbar vor dem entscheidenden Gipfeltreffen folgte die Ernüchterung: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist mit ihrem Plan gescheitert, Kanada den Sonderstatus eines „assoziierten EU-Mitglieds“ zu verschaffen. Ausgerechnet Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte sich gegen die Initiative seiner Parteikollegin.
Auch Frankreich, Italien und Griechenland sind klar dagegen: Die EU-Staaten strichen schließlich die entscheidenden Formulierungen aus der geplanten Gipfelerklärung. Für von der Leyen ist es ein weiterer empfindlicher Rückschlag – und ein neuer Konflikt über ihren politischen Führungsstil.
Bereits im September hatte die Kommissionspräsidentin bei ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union im Straßburger Europaparlament einen doch spektakulären Vorschlag präsentiert: Kanada sollte als erstes Land überhaupt eine assoziierte Mitgliedschaft in der Europäischen Union erhalten.
Damit wollte sie den wirtschaftlich und strategisch wichtigen Partner wesentlich enger an Europa binden. Vorgesehen waren unter anderem eine stärkere Integration der Finanzmärkte, eine vertiefte Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie und gegenseitige Vorteile bei wirtschaftlichen Sicherheitsmaßnahmen.
Nach Information von Euronews lehnten nun aber mehrere europäische Regierungen die ursprünglichen Formulierungen ab. Besonders entschieden trat Deutschland gegen die geplante Sondermitgliedschaft auf, aber auch Frankreich, Italien und Griechenland verlangten Änderungen.
Der wichtigste Kritikpunkt: Eine „assoziierte Mitgliedschaft“ existiert in den geltenden EU-Verträgen überhaupt nicht. Weder die rechtlichen Voraussetzungen noch die konkreten Rechte und Pflichten eines solchen Status waren ausreichend geklärt.
Dazu kam noch ein politischer Vorwurf: Von der Leyen hatte ihren weitreichenden Vorschlag öffentlich präsentiert, ohne ihn zuvor ausreichend mit den Regierungen der Mitgliedstaaten abzustimmen.
Ein europäischer Diplomat erklärte gegenüber Euronews, man wisse einfach nicht, worüber eigentlich gesprochen werde. Der neue Begriff könne erhebliche rechtliche Unsicherheiten schaffen und Erwartungen bei anderen Drittstaaten wecken.
Für die Bundesregierung in Berlin war zudem problematisch, dass Bundeskanzler Merz bereits eine ähnliche Zwischenlösung für die Ukraine ins Gespräch gebracht hatte. Dabei ging es um eine mögliche Beteiligung Kiews an europäischen Beratungen ohne Stimmrecht. Kanada sollte nun unter derselben Bezeichnung einen völlig anderen Sonderstatus erhalten.
Das Ergebnis der jüngsten Verhandlungen ist für von der Leyen eine klare Niederlage: Die Begriffe „assoziierte Mitgliedschaft“ und „assoziiertes Mitglied“ wurden vollständig aus dem Entwurf der Gipfelerklärung gestrichen. Auch weitreichende Zusagen zur Integration der Finanzmärkte und zur gegenseitigen wirtschaftlichen Vorzugsbehandlung wurden abgeschwächt.
Stattdessen soll bis zum nächsten EU-Kanada-Gipfel 2027 ein Konzept für eine „immer engere Anbindung Kanadas an die EU“ ausgearbeitet werden. Die neue Erklärung wurde am Mittwochabend im schriftlichen Verfahren von den Mitgliedstaaten gebilligt. Ihre Veröffentlichung ist für morgen, Freitag, vorgesehen.
Damit bleibt eine vertiefte Partnerschaft mit Kanada zwar ausdrücklich erwünscht, aber von der Leyens ursprünglicher Plan einer neuartigen EU-Sondermitgliedschaft ist vorerst vom Tisch.
Kanadas Regierungschefs Mark Carney hatte sich von Anfang an zurückhaltend gegenüber der neuen Bezeichnung gezeigt und stattdessen für eine „Allianz für die Zukunft“ geworben. Für Ottawa zählt offenbar weniger der prestigeträchtige Mitgliedschaftsstatus als der konkrete wirtschaftliche und sicherheitspolitische Nutzen einer engeren Zusammenarbeit.
Misstrauensanträge gegen Ursula von der Leyen
Die EU-Kommissionspräsidentin musste sich schon im Juli 2025 dem ersten Misstrauensvotum stellen. Anlass waren unter anderem Vorwürfe mangelnder Transparenz bei der Beschaffung von Corona-Impfstoffen.
175 Abgeordnete stimmten gegen die Kommission, 360 unterstützten sie, 18 enthielten sich. Der Antrag scheiterte deutlich, er zeigte aber die wachsenden Spannungen zwischen von der Leyen und Teilen des Parlaments.
Im Jänner 2026 folgte ein weiterer Misstrauensantrag, diesmal im Zusammenhang mit dem umstrittenen Mercosur-Abkommen. Auch diesen überstand die Kommissionspräsidentin: 390 Abgeordnete stimmten gegen ihre Absetzung, 165 dafür. Die Abstimmungen zeigten, dass ihre Politik selbst innerhalb des proeuropäischen Lagers zunehmend umstritten ist.




Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Merkwürdig dieser Bericht, in den heute-Nachrichten waren nur Lobeshymnen zu hören zu diesem Thema. Die v.d.L. war total begeistert wie schön und gut alles wird mit Kanada.
„nur wenige Stunden vor Beginn des zweitägigen EU-Kanada-Gipfels in Montreal.“ – Damit können sie jetzt auch zu Hause bleiben, die Reisekosten einsparen und dort ihre Tränen ala „schanklode“ „ertränken“. Die Reise hat sich doch erübrigt.
Erneut zeigt vdL, dass sie von existierenden Verträgen nicht viel hält. Hat man eigentlich jetzt mal ihr Hand und ihre mais kontrolliert? Welche geheimen Abmachungen hat sie bereits akzeptiert?
Habe gestern zufällig erfahren, dass in der Provinz Alberta der „Wechsel“ zu den USA diskutiert wird. In Kanada gibt’s wohl auch eine Art „Länderfinanzausgleich“ und Alberta ist dort der größte Nettozahler … das möchte dann wohl die EU übernehmen …
Der Westen Kanadas ist reich an Öl, Gas und Rohstoffen. Der Osten von Kanada ist beispielslos verarmt. Da verdient man so viel wie in Tschechien im Durchschnitt. Der Osten Kanadas hat einen sehr niedrigen Lebensstandard, sehr hohe Arbeitslosigkeit, eine sehr alte Bevölkerung und keinerlei finanzielle Mittel. Dafür aber stramm links und hält die Mehrheit der Senatoren in Kanada obwohl sie weniger als 12 Millionen Menschen ausmachen. Kanadas Bevölkerung liegt bei 42 Millionen. Die Provinz Quebec will ab 2030 auch ein unabhängiger Staat werden und wird wieder ein Referendum abhalten. Ausgang unbekannt, aber der Hass auf die Früher in Ottawa ist… Mehr
Quebec ist französischsprachig. Die haben das vor Jahren schon einmal versucht; mit Frankophonen ist eh kein Staat zu machen. Das zeigt die Geschichte seit mehr als 500 Jahren, die kochen immer ihr eigenes Süppchen. Doch gerade aktuell ist die Suppe wohl angebrannt – eine völlig neue Erfahrung für die Möchtegerngroßen! Gemeint ist das europäische Mutterland des latenten Problems in der Zusammenarbeit und Kooperation.
Kanada ist so ein linkes Shithole, sowas in der EU und dann gute Nacht. Die Kanadier sind auch extrem dumm und einfältig. Entgegen der im Artikel gesetzten Position befürworten die Kanadier mehrheitlich eine Form der EU Mitgliedschaft. Wenn auch nicht direktes Mitglied.
Kanada steht außerdem kurz vor der Staatspleite und druckt seit Jahren ohne Ende Geld. Der kanadische Dollar wird 40% unterm Euro gehandelt.
Ja, ja, die Flintenuschi hat einen groben Fehler gemacht. Sie hätte dem Iran oder Somalia solche Mitgliedschaft anbieten sollen, die Mitgliedschaft mit der Hölle.
Assoziiertes Mitglied könnte auch eine Art Eroberung sein, nur eben nicht durch Invasion, sondern durch Bürokratie.
Soll Kanada irgendwann mal zu einem EU-Staat gemacht werden?
Müsste nicht jeder US-Präsident, egal ob er Trump heißt oder nicht, befürchten, dass sich da eine neue Macht direkt an seinen Landesgrenzen aufbaut?
Ging es darum, Trump eins auszuwischen, da er ja selbst Anspruch auf Kanada erhoben hat?
Soll da schon geübt werden, wie wir bald die Ukraine aufnehmen können?
Schon Uschis Zeugung war wohl ein Flop.
Merz: ……. „Meine Ukraine, meine Ukraine, meine Ukraine..“ Pardon, aber ich kann das „Ukraine-Gekrähe“ von diesem 2. Wahl-Kanzler nicht mehr hören. Mit was für einer „ Sorte Mensch“ wir uns zur Zeit rumschlagen müssen, ist ungeheuerlich! Die müssten, Laien und Merz, angeklagt werden, weil sie fortlaufend „Politik gegen Deutschland“ machen und das mit einer dreisten Unverschämtheit und Dummheit! Ich habe schon lange „Gewaltphantasien“, die ich hier nicht beschreiben darf!
Der Lobbyisten-Sumpf unter sich……..