Im Namen der Demokratie wird eine ideologische Umerziehung betrieben, die Pluralität durch Buntheitszwang ersetzt und Kritik zur Ketzerei erklärt. Christian Zeller analysiert, wie aktivistische Gender-Studies, geförderte NGOs und ein staatsnaher Moralapparat die liberale Ordnung unterwandern.
Nur wer bereit ist, sich der rotgrünen Meinungs- und Medienmacht entgegenzustellen, kann das Land zum Besseren verändern.
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Ausgerechnet die miefige Ampel-Legislatur endet mit einem Paukenschlag der Gesellschaftskritik. In ihrer elegantesten und einfachsten Form: Es werden die richtigen Fragen gestellt. Von der CDU-Bundestagsfraktion, in einer „Kleinen“ Anfrage an die noch amtierende Bundesregierung. Und zwar gleich 551 zu dem links-grünen NGO-Filz, der sich mit dem links-grünen Förderprojekt „Demokratie leben!“ herausgebildet hat. 2014 wurde es von Manuela Schwesig ins Werk gesetzt. Erst jüngst wurde es von Lisa „unterhalb der Strafbarkeitsgrenze“ Paus noch einmal verlängert.
Zehn Jahre lang hat man diese Halbwelt gedeihen lassen. Und nun werden von Linksradikalen CDU-Zentralen gestürmt. Wie heißt es in Paulus’ Brief an die Galater? „Was der Mensch sät, das wird er ernten.“ Der Staat fördert die Woke Culture, auf der Woke Culture gedeiht umso besser der gewalttätige Linksextremismus. Höchste Zeit also, die Fragen noch zu mehren. Heidegger wusste: „Wesentliche Antworten sind stets nur der letzte Schritt der Fragen.“
Bereits die flippige Farbwahl des Logos von „Demokratie leben!“ verrät, wohin die Reise geht: Demokratie wird mit Buntheit gleichgesetzt. Buntheit ist nicht mehr ein mögliches Programm, das unter dem Vorbehalt des Willens des Souveräns steht, sondern wer gegen Buntheit ist, ist auch gegen die Demokratie. Gehört also dem Souverän gar nicht mehr wirklich an. Eine grundlegendere Unterminierung der freiheitlich-pluralen Demokratie lässt sich gar nicht denken. Die Diskurshegemonie der Buntheit lebt davon, dass Vielfalt in einer Gesellschaft, in der an Schulen Larifari Nachdenken überlagert, mittlerweile leicht mit dem Verfassungsprinzip der Pluralität verwechselt werden kann.
Pluralität allerdings bedeutet zunächst einmal die Legitimität von Meinungsverschiedenheiten. Der Pluralismus betrachtet die „offene Austragung der in jedem freien Staat unausbleiblichen Meinungsverschiedenheiten und die Kompromisse, durch die diese Konflikte beigelegt werden (…) als den einzig geeigneten Weg, eine tragbare Lösung für Probleme zu finden, über die ein consensus omnium nicht besteht“. So schrieb es der Politologe Ernst Fraenkel, dessen Werk in den 1960er Jahren eine wichtige Wegmarke war, die freiheitliche Ordnung der Bundesrepublik zu festigen. Es ist mehr als nur eine Fußnote, dass die antipluralistischen 68er mit ihren Räte-Modellen, ihren homogenisierenden Vorstellungen einer einheitlichen Arbeiterklasse (heute wäre es wohl „das Volk“) und ihrem marxistisch-maoistischen Dogmatismus Gelehrte wie Fraenkel hassten. Wer ihre kapitalismus- und liberalismuskritischen Analysen nicht teilte, der war eben „affirmativ“ – und wurde gemobbt. Sogar Adorno, den Säulenheiligen der 68er, ereilte dieses Verdikt. Ein halbes Jahr nach dem berühmten „Busenattentat“ während seiner Vorlesung an der Universität Frankfurt im Jahr 1967 verstarb er.
Mit Demokratie leben! wird die pluralistische Ordnung nun erneut aufs Spiel gesetzt. Der linksliberale Wertewandel soll nun in einer hoch spezifischen, postmodern-autoritären Lesart auch institutionell abgesichert werden, indem man durch das Anfüttern links-grüner Ideologen die allein seligmachende Lehre in die Gesellschaft hineinpresst und sie so alternativlos erscheinen lässt, dass selbst die CDU den wackeren Kämpfern „gegen Rechts“ als „faschistische“ Organisation erscheint. Selbst das Stellen von Fragen gibt nun der links-grün regierungstreuen Gefolgschaft der Tagesschau Anlass für „Empörung“. Anti-demokratischer geht es nicht mehr: Denn wer Demokratie mit einer bestimmten Variante von jugendgefährdenden Transrechten und einer bestimmten – in einer Welt des gesunden Menschenverstandes würde man sagen: extremen – Variante von selbstmörderischer, das eigene Land einem Abgrund aus Kriminalität, Terrorismus und größtenteils mangelnder Qualifikation näher bringenden Migrationspolitik gleichsetzt, der will eben die Pluralität mit der Buntheit austreiben.
Wer zur offiziell verordneten Buntheit eine andere Meinung hat, tja, der gehört eben gar nicht mehr zu „unserer Demokratie“. Genau das ist das generative Prinzip, das dem demokratiegefährdenden „Kampf gegen Rechts“ zugrunde liegt: eine unheilvolle Melange aus links-grünem Medienkomplex, Regierungsinstitutionen und links-grünen Parteien, die an ihn angegliederte, die pluralitätsgefährdende Politik der Buntheit legitimierende Expertokratie sowie, ganz entscheidend, „die Zivilgesellschaft“. Der Kollektivsingular, in dem von dieser ehrwürdigen Instanz zumeist gesprochen wird, verrät dabei schon alles: Es ist ein konform agierender, erschreckend homogener Block. Das Gegenteil von Pluralität. Und sogar das Gegenteil der von ihr selbst der Gesellschaft oktroyierten Buntheit. Es bewirkt ein seltsames De-Realisationserleben, wenn man sich wirklich einmal vergegenwärtigt, auf was für einen haarsträubend gefährlichen Pfad sich die Bundesrepublik seit der links-grünen Herrschaft Angela Merkels begeben hat.
Angesichts der brandgefährlichen Situation, dass ausgerechnet im Namen des Demokratie-Schutzes Radikalisierung und Polarisierung betrieben wird, gilt es also munter weiterzubohren und noch eine Stufe tiefer hinabzusteigen: Woraus speist sich eigentlich das Weltbild der links-grünen Demokratiepartnerschaften, der „demokratieschützenden“ Projekte zu queer-feministischer Körperpolitik, der Programme gegen eine völlig inflationierte „Queerfeindlichkeit“, die Programme gegen einen ebenso durchweg inflationierten „Rechtsextremismus“?
Festzuhalten ist zunächst, und schon das glaubt man kaum: Am Leben gehalten wird die entsprechende Weltanschauung maßgeblich im System der Wissenschaft. Die postmodernen Gender Studies gehören dabei zum Glutkern dieser pluralitätsgefährdenden Ideologie. Diese sind weltanschaulich – häufig auch personell – eng verwoben mit der postkolonialen Theorie, der Critical Race Theorie, der Theorie der Intersektionalität. Es reicht damit nicht nur, Demokratie leben! die Gelder zu entziehen – fast 200 Millionen Euro sind es jährlich –, sondern man muss die Wissenschaft vom postmodernen Gender-Aktivismus befreien.
Aber wie? Die Geschlechtlichkeit des Menschen und geschlechtliche Rollen- und Selbstbilder sind schließlich völlig legitime Fragestellungen innerhalb der Sozialwissenschaften (einschließlich der Ökonomie), der Soziobiologie oder auch der Geistes- und Literaturwissenschaften: Natürlich kann man die selektive Wirkung von Rechtsnormen auf Männer und Frauen, durchschnittlich unterschiedliche Persönlichkeitsausprägungen oder Schmerzwahrnehmung der Geschlechter sowie geschlechtsspezifische Faktoren sozialer Ungleichheit beforschen. In der angewandten Forschung kann eine genaue Kenntnis der unterschiedlichen Physiognomie von Männern und Frauen dazu führen, dass die Bedienbarkeit von Automaten erhöht wird. Auch zu Homosexualität, Intersexualität, Transsexualität und Heterosexualität kann selbstverständlich seriöse Forschung betrieben werden, wie dies in der Medizin, der Psychiatrie, an psychologischen Forschungsstellen und in Teilen der Sozialwissenschaften geschieht.
Die Geschlechterforschung stellt also an sich ein relevantes, interdisziplinäres Forschungsfeld dar, und es gäbe keinen Grund für Kritik daran, wenn dort durchgängig weltanschauungsfrei geforscht werden würde. In Teilen dieser Forschungslandschaft, insbesondere in den Sozial-, Literatur- und Geisteswissenschaften – in denen man von biologischen Zusammenhängen schon disziplinär nur sehr wenig versteht –, wurde jedoch seit Jahrzehnten die Grenze zwischen Wissenschaft und politischem Aktivismus so malträtiert, dass man sich dort gar nicht mehr die Mühe gibt, neutrale und objektive Wissenschaft zu betreiben.
„Kritisch“ zu sein, gehört zum Kernbestand des postmodernen Wissenschaftsmissbrauchs, auch wenn man vor dem Hintergrund der eigenen relativistischen Erkenntnisprämissen gar keine Normen mehr begründen kann. Und „kritisch“ heißt in der akademischen Praxis: Irgendwie „gegen Rechts“, irgendwie auch ein bisschen gegen den „Kapitalismus“, wenngleich man mit dem Marxismus dort nicht mehr liebäugelt, weil es sich um eine „große Erzählung“ handelt, die man im postmodernen Denken ablehnt.
Aber hauptsächlich heißt „kritisch“, dass man ganz fest für „Vielfalt“ einsteht. Da es im postmodernen Denken – Lyotard, Foucault, Derrida et al. – nichts gibt, was alle Menschen miteinander teilen, kann man nur möglichst viel Vielfalt fördern und zulassen. Bis es ganze Gesellschaften eben durch importierten Terrorismus auseinandersprengt und man selbst den harmlosesten Traditionen nicht mehr nachgehen kann. Am Terrorismus tragen postmoderne Gender-Leute freilich keine Schuld. Die Verantwortung dafür tragen schon die Täter selbst. Aber das auf Hyper-Diversität abzielende Weltbild der Postmoderne hat in den letzten Jahrzehnten die Voraussetzungen dafür geschaffen, jede noch so zart und vernünftig formulierte Idee, dass Pluralität eben auf einer geteilten Weltanschauung fußen sollte – und sei es die Vorstellung, dass alle eben alle Bürger die Idee der Pluralität und des Meinungsstreits als Grundlage unserer Verfassungsordnung anerkennen sollten –, als die Vorstufe einer faschistischen Gesellschaft zu diskreditieren.
Damit weben eben auch die postmodernen Gender Studies an einer Gesellschaft mit, die keinerlei Zusammenhalt mehr kennt. Weder in gemeinsam geteilten biologischen Grundlagen der Gattung Homo sapiens noch in der Solidarität und der wechselseitigen Anerkennung von Freiheitsspielräumen, die Menschen sich innerhalb eines Volkes gegenseitig zugestehen. Wer gegen Vielfalt ist, wird vielmehr aus der Solidargemeinschaft ausgeschlossen und zum politischen Outcast erklärt. Das ist eben der Unterschied zwischen Pluralismus einerseits und postmodernem Hyper-Pluralismus andererseits. Pluralismus kennt ein einigendes Band, auf dem sich die Vielgestaltigkeit erhebt, Hyper-Pluralismus geht davon aus, dass jeder nur noch in seiner eigenen höchst eigenen Welt lebt und Verständigungsversuche ohnehin zum Scheitern verurteilt sind.
Die diskurshegemoniale Macht der Gender Studies ist beträchtlich: Im August 2024 existierten ausweislich des Portals „Datensammlung Geschlechterforschung“ von der Freien Universität Berlin 176 Professuren zur Frauen- und Geschlechterforschung/Gender Studies in Deutschland. Im gesamten deutschsprachigen Raum sind es 203, davon 21 in Österreich und 6 in der Schweiz. 159 Professoren sind an Universitäten, 44 an Fachhochschulen angesiedelt; bei 160 handelt es sich um Teildenominationen, bei 42 um Volldenominationen. Teildenominationen betreffen häufig Fachgebiete wie die Psychologie, das Recht, die Gesundheitswissenschaften oder die Sprachwissenschaft, die dann als „Pädagogische Psychologie mit Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung“, „Öffentliches Recht und Geschlechterstudien“, „Molekulargenetik von Adipositas und Essstörungen unter Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen Aspekten“ oder „Literatur und Religion in den romanischen Kulturen unter besonderer Berücksichtigung von Geschlechterstudien“ ausgewiesen werden.
Volldenominationen sind etwa „Geschlecht und Sexualität in der Sozialen Arbeit“, „Literatur- und medienwissenschaftliche Genderforschung“, „Geschlechtergeschichte“ oder „Geschlechtersoziologie“. Den Vorwurf der Doppelmoral müssen sich die Diversity-fokussierten Gender Studies dabei gefallen lassen. „Diversität“ wird nämlich nur für andere gefordert – von den 176 Genderprofessoren sind nur vier männlich. Das ist ein Männeranteil von knapp 2 Prozent, bei einem insgesamten Frauenanteil von ca. 28 Prozent über alle rund 51.000 deutschen Professuren hinweg.
Die meisten Genderprofessuren im deutschsprachigen Raum gibt es in der Soziologie (35), gefolgt von den Literaturwissenschaften (17), der Erziehungswissenschaft (17) und der sozialen Arbeit (11). In der Politikwissenschaft, der Psychologie und der Rechtswissenschaft gibt es jeweils neun, in den Wirtschaftswissenschaften acht Genderprofessuren, in der Geschichtswissenschaft sieben, in Theologie und Religionswissenschaft fünf und in der Philosophie vier. In Deutschland gibt es die meisten Gender-Professuren in Nordrhein-Westfalen (66), Berlin (34) und Hessen (16). Niedersachsen (14), Baden-Württemberg (10), Hamburg (10), Rheinland-Pfalz (6) und Bayern (6) liegen im Mittelfeld. Gar keine Gender-Lehrstühle gibt es im Saarland und in Sachsen. Generell ist der Osten Deutschlands zurückhaltend mit Gender-Professuren: In Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt existieren jeweils zwei, in Mecklenburg-Vorpommern eine.
Zum Vergleich: Es gibt rund 900 Jura-Professuren in Deutschland. Die Zahl der Genderprofessuren als solche erscheint also nicht übermäßig hoch. Wenn man die Reichweite der Gender Studies einschätzen möchte, ist allerdings zu berücksichtigen, dass diese nur die Professuren sind, die „Gender“, „Geschlecht“ oder „Diversity“ in der Beschreibung ihrer Professur stehen haben. Die Zahl an Personen, die sich an Universitäten mit Gender-Themen beschäftigen, geht weit darüber hinaus. Teilweise sind sie Mitarbeiter der Gender-Professuren oder auch organisiert in Zentren der Geschlechterforschung wie dem Margherita-von-Brentano-Zentrum der FU Berlin, dem Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bielefeld, der Arbeitsstelle für Theologische Genderforschung der Universität Bonn, dem Braunschweiger Zentrum für Gender Studies der TU Braunschweig oder dem Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse der Goethe-Universität Frankfurt. Allein für die FU Berlin sind 290 Wissenschaftler verzeichnet, die im Bereich der Geschlechterforschung tätig sind.
Kaum ein zweites Forschungsgebiet reicht damit so weit in so viele Wissenszweige hinein wie die Gender Studies. Bei den Gender Studies handelt es sich gleichsam um wissenschaftspolitische Streumunition. Dies erklärt ihre hohe Durchdringungsrate in Feldern wie dem Journalismus, Kultureinrichtungen, Kirchen, Behörden und Parteien bis weit in die CDU. So sehr man im postmodernen Sozialaktivismus gerne vollmundig vor den anti-feministischen Netzwerken rechtspopulistischer und christlicher Kreise warnt, so gerne vernetzen sich Gender-Leute untereinander gegen ihre politischen Gegner.
Werfen wir einen Blick auf eines der Zentren der Gender-Lehre, die FU Berlin. 118 laufende Projekte zur Geschlechterforschung weist die Datenbank aus. Darunter solche Arbeiten wie „‚Trans‘ und das ‚Andere‘ während der Weimarer Republik im Rhein-Main-Gebiet – Behördenwahrnehmung und sexualwissenschaftliches Verständnis“, „‚Race und sexuelle Vielfalt‘ in der transnationalen Advocacy: Lokale und globale Chancen und Einschränkungen im lateinamerikanischen und karibischen Aktivismus“, „A feminist political ecology of seaweed farming: gendered livelihood strategies in acquaculture in the Western Indian Ocean“, „Anti-LGBTI Activism in South Korea and Its (sic) Transnational Connectedness“, „Das Theater des Obszönen: Über Sex-Performances“ , „Discursive Alliance in Opposition to Feminism and Gender Equality“, „Feministische Sex Wars and Butch/Fem(me)-Kultur. Sexualitätsdiskurse als Aushandlungsorte lesbisch_queerer Identitätskonzeptionen in deutschsprachigen Lesbenbewegungen der 1970er-90er Jahre“, „From Postmodernist to Post-postmodernist Aesthetics in Contemporary Woman Writings“ oder auch „G-Versity: Achieving Gender Diversity“.
Bei der überwiegenden Mehrzahl solcher Projekte handelt es sich um Dissertationen, auf die häufig kluge, gut ausgebildete und zumeist idealistisch motivierte Leute mehrere Jahre ihres Lebens aufwenden, um erneut das zu durchdringen, was sie sich bereits bei Judith Butler, Theresa de Lauretis oder Carol Hagemann-White mühsam erlesen haben: die heteronormative Zwangsmatrix an einem weiteren Sub-sub-Milieu in der Gesellschaft zu erkennen, zu kritisieren und zu „dekonstruieren“. Derartige Projekte sind im Vergleich zu Astrophysik, Kernforschung oder tiermedizinischen Studien verhältnismäßig günstig. Denn in der Regel handelt es sich um Arbeiten, für die kein großer technischer Apparat notwendig ist. Aber auch das Gehalt für den Projektbearbeiter, der während dieser Zeit zahlreiche Studenten mit der Gender-Lehre in Proseminaren anfüttert, entzieht sich nicht per se jeglicher Legitimationsanforderung, nur weil man sagen kann, dass es sich hier – rein institutionell gesehen – um Wissenschaft handelt. Der intellektuelle Anspruch an solche Arbeiten ist in der Regel eher niedrig, so dass die Projektbearbeiter meist unter ihrem Potential bleiben: Die zentrale Kompetenz besteht darin, die in einem bestimmten akademischen Milieu geteilte Weltsicht zu explizieren.
Man braucht also Empathie, Reflexionsvermögen, ein Gespür für Sprache und für das, was die anderen von einem so erwarten, damit man dazugehört. Die Kenntnis einiger philosophischer Kalendersprüche aus dem Kreis einschlägiger postmoderner Autoren reicht in der Regel aus, um solchen Arbeiten eine gelehrt klingende Grundlage und einen wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen. Der Jargon, den man sich von den postmodernen Propheten abschaut, ist dann teilweise so übel, dass die Tante zu Hause erst einmal ehrfürchtig die abgeschlossene Doktorarbeit von Ann-Kathrin nach der Lektüre der Einleitung beiseitelegt und sich stolz denkt: „Ja, so schlau ist die Nichte! Eine echte Wissenschaftlerin!“
Der akademische Sozialisationsprozess vollzieht sich dadurch, dass man in den Vergemeinschaftungszusammenhang des Sondermilieus hineinwächst. Dazu zählt das Erteilen von „Lehre“ an Orientierung suchende Studienanfänger ebenso wie das Hineinschnuppern in Gender-Networking-„Konferenzen“ und das Ablegen einer „Disputation“, mit der dann der wissenschaftliche Initiationsritus abgeschlossen ist. Wer besonders engagiert ist, beteiligt sich bereits früh am „Einwerben von Drittmitteln“. Wenn man die dafür notwendige sterile Antragsprosa beherrscht, steht meist der „Professur“ nichts mehr im Wege und fühlt sich schon qua Amt dazu ermächtigt, politische Pädagogik zu betreiben. Hat man dieses Programm durchlaufen, dann fühlt man sich mit der Zeit doch irgendwie diesem ganzen Rest, der noch in der heteronormativen Zwangsmatrix befangen lebt, irgendwie überlegen. Der Prozess der wissenschaftlichen Sozialisation in diesen akademischen Bereichen ist häufig mehr Sozialisation als Wissenschaft.
Einer Berechnung der Sprachwissenschaftlerin Anny Curie zufolge kosten die Gender Studies – inklusive Gleichstellungsbeauftragten und Genderleitfädenverfassern – die Steuerzahler knapp 250 Millionen Euro pro Jahr. Bei weitem nicht an all diesen Forschungseinrichtungen wird unseriös gearbeitet – aber leider gibt es eben auch zu viel Aktivismus, vom verfassungswidrigen „Gender Mainstreaming“ bis hin zur Zerstörung und „De-Sedimentierung“ der liberalen Gesellschaft im Geiste von Foucault und Derrida. Gender-Skurrilitäten wie das „gebärende Elternteil“, die „menstruierende Person“ oder die „heteronormativen Legosteine“ haben also paradoxerweise ihren Ursprung ausgerechnet an Hochschulen, die mit der Institutionalisierung von Rationalität maßgeblich für den hohen Lebensstandard verantwortlich sind, den wir heute genießen können: naturwissenschaftliche Aufklärung über Naturprozesse und die daraus resultierende technische Gestaltung der Welt, moderne Medizin, chemische Werkstoffe, die in jede Pore unseres Lebens hinein verzweigte Elektrotechnik, ein im hohen Maß rational durchgestaltetes Rechtswesen. Jeder, der mit dem vermeintlich trans-emanzipatorischen Gender-Sternchen gendert – an Universitäten ist das besonders häufig anzutreffen –, macht sich die Prämisse, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, bereits zu eigen. Genauso könnte man Leute mit Steuergeldern unterstützen, die an Universitäten Vorlesungen über Homöopathie, Wünschelruten-Gehen oder Astralreisen halten.
Die unterschiedliche Wirkung von Krebsmedikamenten auf Männer und Frauen zu erforschen, ist ein hochrelevantes Ansinnen, auf das eine Gesellschaft auch unter der Aufwendung hohen finanziellen Einsatzes nicht verzichten sollte. Die x-te „machtkritische“ Paraphrase qualitativer Interviewdaten oder literarischer Texte, durch die wieder einmal herausgefunden (also: „konstruiert“) wird, dass die Forschungsobjekte in der „heteronormativen Zwangsmatrix“ befangen sind, dass das Frauen und Transgender-Leute knechtende Patriarchat unterschiedslos überall lauert oder die Zweigeschlechtlichkeit eine Erfindung der kapitalistischen Moderne sei, ist hingegen dann ein klarer Missbrauch von Steuergeldern, wenn damit auch noch ein aktivistischer Impuls verbunden ist. Wissenschaftler verzerren die Wirklichkeit in genau jene Richtung, in der sie sie gerne hätten, um den in ihrem Milieu geteilten politischen Narrativen Oberwasser zu verleihen.
Dies zieht völlig zu recht Empörung auf sich: Wissenschaftler erziehen genau jene Bürger, die mit ihren Steuern die Finanzmittel für deren Tätigkeiten aufbringen, zu einer höchst kuriosen, realitätsentrückten Weltanschauung und vernachlässigen darüber hinaus ihre Kernaufgabe, die der eigentliche Zweck der Steuerzahlung ist, nämlich Erkenntnis zu mehren. Wer gegen diese Konstellation dann wiederum Widerspruch einlegt, ist – wissenschaftlich bestätigt! – ein rechtsextremer Wissenschaftsleugner, wie dies bisweilen in Forschungsprojekten zu „Anti-Feminismus“ geschieht. Hierdurch wird die Diskursherrschaft links-woker Wissenschaftler vollends vor Widerspruch abgesiegelt. Allein wer Kritik an den Gender Studies übt, der kommt schon ins Fahrwasser des Diskriminierungsvorwurfs. Und der wird dann, natürlich erneut staatsfinanziert, wiederum rhetorisch aus „unserer Demokratie“ ausgeschlossen, darf also gar nicht mehr mitreden, weil er, im Sound staatsgepamperter NGO-Bürokraten, „AfD-Narrative bedient“. Hat man diesen schauerlichen Zusammenhang einmal verstanden, darf man ruhig kurz wütend werden, um sich einen Motivationsimpuls für weitere bohrende Skepsis zu holen.
Dass in den Gender Studies Aktivismus betrieben wird, ist auch keine Verschwörungstheorie, denn es passiert ganz offen: So ist auf der Webseite der „Fachgesellschaft Geschlechterstudien“ zu lesen: „Wir danken euch / Ihnen allen für die wissenschaftliche Arbeit, mit der ihr/Sie dafür sorgt/sorgen, dass wichtige geschlechtertheoretische, empirische, methodische und (forschungs)ethische Interventionen in Wissenschaft und Gesellschaft vorgenommen werden.“ Man stelle sich einmal vor, auf der Webseite der „Gesellschaft deutscher Chemiker“ oder dem „Verband der Historiker und Historikerinnen e. V.“ wäre Analoges zu lesen. Undenkbar. Aber in den Gender Studies ist das die Normalität, die man auf keinen Fall in Frage stellen darf.
Die Beunruhigung, die von „heteronormativen Legosteinen“, von der „Dekonstruktion der Zweigeschlechtlichkeit“ oder von der hanebüchen undifferenzierten „Patriarchat“-These ausgeht, ist nicht, dass Menschen in liberalen Demokratien bisweilen skurrile Ansichten haben und diese in einem offenen Wettbewerb der Ideen anderen Menschen mitteilen. Liberale Demokratien sind genau jene unwahrscheinliche Gesellschaftsformationen, in denen dies jederzeit sanktionsfrei möglich sein sollte. Genau deswegen ist ja die Meinungsfreiheit so wichtig. Gerne kann man mit diesen Ideen in den politischen Markt eintreten und für seine Partei „Kontra Heteronormativität-Pro Intersektionalität“ am Samstagvormittag vor dem KaDeWe Väter mit Kinderwagen ansprechen, um Unterschriften für die Wahlzulassung sammeln.
Die Beunruhigung besteht vielmehr darin, dass solche Thesen ihren Ursprung innerhalb des Wissenschaftssystems haben und die „Forschenden“ auch noch „die Wissenschaft“ instrumentalisieren, indem sie Kritik an ihren realitätsvernichtenden, spalterischen Auffassungen als wissenschaftsleugnerisch oder diskriminierend ausweisen. Ein seriöser Soziologe erzählte mir einmal, dass er nie auf die Idee käme, in einer Fachbereichssitzung die Gender Studies in methodischer Hinsicht zu kritisieren. Er würde sofort in die AfD-Ecke gestellt werden, und das möchte er natürlich nicht. Da möchte man der Wissensgesellschaft zum Abschied nur noch leise Servus hinterhersingen: Methodenkritik, der innerste Kern von Wissenschaft, wird an deutschen Universitäten durch drohende soziale Ächtung abgewürgt.
Den NGO-Ableger dieses Ungeistes bilden dann Einrichtungen wie die von Demokratie leben! finanzierte Meldestelle Antifeminismus. Von dort aus wird der Wissenschaftsmissbrauch in Form von DDR-haften Einschüchterungsstrategien aus „Die Leute reden schon“-Konformismus und staatlicher Repression in die breitere Öffentlichkeit getragen. „Seht her“, lautet dann die Botschaft der Clique aus intellektuell korrumpierten „Forschenden“ und dasselbe Weltbild teilenden NGO-Bürokraten, „ein Rechtspopulist leugnet die Wissenschaft. Wie schlimm, wie böse! Genau das haben wir ja bereits in Studien herausgefunden.“ Darauf kann man dann nur noch erwidern:
„Nein, das ist nicht wissenschaftsfeindlich. Sondern zutiefst wissenschaftsfreundlich. Wissenschaft ist kein Aktivismus. Wer glaubt, die Welt durch Wissenschaft zu einem ‚besseren Ort‘ machen zu können, der gebe bitte das Verfahren an, mit dem es ihm möglich ist, die hierfür erforderlichen Normen, Werte und Aktionen wissenschaftlich abzuleiten. Die Wahrheit ist: Ein solches Verfahren existiert nicht. Deswegen kann das ‚Sprengen‘ irgendeiner ‚Matrix‘ kein Auftrag von Wissenschaft sein. Und deswegen ist auch das Umsichwerfen mit Begriffen wie ‚Wissenschaftsdelegitimierer‘ oder ‚Queerfeind‘ ein politisches Urteil und kein wissenschaftliches. Im Übrigen gilt: Wer dies als Wissenschaftsmissbrauch anprangert, ob ein Rechtspopulist oder ein Liberaler oder ein Konservativer oder sonst wer, das spielt für die Beurteilung des Arguments keine Rolle – auch das müssten Wissenschaftler eigentlich wissen, wenn denn der Aktivismus nicht bisweilen ihr wissenschaftliches Ethos überschreiben würde.“
Zielsicherer lassen sich sowohl Wissenschaft als auch liberal-demokratische Politik also gar nicht unterminieren als durch den postmodernen Wissenschaftsmissbrauch: Die „Forschenden“ instrumentalisieren ihre mit Hilfe von Steuergeldern erworbenen, einschüchternden Titelparaden als Status-Insignien, auf deren Grundlage sie dann Nicht-Wissenschaftler zu Anti-Queer-Faschisten erklären, wenn diese ihren Thesen widersprechen. Die postmodernen Gender Studies sind der Glutkern aktivistischen Wissenschaftsmissbrauchs, der maßgeblich dazu beiträgt, die liberale Demokratie in jenen Schwelbrand zu versetzen, in dem sie sich in der Eskalationsdynamik zwischen rechts- und linksidentitären Politikentwürfen derzeit befindet.
Christian Zeller ist Soziologe
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Es geht nicht um Frauen, sexuelle Minderheiten und anderer bunter Randgruppen. Es geht den politisch links-grünen Akteuren um die Ausübung absoluter Macht und Kontrolle nach ihrem Willen. Mit Demokratie hat das gar nichts zu tun. Die regierungsfinanzierte „Zivilgesellschaft“ ist das regierungsfinanziert Schwert. Links-CDU/SPD/Grüne/Linke wissen genau aus der Vergangenheit, sie können schlecht die Polizei instrumentalisieren um den politischen Gegner auszuschalten. Schaut euch doch diese hasszerfressenen Massenaufmärsche im Grossen wie Kleinen der regierungsfinanzierten Truppen an. Jeder der nicht im Gleichschritt läuft ist für die ein Feind, Faschist und N**i. Und so agiert diese bunte „Regierungs-Zivilgesellschaft“ dann auch, durch Beleidigungen, Einschüchterungen, Nachstellungen, Belagerungen,… Mehr
Nur eine völlig dekadente, wohlstandsgelangweilte Gesellschaft kann sich ein derart vollkommen überflüssiges Thema, wie diesen Genderquatsch überhaupt leisten . Man merkt ja schon in Deutschland, wie sich Prioritäten verschieben, wenn der Gürtel enger geschnallt werden muss : der Höhepunkt der Klimahysterie scheint überschritten . Plötzlich merken viele, dass man geringeren Co² Gehalt der Luft nicht essen kann . Ich denke, den Genderwahn wird das selbe Schicksal ereilen . Vielleicht bleibt am Schluss eine kleine Gruppe von „Besserverdienern“ und realitätsfernen Geisteswissenschaftlern, die den Blödsinn weiter praktizieren . Der Großteil der Bevölkerung hat für das Thema ohnehin nie mehr als ein müdes… Mehr
Gerade hat der Aktivist Rene_Rain Hornstein, ein nonbinärer „Mensch“, wahlweise „Person“, Ryanair verklagt, weil ihm beim Einchecken nur die Optionen Mann, Frau, Fräulein angeboten wurden. Zuvor hatte er bereits erfolgreich die Deutsche Bahn in die Knie gezwungen, und ich vermute er wird auch gegen Ryanair gewinnen. Es ist nicht mehr auszuhalten was uns hier aufgezwungen wird zu glauben, zu sagen, zu schreiben, ja gar zu denken.
1984 ist heute!
Es ist keine Wissenschaft, es ist eine Religion bzw. eine Kirche. Also eine auf unkritischen Glauben und Verfolgung von Kritikern basierende Schuldzuweisungsorgansiation, durch die sich die Priesterkaste Macht, Einfluss und Gelder sichert, die sie in der freien Wirtschaft nie erzielen könnte. Es ist dieselbe parasitäre Lebensweise, mit der sich Steinzeitpriester der gefährlichen Jagd verweigert haben und gleichzeitig einen dicken Anteil an der Beute einforderten. Wenn das ein Einzelner machte, wurde er mit einem dicken Tritt aus dem Stamm befördert, hat sich so ein System aber erst einmal etabliert, werden sich 80% der Betrogenen dem willig unterwerfen. Es wäre Aufgabe der… Mehr
Gendern…
Von Hassern der eigenen Herkunft, der eigenen Kultur respektive der westlichen Kultur und des eigenen Landes erfunden.
Es geht denen nicht nur um Vernichtung unseres Kulturgutes Sprache, sondern um die Vernichtung unserer Kultur schlechthin.
Dieser Hass ist der treibende Motor aller Linksgrünen, dieser Hass hält ist der Kern der linksgrünen Ideologie.
Es sind nicht nur Schmarotzer, die auf unsere Kosten leben. Sie beißen auch in die Hand, die sie füttert.
Dieser Hass produziert kriminelle Energie, die auch beim Gendern durchbricht.
Mark Twain, einer der größten Menschenkenner:
Ganz blöde finde ich diverse Bundesligamannschaften, die mit der Regenbogenbinde ihres Kapitäns auflaufen. Einfach nur kindisch.
Es ist ja kein Wunder, dass Leute, die dieses Millionengeschäft betreiben, ebenso den Kontakt zum Volk (und zur Realität) verloren haben wie viele andere (vor allem angestellte) Unternehmensvertreter. Und natürlich die Politiker und die meisten Journalisten.