Die Dokumentationsreihe „Inside CDU“ geht in eine neue Runde. Das ZDF begleitet für die zweite Staffel über Monate hinweg die CDU durch das Jahr 2026. Das Ergebnis ist der Abgesang einer Partei, die sich selbst nicht mehr versteht. Und die beste Tragikomödie des Jahres.
Screenprint: ZDF / Inside CDU
Wie sich die Zeiten doch ändern. Und wie schnell noch dazu … Es ist kaum ein Jahr her, da ging es in der ersten Staffel dieser Dokumentation noch um den Aufstieg von Friedrich Merz zum Kanzler. Man sah eine Partei, die zumindest noch an sich selbst glaubte.
Nun kommt der Abstieg. In vier Kapiteln. Sie sind in der ZDF-Mediathek abrufbar, und wer genug Rotwein und Käse daheim hat, kann sich auf gut zweieinhalb Stunden Drama und Tragödie, auf Lustiges und Abstruses freuen. Begleitet werden die vier Akte von einem linear ausgestrahlten Film namens „Machtbeben: CDU im Abstiegskampf“, um den es in diesem Text geht. Die Folgen der Doku-Reihe nehmen wir uns in zwei weiteren Texten separat zur Brust. Wenn das ZDF eine Serie liefert, kann Tichys Einblick das schon lange.
Philipp Amthor, der Hoffnungsträger und neuerdings sogar Staatsminister im Kanzleramt, fährt mit der fetten Dienstlimousine durch die Lande und lässt sich im Fond interviewen. Auf seine Attitüde wäre sogar der Papst im Papamobil neidisch. Alfred Draxler (Bild-Chefkolumnist) kommentiert auf X: „Da fehlt jedes Gespür! Der Mann kommt aus Mecklenburg-Vorpommern, wo die CDU gerade aus dem Landtag geflogen ist. Vielleicht zu Recht?“
Während draußen die Startbahnen für Abschiebungen glühen sollen und Bürger an den AfD-Wahlkampfständen ein untergehendes Land beklagen, posiert Amthor wie ein junger Prinz, der noch nicht gemerkt hat, dass das Schloss längst brennt. Seine Sätze über die AfD als „Todesgegner“, der die CDU vernichten wolle, klingen wie auswendig gelerntes Krisenpalaver. „Es geht für die CDU ums Ganze“, sagt er. Ja, gewiss. Und er sitzt da im feinen Ledergestühl mit Rückenmassage und Popobelüftung.
Aus seiner fahrenden Kanzel heraus predigt Amthor einen derartigen Ausbund an Absurditäten, dass sich die Dokumentarfilmer wirklich keinen besseren Hauptdarsteller wünschen könnten. Er ist das Sinnbild aller Vorurteile. Niemand verkörpert die Tragik der Union so gut wie Philipp Amthor. Er beklagt, „dass wir vor der Wahl so einen Lieferismus und Sofortismus bedient haben. Als gäbe es den einen Schalter, den man einmal umlegt, und von einem Tag auf den anderen wird alles anders und besser.“
Über das blaue Schreckgespenst doziert Amthor nicht minder abstrus: „Man hat das dieser Tage doch in besonderer Weise gesehen, was das Ziel dieser Partei ist: eine komplette Veränderung des Systems, die Systemfrage zu stellen, auch an das Konzept von Volksparteien. Und wenn wir so dumm sind, uns da einzulassen, entgegen der Grundprinzipien der CDU, dann ist das existenzgefährdend.“ Bei „dumm“ macht er eine klitzekleine emphatische Pause, das kommt rhetorisch immer gut.
Die Kommentare auf X zerlegen Amthors Auftritt gnadenlos: Seine Abgehobenheit mache Steuerzahler aggressiv, er wirke wie aus einer anderen Welt. Und in der Tat trägt die Doku bisweilen Züge des Hollywood-Klassikers „Truman-Show“. Das kann doch alles nicht wahr sein!
Und doch, es ist. Und es geht sogar noch peinlicher. Etwa die Szene mit Sven Schulze nach der Wahl in Sachsen-Anhalt. Der Noch-Ministerpräsident kommt ins ZDF-Studio Magdeburg und versteckt sich vor Ulrich Siegmund. „Wo soll ich jetzt hin? Aber nicht zu den Journalisten!“, sagt er panisch, während Mitarbeiter ihm den Fluchtweg koordinieren und bestätigen: „Er wollte ihm ja nicht begegnen.“ Die Kamera fängt das alles ein, und das Netz explodiert. Auf X laufen die Videoclips heiß: „Versteckspielen für Fortgeschrittene“, „peinlicher Kindergarten“, „Lusche“.
Schulze flüchtet vor dem Wahlsieger, vor den Journalisten, vor der Realität. Aus der Brandmauer wird die Suche nach einer Besenkammer. Die Doku macht daraus die perfekte Metapher: Die CDU hat keine Argumente mehr, also nimmt sie Reißaus. Während AfD-Kandidaten versprechen, illegale Migranten „abzuschieben, bis die Startbahnen glühen“, verteilt die Union Fischbrötchen und murmelt: „Die Mitte ist das Beste“. Prompt fliegt sie mit 4,9 Prozent aus dem mecklenburgischen Landtag.
Auch ein Landtagskandidat aus Rheinland-Pfalz namens Patrick Schubert kommt als Pragmatist um die Ecke. Die pauschale Verteufelung der AfD kann er nicht nachvollziehen. Kurios: Schubert erzählt frei heraus, dass er seinen Leuten signierte Wahlplakate von sich selbst angeboten habe – „für den Nachtschrank“. Und wie viele haben sich da gemeldet? „Vier“ sagt er freudig und ehrlich erstaunt. Vier der eigenen Leute wollen also seinen Amateur-Merch, während bei Ulrich Siegmund die Leute für ein Selfie Schlange stehen. Plötzlich weht ein Hauch sympathischer Bodenständigkeit durch die Dokumentation.
Man möchte es kaum glauben, aber in den vier nun folgenden „Inside“-Episoden werden noch weitere sympathische CDUler auftreten. Die Gegenbeispiele aber überwiegen. Wir sagen nur: Söder, Hagel und Spahn. Freuen Sie sich drauf!
Aber bevor es so weit ist, muss Brunhilde erst noch Rotwein kaufen.






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Bevor es so weit ist , braucht Brunhilde verstaendlicher weise ein paar Flaschen Rotwein … Mattin ist Sauerlaender und kauft sich ne Kiste Bier . Bitte , Brunhilde , die naechste Staffel direkt nach der Verkoestigung , sonst krieg‘ ich ne Krise .
Fischbrötchen-Daniel („Die Mitte ist das Beste“) und Mettbrötchen-Mario (alias „Dr. No“, ohne Doktortitel) können sich die Hand reichen, und sich einrahmen lassen – das Bild können sie dann als Großplakat vor dem Adenauerhaus aufstellen.
Und Amthor ist selbst schon die Bankrotterklärung der CDU. Bei dieser Partei ist Hopfen und Malz verloren.
Die können sich noch so oft hinstellen und sagen, sie sind die Größten, Besten und Schönsten – aber sie können nichts, sie wollen nichts, und sie tun nichts.
Und nicht vergessen: Das ist das letzte Kapitel im Untergang der Merkel-CDU
Alfred E. Neumann im Kanzleramt – Mad.
Wenn Amthor klatscht, schaut er immer nach links und rechts, ob die anderen auch klatschen
Ich bin jetzt bald 67 Jahre alt und habe viele Regierungen kommen und gehen sehen. Mein eindeutiger Favorit als Bundeskanzler war Helmut Schmidt. Kohl ging noch, Schröder war aufgeblasen und mit Merkel wurde der Untergang Deutschlands eingeläutet. Schon lange merke ich mir keine Namen der Minister mehr, denn es lohnt sich nicht. Tatsächlich war vom Jahr 2000 eine Steigerung zum Schlechteren durchgehend bis heute möglich. Es fragt sich nur noch, wer dem Land den „coup de grâce“ versetzt.
Unbedingt ansehen! Nur Beobachtungen, keine Bewertungen und Kommentare der Autoren. Eine großartige journalistische Leistung.
„Die CDU hat keine Argumente mehr, …“ Was heiß denn hier „die CDU hat keine Argumente mehr“? Weder CDU, noch CSU, noch SPD, noch die linken Extremisten oder die Grüne Sekte hatten im Wahlkampf irgendwelche Argumente außer „gegen die AfD“. Während der gesamten Zeit hat man von allen Altparteien nur immer eine Thema gehört: „AfD extremistisch“, „gege die AfD“, „AfD rechtsradikal“, „AfD pöööhse“, „AfD populistisch“, etc. pp. Das war alles. Von keiner dieser „Parteien“ habe (zumindest) ich irgend so etwas wie ein Wahlprogramm gesehen. Nichts. Null. Nur immer „gegen die AfD“ und „wir müssen UnsereDemokratie™ schützen“. Das sagt eigentlich alles über… Mehr
Erstaunlich dass die CDU-Politversager da überhaupt vier Episoden mitgemacht haben anstatt einfach aufgrund der Eskalation der Ereignisse die Reissleine zu ziehen, immerhin haben sie ja einen gewissen „Zugang“ beim ÖRR…kann man vermutlich nur damit erklären, dass man im freien Fall tatsächlich und nachvollziehbar eine Art Kontrollverlust erfährt, den Realitätsverlust gibts dann bis zum Aufprall gratis dazu.
Weil sie so selbstverliebt sind, dass sie ihre eigene Peinlichkeit nicht bemerken. Diese eitlen Gecken halten sich immer noch für die Besten und tun negative Wahlergebnisse als das Produkt von fiesen Intrigen von AfD und Putin ab. Die sind irre, einfach irre. Solche Leute schaden unserem Land, die CDU muss weg, einfach nur weg! Und, liebe AfD, bitte keine Koalitionen mit diesen lausigen Selbstdarstellern, die würden nur alles herunterziehen und mit ihrer deformierten Aura jeden Versuch, dem gesunden Menschenverstand wieder zum Durchbruch zu verhelfen, torpedieren. Die Unionsparteien werden nicht mehr benötigt, haben keine historische Funktion mehr und können folglich entsorgt… Mehr
Es erinnert immer mehr an den Führerbunker im Frühjahr 1945 und an Erich Mielke in den letzten Tagen seiner Amtszeit.