Der Kieler Kollege Borowski steht mit einem Bein im Ruhestand, mit dem anderen im Knast. Die Silberrücken aus München brauchen schon ganze Nato-Manöver, um noch auf Touren zu kommen, der Staatsanwaltskollege aus Wiesbaden wurde gerade von einem Bösewicht niedergestreckt.

Die Ex-Freundin des „mutmaßlichen“ (ARD) Clan-Mitglieds Lorik Duka. (Kasem Hoxha) wurde, wie die Obduktion von Dr. Greta Leitner (Sybille Schedwill) ergab, wohl von einem Geländewagen (neu-Deutsch: SUV, „Sports Utility Vehicle“) angefahren, weil sie auf Höhe des Beckens besonders starke Verletzungen aufwies.
Einsatz für die Kripo in der Dortmunder Nordstadt, laut t-online einzigartig in Deutschland für Kriminalität, Gewalt und Dreck“. Peter Faber (Jörg Hartmann) und Kollegin Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) treffen am Tatort auf den mit der Gegend bestens vertrauten Streifenpolizisten Otto Pösken (Malik Bauer) und den alten Privatfeind des Hauptkommissars, Kriminaltechnikchef Sebastian Haller (Tilman Strauß). Faber macht ihn für den Tod seiner geliebten Kollegin Bönisch verantwortlich (gespielt von Anna Schudt, in der Folge „Liebe mich“) und reagiert aggressiv auf jede spöttische Bemerkung des eingebildeten Mediziners: „der Polizeichef würde d ie Korken knallen lassen, wenn sie gehen, Faber …“.
Die Stimmung ist mies bei der Dortmunder Polizei, angefangen von Revierleiterin Ira Klasnić (Alessija Lause), die ihre Mitarbeiter ähnlich herablassend auf Einsätze abkommandiert: „… es sei denn, sie haben was Besseres vor …“, über die KTU, wo Haller seine Mitarbeiterin (Ann-Kathrin Hinz) „nicht zur Strafe, sondern zur Übung“ Analysen noch einmal machen lässt, bis zur Rechtsmedizin, in der ein neuer Mitarbeiter (Magnus Gabor, gespielt von Stefan Haschke) der altgedienten Dr. Leitner den Rang ablaufen möchte.
Und ewig grüsst die Osteuropäische Mafia
Lorik Duka, 54, mit dezentem Goldkettchen unter dem Sakko, 2003 nach Deutschland eingereist, residiert in einem grosszügigen Penthouse mit Sauna und Pool. Der tätowierte Doppeladler auf seiner Brust weist ihn als patriotischen Albaner aus. Sein Geld verdient er angeblich als Galerist, wahrscheinlich aber eher mit Drogenhandel und Prostitution in der Region Hamburg, wie Kollege Pösken aus seinem Revier Nordstadt zu berichten weiss. Zwar hatte Dukas SUV wohl einen Frontschaden, aber der Unfallgegner ist ein „glaubwürdiger…stinknormaler Familienvater“ wie die Ermittlungen ergeben, also kein Angehöriger oder Freund des Duka-Clans.
Faber endlich mal ohne ollen Parka
Wenig später liegt Unsympath Haller auf Leitners Obduktionstisch, er wurde in seiner Wohnung hinterrücks mit einem Küchenmesser erstochen. Offenbar kannte sich der Täter mit Polizeilichen Methoden aus, genetisches Spurenmaterial wurden mit Chlorbleichmittel zerstört. Trotzdem findet man DNA von Faber auf dem Opfer, der neue Rechtsmediziner Gabor brüstet sich sogar, mehr gefunden zu haben, als Leitner, die „da was übersehen hat, vielleicht war sie überfordert, ist ja nicht mehr die Jüngste …“
Nun wird zum Halali auf den notorisch unbeliebten Kommissar geblasen, eine tolle Jagd im Stile eines Richard Kimball („Auf der Flucht“) entwickelt sich. Faber kann durchs Oberlicht der Polizeitoilette dem auf ihn angesetzten LKA-Fahnder Daniel Kossik (Stefan Konarske) entkommen und entwischt ein ums andere Mal akrobatisch tänzelnd, springend und kletternd seinen Kolleginnen, entledigt sich seines verräterischen Lieblingsmantels und elektronischer Spielsachen, tarnt sich mit grauem Anzug und sportlicher Sonnenbrille, muss danach aber Rosa Herzog, die noch sein Vertrauen genießt, um Bargeld anbetteln. Leider kann ihm der Krankenbesuch bei Papa zur Tatzeit kein Alibi verschaffen, der demente alte Mann würde sich nicht daran erinnern.
Der so in die Enge Getriebene fahndet auf eigene Faust nach dem wahren Mörder, bricht in die Wohnung des Opfers ein, und findet einen mysteriösen Datenträger, auf dem Haller allerlei belastendes Material gegen ihn selbst gesammelt hatte. Langsam lichtet sich der Ermittlungsnebel, aber nur insoweit, als Haller wohl dem dubiosen Familienvater und Rechtsmediziner Gabor in die Quere gekommen sein muss: Der hatte seine Doktorarbeit von der Freundin Dukas schreiben lassen, die ihn deshalb erpresst hat und die er dann überfuhr. Seine DNA hatte Haller auf der Leiche gefunden, weshalb Gabor ihn ebenfalls aus dem Weg geräumt hat, und nebenbei Spuren zu Faber gelegt hat. Im Showdown versucht Gabor auch noch Leitner zu ermorden, wird aber von Faber, Kossik, Pösken und Herzog gestellt und erschossen.
Auch wenn in der letzten Szene prophezeit wird, dass dies „noch nicht das Ende sei“ – spätestens nach dieser turbulenten Folge wird der ohnehin nie glanzvolle Stern von Kommissar Faber wohl langsam sinken.
Die alten Haudegen des Fernsehkrimis treten ab , frische Fachkräfte sind gefragt
Der Kieler Kollege Borowski steht mit einem Bein im Ruhestand, mit dem anderen im Knast. Die Silberrücken aus München brauchen schon ganze Nato-Manöver (Folge „Charlie“), um noch auf Touren zu kommen, und der Staatsanwaltskollege aus Wiesbaden (ZDF, letzte Folge mit Rainer Hunold) wurde gerade von einem Bösewicht niedergestreckt.
Polizist Pösgen stünde da für den Einsatz im Ruhrpott-Tatort bereit. In Essen geboren, wohnhaft mal in Recklinghausen, mal in Gelsenkirchen, ist überzeugt, dass die Stadt für sein Revier Nordstadt „alles tue, damit sich die Lebenssituation dort verbessere, wenn sie dort aus dem Fenster sprängen, landen sie auf einem Sozialarbeiter. “Muskulös, fit und bereits bestens mit Kollegin Herzog bekannt, flüstert er ihr beim Kneipenabend schon zu „Ich mag Dich“.
Irritierende Tatort-Details, die niemand braucht: Kaffeebecher als Behelfsurinale, schwule Alibifreunde mit Lastenfahrrad, Kaiser-Reiterstandbilder (Dortmund-Hohensyburg) als Kulisse für konspirative nächtliche Treffen und Ex-RAF-Terroristinnen-Mütter (Esther Zschieschow) in Fußfesseln und Hannibal-Lecter-Maske. Eine Revierleiterin, die mit einer Unterweltgröße schmust.
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Die einzig vernünftigen Tatorte waren die Schimanskis meiner Jugendjahre.
Der Rest? Ich habe sie mir alle, restlos alle geschenkt, so einen Blödsinn brauche ich nicht.
Ich habe bereits ab dem dritten Satz der Plotbeschreibung den Überblick verloren.
Abgesehen vom obligatorischen Gesinnungethos und der reichlichen Dosis Moralinsäure der Tatort Drehbuchautoren, weiß ich also, warum ich sicher seit 20 Jahren mir keine Tatorte mehr angucke.
Meine Staatsfunkabstinenz währt erst 10 Jahre; da hat es länger bis zur Einnahme meiner Red Pill gedauert.
„Eine Revierleiterin, die mit einer Unterweltgröße schmust.“
natürlich ist das etwas, was „niemand braucht“. sind sie sicher, herr kohleofen, dass das so völlig unwahrscheinlich ist?
Irritierendes Sprach-Detail gleich im ersten Satz: Sie wurde angefahren, weil sie Verletzungen aufwies.
Na ja, so komme ich wenigstens als Leser in den Genuss einer Serie der Kategorie ‚Belehrungs-Krimi‘, die ich mir als TV-Zuschauer seit 1 1/2 Jahrzehnten verkneife…
Was? Worum geht es?
Der Name ist Kimble, Richard Kimble …….
Ja, The Fugitive, durfte ich ab und zu eine Folge als Kind gucken, wobei ich nie herausbekommen habe, warum Dr. Kimble eigentlich auf der Flucht war.
Wer guckt sich so etwas freiwillig an?