Ulrich Siegmund: Wir brauchen Negativ-Migration

Der MDR bittet endlich die beiden Spitzenkandidaten der Sachsen-Anhalt-Wahl, Ulrich Siegmund (AfD) und Sven Schulze (CDU), zum Duell. Aber extrem kurz. Sofort kommen wieder sämtliche Splitterparteien in die Runde – und der Abend zerfasert in Floskeln, Eitelkeiten und schlechtem Benehmen.

picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Die Programmplanung des MDR steckt in derselben Klemme wie die Politik in Sachsen-Anhalt. Die AfD ist so stark, dass ein TV-Duell zwischen Ulrich Siegmund und dem aktuellen Ministerpräsidenten Sven Schulze eigentlich die logische Konsequenz wäre. So wie in der Politik eine Koalition der beiden Parteien den Wählerwillen am ehesten spiegeln würde.

Das Dilemma: In Zeiten der Brandmauer wollen alle anderen Parteien notfalls einen geschlossenen Block bilden, um angeblich die Demokratie vor der AfD zu retten – egal, wie handlungsunfähig ein solcher Block wäre. Der MDR handelt entsprechend: Man will um alles in der Welt ein großes Duell der beiden Spitzenkandidaten vermeiden. Deshalb lädt man stattdessen lieber gleich alle Parteien ein, und seien sie noch so unbedeutend.

Aus der traditionellen TV-Elefantenrunde wird eine Runde mit Elefanten und Erdhörnchen

Die MDR-Wahlarena Mitte August verlief exakt nach diesem öden Schema. Doch die AfD wird immer stärker, steht laut Infratest dimap in Sachsen-Anhalt bereits bei 42 Prozent. Die CDU hat in den vergangenen Wochen weitere zwei Prozent verloren und steht bei 22 Prozent.

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Der MDR muss also reagieren – und veranstaltet nun ein Duell, das wie ein Alibi wirkt. Es dauert kaum mehr als 30 Minuten. Danach kommen sofort wieder alle Splitterparteien hinzu, um weitere satte 90 Minuten mitzureden – besser gesagt: um gemeinsam gegen die AfD anzureden.

Der Erkenntnisgewinn fällt entsprechend mager aus. Noch dazu, weil Schulze seinen Eingangsmonolog dazu nutzt, lediglich all jene Vorurteile und Falschbehauptungen zu wiederholen, die schon seit Monaten regelmäßig heruntergebetet und von Siegmund ebenso regelmäßig gekontert werden. Die AfD habe „kein Konzept für die Themen der Zukunft“, wolle „Kinder nicht zur Schule bringen“ und „Frauen zurück an den Herd“.

Fake News

„Fake News“, entgegnet Siegmund, und verweist auf seine „Vision 2026“, die zahlreiche Lösungsvorschläge enthalte. Schulze geht er frontal an: „Sie haben es seit 24 Jahren nicht geschafft, hier mal ’ne kostenlose Kindergartenversorgung anzubieten, kostenloses Schulessen anzubieten. Wir möchten Familien Rückenwind geben. Und Sie subsumieren das so, dass die Frau an den Herd gehört. So ein Schwachsinn. Wir möchten Frauen die Freiheit zurückgeben, selbst zu bestimmen. Aber aktuell können unter Ihrer Politik Frauen oftmals gar keine Familie gründen, weil Sie eine familienfeindliche Politik haben.“

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Schulze bleibt bei seiner Strategie, bezichtigt Siegmund sogar der Lüge: „Und deshalb schreiben Sie in Ihr Parteiprogramm rein, dass die Frauen in allererster Linie erstmal wieder viele Kinder kriegen sollen.“ Siegmund dementiert: „Das steht da nicht drin.“ Schulze: „Dann lesen Sie es mal genau.“

Moderator Gunnar Breske moniert den Tonfall der AfD. Der sei „rau, ruppig“. Alice Weidel habe im ZDF-Sommerinterview die Regierung als „Flachzangen“ bezeichnet. Siegmund rechtfertigt seine Parteichefin: „Ich finde es gut, dass wir ‘ne klare Sprache sprechen.“ Und Schulze lernt sogleich, was damit gemeint ist. Der CDU-Mann gibt den Knigge-Berater: „Auf die Frage, ob Sie mich als Flachzange bezeichnen wollen, können Sie doch ganz einfach sagen, nein, würden Sie nicht machen und nicht drumrumreden.“ Doch Siegmund antwortet ganz trocken: „Menschlich nicht, politisch ja.“

Schulzes Räuberpistolen

Schulze holt die nächsten Räuberpistolen aus dem Säckel. Zunächst wiederholt er die Mär vom angeblichen Hitlergruß des AfD-Landesvorsitzenden (der eigentlich ein lustig gemeinter Ritterschlag war), um Siegmunds Umfeld zu diskreditieren: „Da sind Menschen, die höchstgefährlich sind.“ Dann bezeichnet er Siegmund als „Marionette von Frau Weidel“, die „unser Land missbrauchen will, um in Berlin mehr Einfluss zu gewinnen“. Nichts Neues also in der CDU-Floskel-Schatulle.

Schulze erwähnt auffällig oft, dass er Ministerpräsident des Landes ist – und ist des Lobes voll für sein eigenes Tun. Investitionsfreudige Unternehmer etwa würden ihm sagen, sie warteten nur die Wahl ab. Und wenn er im Amt bleibe, „dann gehen wir da auch rein“.

Kann nicht mal jemand das Wasser auf seinem Pult gegen ein Paulaner-Bier tauschen? Ja, Herrschaftszeit’n!

Das Duell bleibt unergiebig, verliert sich in Floskeln und Unterstellungen. Siegmund wirft Schulze vor, er würde sich für Friedrich Merz schämen, habe ihn sogar aus dem Wahlkampf ausgeladen. Schulze kritisiert Siegmund für „fehlende Inhalte“. Da grätscht Moderatorin Susann Reichenbach hinein: „Herr Schulze, Sie sagen Inhalte, kommen aber ja selbst mit Ihren eigenen Inhalten kaum durch. Ist Friedrich Merz schuld an Ihren schlechten Umfrageergebnissen?“ Schulzes Blick sagt alles. Selbstverständlich gebe es Punkte, „wo ich eine andere Meinung habe als Friedrich Merz“, sagt er. Und gibt zu: „Natürlich gibt es Gegenwind aus Berlin, brauchen wir gar nicht drumherumreden.“ Aber im Land laufe Vieles ganz super, seine Praktikumsgutscheine für Schüler etwa seien der Hit.

24 Jahre CDU – und nu?

Moderator Breske fragt vorsichtig nach: 24 Jahre sei die CDU nun an der Regierung – „Wo soll das Vertrauen herkommen angesichts der Situation?“ Schulze ist schon wieder des Lobes voll: „Ich habe geliefert und nicht nur gelabert.“ Den Spruch bringt er sogar zweimal an diesem Abend.

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Bei den Themen Migration und Entwicklungshilfe geht Siegmund in die Vollen. Statt Geld „in der halben Welt zu verschenken“, solle man es lieber in Krankenhäuser, Schulen und Infrastruktur stecken. Die Migration müsse man neu ordnen, denn das würde in Sachsen-Anhalt „unfassbare Geldmittel freimachen“. Ukrainer würden mit juristischen Tricks ins Bürgergeld genommen, um sie aus der Migration herauszurechnen. Es gebe hunderttausende Einbürgerungen, „weil man die Hürden für unsere Staatsbürgerschaft immer weiter absenkt“, so Siegmund. „Wir müssen erstmal die Migration, die wir im Land haben, ordnen und diejenigen, die sich nicht benehmen, nach Hause schicken.“ Er fordert: „Wir brauchen Negativ-Migration.“

Als die Runde schließlich erweitert wird, sind sämtliche Vertreter der Kleinparteien mit in der Manege: Armin Willingmann (SPD, laut jüngster Umfrage bei acht Prozent), Eva von Angern (SED/Die Linke, elf Prozent), ja, sogar die Splitterkandidaten Lydia Hüskens (FDP, drei Prozent) und Thomas Schulze (BSW, vier Prozent) dürfen mitreden. Und dann noch von den Grünen (sechs Prozent) eine Kandidatin, deren Namen wir uns nicht merken können.

Die Sendung fährt sich selbst an die Wand. Die Redebeiträge werden immer kürzer und das Benehmen immer schlechter. Sobald Siegmund spricht, wird nach Lust und Laune unterbrochen oder demonstrativ der Kopf geschüttelt. Vor allem die Linke von Angern und die Grüne, deren Namen wir uns nicht merken können, glänzen durch ungehobeltes Auftreten. Von Angern unterstellt Siegmund gar, das AfD-Bildungskonzept habe wohl das Motto, dass die Lehrer „endlich wieder schlagen dürfen“.

Zersplittert

Die Redebeiträge der Splitterparteien ersparen wir uns an dieser Stelle. Aber für die MDR-Faktenchecker, die während der Sendung stolz per Schalte präsentiert werden, hat der Abend einiges zu bieten. Hier eine Auswahl:

„Putin hat die Gas-Lieferung eingestellt.“ (Schulze)

„Wir brauchen Migration.“ (Grüne, deren Namen wir uns nicht merken können)

„Russland hat den Hahn abgedreht.“ (Willingmann)

„Die günstigste Energie in der Produktion sind erneuerbare Energien.“ (Grüne, deren Namen wir uns nicht merken können)

„Die Klimakrise ist hier sehr konkret.“ (Grüne, deren Namen wir uns nicht merken können)

„In Sachsen-Anhalt sagt die Mehrheit der Menschen, dass sie mir das Vertrauen geben.“ (Schulze)


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Kommentare ( 174 )

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174 Comments
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bfwied
2 Tage her

Niemand fragt die vereinigten Linken danach, warum Gewalttäter unter den Einwanderern nicht ausgeschafft werden können sollen! Sie kamen aus Afrika oder aus Asien über Afrika, warum sollte man sie nicht nach Afrika zurückbringen? An der Algerischen Südgrenze soll, so wurde in verschiedenen Medien berichtet, ein sehr großer Migrantentreck nach Norden unterwegs sein. Selbstverständlich ist das Ziel Europa, insb. natürlich D. Warum sollten sich die Algerier nicht um diese in ihr Land Eingedrungenen nicht kümmern müssen? In absehbarer Zeit sind sie an der Küste, Ceuta war nur ein Vorgeschmack, zumal es Tausende tatsächlich dank der Sozialisten schaffen, nach Europa zu gelangen,… Mehr

Verzeihtnix
3 Tage her

Man sollte beim Begriff Remigration bleiben. Der ist gut und in der Sache richtig. Bloss nicht dem Druck der Linken beugen.

Privat
3 Tage her

Der unsympatische arrogante CDU Bonze S. Schulze hat nun dafür gesorgt, das bei zwei AFD Abgeordneten in Sachsen Anhalt eine Hausdurchsuchung (Razzia) vorgenommen wurde, nus weil die beiden angeblich Verbindung zu einer Deutschen Heimattreuen Gruppierung haben sollen.
Dieser Schulze ist wohl ein hinterhältiges Subjekt, einer, der unserer demokratischen Partei AFD vor der Wahl um jeden Preis schaden will.
Solche CDU Heinis werden von manchen als -Charakterschweine- bezeichnet.
Ich hoffe, die Wähler in S.A.wissen jetzt Bescheid und machen ihr Wahlkreuz an der einzig richtigen Stelle.

PaulKehl
2 Tage her
Antworten an  Privat

Das war eine ganz schwache Sender-Gleiwitz-Aktion. Sogar die Hofjournaille hat dazu nur eine kurze Agenturmeldung gebracht. Zu durchsichtig. Bis zumWahlabend wird nun Ruhe sein. Dann geht es richtig los. Wahlen werden nicht am Wahltag entschieden.

Protestwaehler
3 Tage her

Ein ganz wichtiges Detail habt ihr leider vergessen zu erwähnen, als Sven Schulze auf seine schlechten Umfragewerte angesprochen wird antwortet er:
„Warten wir doch erst mal die Briefwahlergebnisse ab“
Aha, der kennt die Ergebnisse der Briefwahl wohl schon heute, oder was ???

NochNicht2022
3 Tage her

Was bislang offensichtlicht niemand aufgefallen ist: Die „Flachzange“ hat – durchaus beeindruckend für oberflächliche Zuschauer und Journalisten mit seinem Credo „Ich labere nicht nur, ich liefere“ letzendlich nur seine ihm sowieso auferlegten Tätigkeiten als früherer Wirtschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt breit und ausführlich erzählt. Dafür hat er ja sein Gehalt als Minister bezogen. Insoweit legte er tatsächlich geschickt die Zuschauer – und das ist schlimm – auch Ulrich Siegmund herein, denn in der Opposition regiert man ja nicht und kann das Geschilderte auch gar nicht tun („liefern“). Der hätte der Flachzange gleich in’s Wort fallen müssen mit: „Wir sind hier bei… Mehr

Phil
3 Tage her

Sezession ist der einzig gangbare Weg für den Osten Deutschlands. Austritt aus der EU, dem Euro, der NATO, sowie eine eigene Währungs-, Migrations- und Aussenpolitik. Abschaffung der Bürokratie, eine eigene Verfassung, unbedingte Netralität, geschützte Grenzen, direkte Demokratie und die Annäherung an Russland. Marktwirtschaft, Frieden und Wohlstand für alle, statt Planwirtschaft, Krieg und Armut für jeden (ausser die Funktionäre). Das Angebot an jeden Wessi, die Staatsbürgerschaft auf Antrag zu erhalten. Mauer um Westberlin wieder hochziehen und es zu dem grünroten, vom Westen fremdfinanzierten Biotop vermodern lassen, welches es schon immer war. Wettbewerb zwischen Ost und West, dieses mal mit vertauschten Rollen,… Mehr

man without opinion
3 Tage her

Moin,
wenn die SAiner die bunte Kuh ernsthaft über die 5% wuchten, können die von mir aus alle verfaulen.
In der Wahlarena solche Korken zu knallen, ohne das die Moderatoren einschreiten geht gar nicht.
Gegen den fossilen Schuldirektor war ja selbst die linke Tante nicht in der Nähe der Sicherungsverwahrung.
Was für eine Show. Der Sigmund war leider der ewigen Palawerei überdrüssig. Kein Wunder. Seit Monaten muss der Mann die Kacke von den anderen aufsammeln.
Wenigstens hat der Mensch vom BSW mal der bunten Kuh Ökologie erklärt.
LG

heinrich hein
3 Tage her

….und das m.E. Schmierenblatt „Welt“ meldet „Schulze ist der klare Sieger“. Ich frage mich immer, was um himmels willen stimmt nicht mit den Leuten, die die „Welt“ für eine seriöse Zeitung halten?

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
3 Tage her
Antworten an  heinrich hein

Die Welt macht das sehr geschickt. Die Springer-Presse ist durch und durch Systempresse. Mehr Mainstream geht eigentlich nicht. Aber man erweckt zwischendurch immer mal wieder den Anschein, irgendwie auch „konservativ“ oder „kritisch“ zu sein. Dafür hält man sich Journalisten wie Anna Schneider als konservatives Feigenblatt. Damit hält man die Blöden bei der Stange, die sich dem rechten Lager zuordnen und nicht kapieren, dass sie mit ihren Abogebühren in Wirklichkeit nur die regierungsnahe Systempresse mästen.

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
3 Tage her

Ich stelle mir gerade vor, wie das gewesen wäre, wenn Siegmund gar nicht teilgenommen hätte. Es wäre sehr amüsant gewesen, zu beobachten, wie man 120 Sendeminuten füllt, wenn sich alle einig sind und es gar keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Marken der Volksfront gibt. Denn das Wahlprogramm der Blockparteien besteht ja nur aus einem einzigen Programmpunkt: AfD verhindern!

November Man
4 Tage her

Der Schulze ist ein sehr unhöfliche Diskussionspartner. Immer wenn Herr Siegmund was sagen wollte, quatscht der Schulze unhöflich und unqualifiziert dazwischen. Zudem nahm er sich das Recht heraus Herrn Siegmund selber Fragen zu stellen, obwohl das das Recht der Moderation ist. Wollte Herr Siegmund dann auf diese Frage sogar eine Antwort geben, quatsche sofort die Moderation dazwischen und stellte eine andere Frage zu einem anderen Thema. Und Schulze frohlockte, der Siegmund könnte seine Frage nicht beantworten. Solche Diskussionen wie gestern kann man getrost vergessen. Das ist keine fruchtbare Diskussion, das ist AfD-Bashing pur, gespickt mit unzähligen Lügen und Desinformationen. Herr… Mehr

Monika Vogel
3 Tage her
Antworten an  November Man

Die einseitige Schlagseite des MDR zugunsten von Schulz wurde hier wieder überdeutlich. Während Schulz ausreden durfte, wurde Siegmund oft von der Moderatorin unterbrochen, vor allem wenn er Details nannte. Framen des Gegners gehören zur strikten Tagesordung des ÖRR. Insbesondere das ZDF-Sommerinterview mit Weidel mit Bombardements an unterbrechenden Zusatzfragen und aggressiven Belehrungen durch den Moderator war eine Frechheit. Die Grundfunk-Forderung der AfD ist die einzige Antwort darauf.

Privat
3 Tage her
Antworten an  Monika Vogel

GEZ abschaffen und den MDR reformieren ist angesagt.
Das macht nur die AFD und das ist gut so.

Privat
3 Tage her
Antworten an  November Man

Wie immer ein ganz schlechtes Benehmen von dem CDU Heini