Neu-Versailles schunkelt in den Untergang

Die politische feudale Klasse feiert sich selbst, als hätte sie das Land gerade zu Wohlstand, Sicherheit und neuer Stärke geführt. Tatsächlich sitzt sie auf dem Oberdeck eines sinkenden Schiffs und hält ihr eigenes Schunkeln für Navigation, während sie die Rechnung an den bereits unter Wasser stehenden Maschinenraum schickt.

Screenprints via X - Collage: TE

Wohin das Narrenschiff Deutschland treibt, wird am Tag der deutschen Einheit immer ganz besonders deutlich, wenn Deutschlands Reisende der Oberklasse ihre Einheit gegen die Reisenden der Unterklasse feiern, derweil das Schiff auf eine Klippe, die Wirklichkeit heißt, zuhält. In spätsozialdemokratischer Dekadenz feiert Deutschlands dysfunktionale Elite sich selbst, zwar nicht ihre Fähigkeit, das Schiff durch die Klippen hindurch zu lenken, dafür aber ihre Fertigkeit, die Reisenden des Unterdecks, die Fleißigen im Maschinenraum auszubeuten. Während es den Herrschenden immer besser geht, geht es den Beherrschten immer schlechter. Um die Klagen nicht hören zu müssen, spielt Bremens Bürgermeister auf dem Oberdeck einfach Gitarre. Spielt? Naja. Akkorde tun’s auch.

Deutschland ist diesmal kunstvoll gespalten, zwar nicht zwischen Ost und West, das war vorgestern, jetzt zwischen oben und unten. Die Teilung garantiert übrigens wieder eine Mauer, wieder ein Antifa-Schutzwall, der diesmal Brandmauer heißt. Weshalb soll man die Mauer neu erfinden? Macht man mit dem Fahrrad doch auch nicht.

In Bremen nun, am Vorabend der zentralen Feier des Tages der Deutschen Einheit schunkelten sie nun, die Reisenden der Oberklasse auf Steuergelder, auch auf Tanksteuergelder und sangen zum Gitarrenspiel von Bremens Regierenden Bürgermeister Bovenschulte vom griechischen Wein so falsch wie auch ihre Versprechungen sind, so laut wie es nur Parvenüs vermögen, die sich für die Herren von Posemuckel halten.

Mit subtilem Humor sagte Bremens Andreas zu Schleswig-Holsteins Daniel, nein nicht: ich kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch die Fürsten der demokratischen Parteien, sondern: „Daniel und ich haben einmal gesacht: wir machen mal ein furchtbares Experiment, wir würden zusammen singen.“ So furchtbar konnte das Experiment dann gar nicht mehr sein, sie hätten gar nicht singen müssen, wo sie doch schon zusammen regieren – und zwar Deutschland in Grund und Boden. Doch dann sangen sie wirklich zusammen und mit ihnen auch andere Ministerpräsidenten und Bundespolitiker: „Ich habe solche Sehnsucht, ich verliere den Verstand, ich will wieder an die Nordsee, ich will zurück nach Westerland.“

Das gefiel den Ministerpräsidenten und auch der Julia Klöckner, nur Manuela Schwesig, der Frau, die noch nicht blau war, missfiel es, dass die Genossen von der SPD und die Blockfreunde von der CDU nicht stattdessen anstimmten:

Du hast ja ein Ziel vor den Augen
damit du in der Welt dich nicht irrst
damit du weißt was du machen sollst…
Allen die Welt und jedem die Sonne
fröhliche Herzen, strahlender Blick
Fassen die Hände Hammer und Spaten
wir sind Soldaten, Kämpfer fürs Glück

Denn schließlich war man ja am Abend vor dem Tag der Deutschen Einheit, da darf, wenn endlich zusammenwächst, was zusammengehört, Herrschaft Ost und Herrschaft West, das Liedgut der FDJ nicht fehlen. Was wäre das denn für eine Einheit? NGOs ja, FDJ nein? Wenn man schon im Kreis der demokratischen Parteien ist, dürfte eigentlich das Lied von der Partei auch nicht fehlen:

Die Partei, die Partei, die hat immer recht!
Und, Genossen, es bleibe dabei;
Denn wer kämpft gegen Rechts,
ist niemals rechts
Gegen Hassen und Hetzerei.
Wer Politiker beleidigt,
Ist dumm oder schlecht.
Wer die Regierung verteidigt,
Hat immer recht.
So, aus Leninschem Geist,
Wächst, von Stalin geschweißt,
Die Partei, die Partei, die Partei.

Doch statt des Lieds von der Partei schmetterten die Genossen und Blockfreunde gleich weiter, als wären sie auf Onkel Lars Familienfeier: „Eisgekühlter Bommerlunder Bommerlunder eisgekühlt“ – und da taute dann auch Manuela Schwesig auf. Schließlich lockte der Ruf Zugabe einen alten Song von Udo Jürgens hinter dem Tresen hervor: „Griechischer Wein ist So wie das Blut der Erde“

Und so weiter und so fort. Man muss ja auch innerhalb planetarischer Grenzen denken. Da war dann auch die Weinprinzessin a.D. zufrieden, fast zumindest, denn es hätte ihr natürlich besser gefallen, wenn von pfälzischem Wein gesungen worden wäre. Aber „rausschmeißen“ wollte sie die Kollegen dann doch nicht. War ja schließlich keiner von der AfD dabei.

Der Humanist, Rechtsgelehrte und Schriftsteller Sebastian Brandt konnte vor 532 Jahren nicht ahnen, dass er mit seiner Satire „Das Narrenschiff“ von 1494 zum einzigen nennenswerten Satiriker Deutschlands des Jahres 2026 aufsteigen würde. In Brandts Satire besteigen 109 Narren das Narrenschiff, um nach Narragonien zu reisen. Bezeichnenderweise durften Seeleute und Steuermänner nicht an Bord, also jene nicht, die etwas rechtes von der Seefahrt verstanden, denn etwas rechtes zu wissen, ist für die rotgrünen Narren eben rechts. Was Franz-Josef Strauß noch befürchtet hatte, hat sich als weitaus wahrer erwiesen, als er sich das damals vorstellte, als er warnte: „Wir stehen vor der Entscheidung: Bleiben wir auf dem Boden trockener, spröder, notfalls langweiliger bürgerlicher Vernunft und ihrer Tugenden oder steigen wir in des bunt geschmückte Narrenschiff Utopia ein, in dem dann ein Grüner und zwei Rote die Rolle der Faschingskommandanten übernehmen werden.“ Er ahnte nicht, dass auch die Union den „Boden trockener, spröder, notfalls langweiliger bürgerlicher Vernunft und ihrer Tugenden“ verlassen würde, um auf dem Narrenschiff anzuheuern.

Was am 3.10. dann noch geschah ist kaum der Rede wert. Steinmeiers Redekunst näherte sich endlich der von Kurt Hager, nur dass Steinmeier noch nicht vom Tapezieren sprach. Im rotrotgrünen Berlin sollen sie nicht im nötigen Maße Schwarzrotgold geflaggt haben und in Bremen soll eine Deutschlandfahne gesichtet worden sein, als sie in Flammen aufging. Und auch in Bremen feierte eine arabische Jugendgruppe den Tag der Deutschen Einheit auf ihre Art, in dem sie ein homosexuelles Paar, das nach dem Einheitsfest auf dem Weg Nachhause war, angegriffen hat.

Friedrich Merz, zur Erinnerung, der Bundeskanzler, deprimiert von der Einheitsfeier, machte eine Spritztour zu seinem Freund Selenskyj, was Deutschland wieder teuer zu stehen kommen wird.

Aber Geld spielt unter Lars Klingbeil und Friedrich Merz in Neu-Versailles keine Rolle mehr, man weiß ja, wo man das Geld eintreiben und pumpen kann. Die Zeche zahlt ohnehin das Volk, das wiedervereinigte Volk unter dem Mann aus Soltau und seinem Freund aus Brillon, der leistet, was noch kein Kanzler vor ihm leisten musste.

Darauf einen eisgekühlten Bommerlunder, einen Bommerlunder eisgekühlt. Willkommen in Deutschland, wo frei nach Sebastian Brandt die Narren, die regieren, diejenigen, die sie regieren, für Narren halten.

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Kommentare ( 33 )

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33 Comments
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Alf
1 Stunde her

Wohin das Narrenschiff Deutschland treibt, wird am Tag der deutschen Einheit immer ganz besonders deutlich. Nein, dazu braucht es nicht den Tag der deutsche Einheit. „Vielleicht ist manch einem auch im Inland nicht hinreichend klar, was es bedeuten würde, wenn die deutsche Bundesregierung den Aufgaben, vor die sie gestellt ist, nicht gewachsen wäre“ Der Beweis des Scheiterns ist längst erbracht, der Rücktritt des Kanzlers und seiner Koalition der Herzen überfällig. „Unermessliche Folgen“ für unser Land hat der Fortbestand einer „Regierung“, die ohne Mehrheit und nicht regierungsfähig ist. Die Koalition der Herzen sitzt auf dem Oberdeck des sinkenden Schiffs, und lauscht… Mehr

Last edited 1 Stunde her by Alf
taliscas
2 Stunden her

Da hilft nur noch der gute Busch: „Wehe, wehe , wenn ich auf das Ende sehe“.

Vallis Blog
2 Stunden her

Da war doch noch was!? Der übliche Stasi-Film im Fernsehen. Die übliche „Aufarbeitung“ und Umdeutung der Geschichte. Die übliche Beschimpfung der Ostdeutschen als “ Vulgärdemokraten“, die auch nach 36 Jahren keine Demokratie können. Denen man einen Komiker, der seinen Banditenopa als Widerstandskämpfer hochjazzen will, als Mahner in den Landtag setzen muss. Der übliche Arbeitsplatzabbau. Das übliche Outsourcen der Unterdrückung und Bevormundung in sogenannte NGOs. Die üblichen hohlen Feierlichkeiten mit den üblichen hohlen Reden. Die übliche Verlagerung der offiziellen Feierlichkeiten weit in den Westen. Wo die Feier erst recht keinen interessiert. Nichts Neues. Der Volkstrauertag ist wieder einmal vorbei. Ich freue mich auf den… Mehr

Wilhelm Roepke
2 Stunden her

Mir wäre es lieber, sie würden den ganzen Tag nur singen und keine Politik machen. DAS gäbe einen Aufschwung!

R.J.
2 Stunden her

Vielen Dank, Herr Mai. Kennte man Sie nicht aus Ihren anderen Beiträgen, könnte man geneigt sein, die Sache für eine Parodie zu halten. Immerhin beeindruckt nun die Volkstümlichkeit derer, welche sich dem „Adel Unserer Demokratie“ (AUD) zurechnen. Auch dass vor kurzem Frau Kasner alias Merkel mit ihren hochpersönlichen, rautenerprobten Händen mehrere Brötchen holte und sich dabei huldvoll zu winken erlaubte, bevor Sie wieder in die bürgernah gepanzerte Limousine einstieg, gehört dahin (obgleich nicht schwanger, hätte sie ja auch einen Schützenpanzer benutzen können). Als gewöhnlicher Vulgärdemokrat hätte man in Bremen vielleicht ein Brandenburgisches Konzert oder eine Jupiter-Sinfonie von Mozart erwartet, oder… Mehr

rainer erich
3 Stunden her

Nicht dass sich der Eindruck des schicksalhaften Unabänderlichen allzu stark verfestigt, ganz so ist es natürlich nicht. Sowohl in Schland wie auch in anderen failed states der EU gäbe es durchaus noch handfeste Optionen, den Kurs resp die Täter zu stoppen und dann zu wenden. Sehr handfeste allerdings. Auch wenn der Vergleich mit Versaille wie fast alle Vergleiche hinkt, entscheidend ist wie immer die (Ver)Weigerung der Untertanen, das Undenkbare zu denken, geschweige denn anzugehen. Wenn Kriminelle , teilweise auch Psychopathen, die totale Macht okkupieren und den Untertanen ihre “ transhumanistische Einstellung“ immer offener demonstrieren, könnte man den deutschnaiven Glauben an… Mehr

Werner Meier
3 Stunden her

Sie singen noch schlechter als sie regieren,
lediglich der Schaden ist geringer.

stefanvolker
4 Stunden her

In Auerbachs Keller: „Uns ist so kannibalisch wohl, als wie 500 Säuen.“

Maja Schneider
4 Stunden her

Unsere Feudalherren zeigen uns ganz klar, was sie unter „Regierung“ verstehen! Um das Bewusstsein für Verantwortung und die unter Eid beschworen Fürsorge für das Volk(!) sicher nicht.

Haba Orwell
4 Stunden her

> Aber Geld spielt unter Lars Klingbeil und Friedrich Merz in Neu-Versailles keine Rolle mehr, man weiß ja, wo man das Geld eintreiben und pumpen kann.

Wenn der Michel brav alles zahlt und Gleiches wieder wählt… In Frankreich läuft es mittlerweile ganz anders – dort könnte die Obrigkeit vielleicht ein wenig nachdenken. Laut Röper mittlerweile auch in Lüttich in Belgien – kaum eine Bahnstunde von Aachen entfernt.