Gen-Z-Protesttag: Gewalttäter attackieren Polizisten in Köln – in Frankfurt fliegen Molotowcocktails

Ausschreitungen auf der Kölner Domplatte: Rund 200 Extremisten greifen Polizisten an, es gibt Verletzte und Festnahmen. Auch in Berlin wurden Beamte angegriffen. In Frankfurt werden Beamte mit Molotowcocktails beworfen und Geschäfte geplündert. Die Polizei stellt nach dem Überfall auf einen Waffenladen zwei Waffen sicher.

picture alliance/dpa | Thomas Banneyer

22:45 Uhr: Auf der Kölner Domplatte haben sich am späten Samstagabend rund 200 teilweise gewalttätige Personen versammelt, die Polizeibeamte mit Flaschen und Fahrrädern attackierten. In einer Seitenstraße schleuderten Randalierer einen Elektroroller gegen ein Fenster, dessen Scheibe dabei zerbrach. Nach Angaben der Polizei wurde mindestens ein Mensch verletzt, fünf Personen wurden in Gewahrsam genommen. Die Beamten mussten weitere Kräfte zusammenziehen, während sich die Ausschreitungen auf mehrere Stellen der Innenstadt verteilten. Eine Polizeisprecherin bezeichnete die Lage als dynamisch. Bereits zuvor hatten Gewalttäter in den Straßen rund um den Dom Barrikaden aus Elektrorollern errichtet und die Einsatzkräfte wiederholt mit Böllern angegriffen.

In Frankfurt hat die Gewalt inzwischen ein weiteres Ausmaß erreicht. Nach Polizeiangaben wurden in der Innenstadt mittlerweile auch Molotowcocktails auf Einsatzkräfte geworfen. Die Beamten forderten Unbeteiligte deshalb ausdrücklich auf, das Zentrum zu meiden oder den Bereich zu verlassen. Nach dem Überfall auf ein Waffengeschäft nahm die Polizei mehrere Tatverdächtige fest und stellte zwei Waffen sicher. Um welche Art von Waffen es sich handelt, wollte ein Polizeisprecher zunächst nicht mitteilen. Ob die sichergestellten Waffen zuvor aus dem Geschäft entwendet worden waren, blieb zunächst ungeklärt.

Auch andere Geschäfte gerieten ins Visier der Plünderer. Wie die Bild um 22.08 Uhr berichtete, wurden die Schaufenster einer Parfümerie zertrümmert. Wenig später dokumentierte die Zeitung die Festnahme eines mutmaßlichen Plünderers nach dem Überfall auf eine Filiale des Schuhhändlers Snipes. In der Innenstadt brannten Mülltonnen, die Polizei riegelte die Einkaufsstraße Zeil ab und setzte Wasserwerfer sowie gepanzerte Fahrzeuge ein. Die angemeldete Demonstration war zu diesem Zeitpunkt längst aufgelöst. Die Randalierer zogen dennoch weiter durch die Einkaufsstraßen, während die Beamten versuchten, weitere Plünderungen zu verhindern.

Aus Berlin liegen dagegen bislang keine vergleichbaren Meldungen über Plünderungen vor. Die Berliner Zeitung berichtet in ihrer jüngsten veröffentlichten Lageeinschätzung von 20.15 Uhr, dass die Polizei den abendlichen Demonstrationszug im Prenzlauer Berg trotz der zwischenzeitlichen Ausschreitungen insgesamt als relativ friedlich bewertet. Am Kurfürstendamm, wo sich Luxusgeschäfte vorsorglich hinter Holzplatten verschanzt hatten, wurden keine besonderen Einsatzschwerpunkte festgestellt. Die Berliner Polizei bleibt allerdings wegen der Halloween-Nacht in erhöhter Bereitschaft.

In Köln und Frankfurt beschäftigen die Gewalttäter die Polizei damit noch Stunden nach dem Ende der offiziellen Demonstrationen. Besonders die Angriffe mit Brandflaschen und die Plünderung eines Waffengeschäfts haben eine gefährliche neue Dimension erreicht. Welche Rolle organisierte radikale Gruppen bei den Ausschreitungen spielen und wie viele Täter daran beteiligt sind, müssen die weiteren Ermittlungen klären.

Auch in Hamburg kam es nach dem Ende der offiziellen Gen-Z-Demonstration zu schweren Ausschreitungen. Auf dem Steindamm nahe des Hauptbahnhofs rissen schwarz gekleidete, teilweise vermummte Personen Baustellenabsperrungen aus ihren Verankerungen, errichteten Barrikaden und setzten diese sowie Mülltonnen in Brand. Polizeibeamte wurden mit Pyrotechnik und Baustellenmaterial beworfen. Die Einsatzkräfte gingen mit Pfefferspray gegen die Angreifer vor und setzten Wasserwerfer ein, um die Feuer zu löschen und die Gruppen auseinanderzutreiben. Nach Angaben der Polizei hatten rund 6.700 Menschen an der zunächst weitgehend friedlichen Demonstration teilgenommen. Die Gewalt brach vor allem nach deren offiziellem Ende aus, als radikalere Gruppen die Konfrontation mit den Beamten suchten.

+++ Frankfurt: Randalierer plündern Waffengeschäft – schwere Ausschreitungen in der Innenstadt +++

picture alliance/dpa | Boris Roessler

22:15 Uhr: In Frankfurt haben sich die Ausschreitungen am späten Abend zu regelrechten Plünderungen ausgeweitet. Randalierer schlugen die Schaufenster mehrerer Geschäfte ein, darunter die Scheibe eines Waffenladens, aus dem nach einem Bericht der Bild mindestens eine Waffe entwendet worden sein soll. Die Täter bearbeiteten das Schaufenster mit Steinen und Tritten, bis das Glas nachgab. Ob es sich bei der mutmaßlich gestohlenen Waffe um eine scharfe Schusswaffe handelt, ist bislang ungeklärt. Auch auf der Einkaufsstraße Zeil machten sich Jugendliche über die Auslagen der Geschäfte her. Reporter der Hessenschau beobachteten, wie mehrere Personen in eine Filiale des Schuhhändlers Snipes eindrangen und anschließend mit Schuhkartons und Turnschuhen davonliefen.

Inzwischen hat die Polizei weite Teile der Frankfurter Innenstadt abgeriegelt. Die Zeil wurde gesperrt, gegen 21.53 Uhr folgte die Berliner Straße in unmittelbarer Nähe des geplünderten Waffengeschäfts. Rund um die Kleinmarkthalle rückten zwei Wasserwerfer und gepanzerte Polizeifahrzeuge an. Hunderte Jugendliche waren weiterhin unterwegs, während Böller detonierten und Mülltonnen brannten. Nach Angaben der Polizei wurde in der Hasengasse ebenfalls versucht, ein Geschäft zu plündern. Die ursprünglich angemeldete Demonstration war zu diesem Zeitpunkt längst aufgelöst. In den Einkaufsstraßen ging die Randale dennoch weiter.

Auch in Köln hat die Gewalt am späten Abend neue Brennpunkte erreicht. In den Seitenstraßen rund um den Dom bewarfen Randalierer Polizeibeamte mit Flaschen und Böllern. Aus abgestellten Elektrorollern errichteten sie Barrikaden, zusätzlich wurden Fahrräder auf die Fahrbahn geworfen. Nach den bereits gemeldeten Festsetzungen größerer Gruppen nahm die Polizei weitere Verdächtige fest. Auf der Domplatte hatten sich zuvor behelmte Beamte einer Gruppe junger Männer gegenübergestellt, die wiederholt Knallkörper in ihre Richtung schleuderten. Die Polizei begann daraufhin mit der Räumung des Platzes.

Auch in Stuttgart fällt die Bilanz der Gen-Z-Proteste inzwischen erheblich ernster aus. Nach Angaben der Polizei wurden zwei Beamte durch Flaschen- und Gegenstandswürfe verletzt, mehrere Tatverdächtige vorläufig festgenommen. Eine Polizeisprecherin berichtet von „vielen Dutzend Straftaten“. Nach dem offiziellen Ende der Demonstration weigerten sich rund 200 Teilnehmer, den Marienplatz zu verlassen, und attackierten die Einsatzkräfte erneut mit Gegenständen und Pyrotechnik. Schon während des Aufzuges hatten Vermummte wiederholt Böller gezündet, Mülltonnen in Brand gesetzt und Hauswände beschmiert. Die Polizei musste den Demonstrationszug mehrfach stoppen, weil Teilnehmer eigenmächtig von der genehmigten Route abwichen. Die Stadt Stuttgart kündigte inzwischen Konsequenzen wegen der massiven Verstöße gegen die Versammlungsauflagen an. Von den großspurig angekündigten 12.000 Demonstranten waren nach Polizeischätzungen allerdings nur rund 3.000 erschienen.

+++ Dutzende Festnahmen in Frankfurt – Berliner Polizei zieht erste Bilanz +++

21:00 Uhr: In Berlin hat die Polizei nach den Ausschreitungen im Prenzlauer Berg inzwischen erste Angaben zu den Festnahmen gemacht. Polizeisprecher Jörn Iffländer bestätigte gegenüber der Bild, dass Beamte gezielt gegen erkannte Straftäter vorgegangen seien. Neben Pyrotechnik aus dem Gleisbett wurden auch Steine und Eier auf umliegende Geschäfte geworfen, hinzu kamen weitere Sachbeschädigungen. Die Stimmung sei zeitweise aufgeheizt gewesen, die Straftaten seien jedoch von einzelnen Teilnehmern ausgegangen. Inzwischen ziehen sich die Einsatzkräfte schrittweise zurück. Gegenüber der Berliner Zeitung bewertete Iffländer den Verlauf der abendlichen Versammlung insgesamt als relativ friedlich. Auch am Kurfürstendamm, wo sich zahlreiche Geschäftsinhaber vorsorglich hinter Holzplatten verschanzt hatten, registrierte die Polizei bislang keine besonderen Brennpunkte.

Deutlich umfangreicher fällt inzwischen die Zahl der Festnahmen in Frankfurt aus. Nach Informationen der Bild wurden dort mehrere Dutzend Personen festgenommen, nachdem gewaltbereite Gruppen die Polizei an der Konstablerwache massiv angegriffen hatten. Das hessische Innenministerium geht von rund 100 linksextremistisch motivierten Gewalttätern aus. Mindestens ein verletzter Polizeibeamter ist mittlerweile bestätigt, weitere Verletzte werden befürchtet. Die Ermittlungen dauern an. Die Polizei hatte den Demonstrationszug bereits vor Erreichen seines geplanten Endpunkts auflösen müssen, weil die Veranstalter keinen ausreichenden Einfluss mehr auf die gewalttätigen Teilnehmer ausüben konnten.

In Köln dauern die polizeilichen Maßnahmen gegen mutmaßliche Randalierer ebenfalls an. In der Fußgängerzone haben die Beamten nach Angaben der Bild gut 200 Personen festgesetzt. Aus der Gruppe heraus sollen wiederholt gezielt Böller auf die Einsatzkräfte geworfen worden sein. Bereits zuvor hatte die Polizei an mehreren Stellen Hunderte Demonstranten eingekesselt und mit der Feststellung ihrer Personalien begonnen. Damit beschäftigt ein Teil der Teilnehmer die Sicherheitsbehörden noch Stunden nach dem Ende der eigentlichen Protestveranstaltung. Für die friedlichen Demonstranten ist der Tag längst vorbei, für die Polizisten geht die Arbeit mit der Identifizierung mutmaßlicher Straftäter weiter.

Beobachter befürchten, dass sich die Ausschreitungen im Laufe der Nacht weiter zuspitzen könnten. Mit Einbruch der Dunkelheit wächst nach Einschätzung der Berliner Polizei insbesondere die Gefahr durch Pyrotechnik. Hinzu kommt die Halloween-Nacht, in der ohnehin mit größeren Ansammlungen und gewaltbereiten Personen gerechnet wird. Die Polizei hat deshalb zusätzliche Kräfte für bekannte Brennpunkte bereitgestellt. Ob sich die nach den Demonstrationen verbliebenen radikalen Gruppen zerstreuen oder andernorts erneut die Konfrontation suchen, dürfte sich erst in den kommenden Stunden zeigen.

+++ Vermummte attackieren Polizisten – Krawalle nach Demo-Ende +++

Stand 19:50 Uhr: In Berlin gehen die Ausschreitungen auch nach dem offiziellen Ende der Gen-Z-Demonstration weiter. Im Prenzlauer Berg hat die Polizei mehrere Gruppen eingekesselt, nachdem erneut Böller auf die Einsatzkräfte geworfen worden waren. Nach Angaben der Berliner Zeitung waren rund 3.000 Menschen bei dem abendlichen Aufzug unterwegs, darunter eine niedrige dreistellige Zahl von Störern. An der Kreuzung Raumerstraße/Prenzlauer Allee versuchten die Beamten, gewaltbereite Teilnehmer aus der Menge herauszuholen. Andere Teilnehmer bildeten Menschenketten, um das Vorgehen zu erschweren. Selbst ein Reporter der Berliner Zeitung geriet zeitweise in einen Polizeikessel.

Zuvor hatten Linksextremisten eine Straßenbahn blockiert und großflächig beschmiert. Auf dem Fahrzeug prangten anschließend unter anderem die Schriftzüge „All cops are bastards“ und „Antifa!“. Während die Polizei die Menge in kleinere Gruppen aufteilte, wurden weiterhin polizeifeindliche Parolen gerufen. Polizeisprecher Jörn Iffländer bestätigte gegenüber der Bild, dass sich unter den „Demonstranten“ Personen befänden, die zu Straftaten bereit seien. Gegen diese werde konsequent vorgegangen.

In Köln hat der Polizeieinsatz unterdessen ebenfalls erhebliche Ausmaße angenommen. Rund 500 Personen wurden an drei verschiedenen Stellen eingekesselt. Die Polizei nahm die Personalien der Betroffenen auf, was sich über mehrere Stunden hinziehen dürfte. Mindestens ein Beamter wurde bei den Ausschreitungen verletzt. Die Polizei hatte zuvor bereits Wasserwerfer eingesetzt, nachdem sich gewaltbereite Teilnehmer über die Untersagung des Demonstrationszuges hinweggesetzt und Beamte angegriffen hatten.

Aus Frankfurt werden inzwischen mehrere verletzte Polizisten gemeldet. Bei einem von ihnen besteht der Verdacht auf schwerere Verletzungen, deren Ausmaß zunächst noch ungeklärt war. Auch in Hamburg musste ein Beamter nach einer Beinverletzung medizinisch versorgt werden. In mehreren deutschen Großstädten haben die Ausschreitungen damit inzwischen erhebliche Folgen für die eingesetzten Polizeikräfte.

Während die meisten Demonstrationen am Samstag friedlich verliefen, beschäftigen gewaltbereite Gruppen in Berlin und anderen Großstädten weiterhin Hunderte Polizeibeamte. Die Organisatoren können sich noch so oft von Gewalt distanzieren: Für die verletzten Polizisten und die Geschädigten der Randale ändert das wenig. Und die Rechnung für die Großeinsätze zahlt am Ende der Steuerzahler.

Auch die Symbolik der Extremen spricht eine deutliche Sprache. Auf roten Fahnen und Transparenten tauchen kommunistische Embleme auf, zahlreiche Vermummte tragen Hammer und Sichel auf ihren Gesichtstüchern. Das Symbol der Sowjetunion und der kommunistischen Weltbewegung wird hier mit demonstrativer Selbstverständlichkeit zur Schau gestellt.

Besonders aufschlussreich sind auch die einheitlich vermummten Gruppen, die mit roten Fahnen und revolutionären Parolen durch die Straßen ziehen. Während unter dem Schlagwort „unsere Demokratie“ seit Jahren vor vermeintlichen Gefahren für die freiheitliche Ordnung gewarnt wird, marschieren hier Anhänger einer Ideologie auf, in deren Namen über Jahrzehnte Millionen Menschen verfolgt und ermordet wurden.

+++ Böllerwürfe in Frankfurt – Polizei greift in Leipzig mit Pfefferspray ein +++

Stand 19:15 Uhr: In Frankfurt ist es am Abend ebenfalls zu Angriffen auf Polizeibeamte gekommen. Nahe der Konstablerwache warfen Demonstranten Böller auf Einsatzkräfte, woraufhin die Polizei einen Wasserwerfer heranführte. Zuvor hatten sich während des Protestzuges bereits Teilnehmer vermummt und wiederholt Pyrotechnik gezündet. Die Polizei musste den Marsch deshalb zeitweise unterbrechen. Insgesamt beteiligten sich nach ihren Angaben in der Spitze rund 8.000 Menschen an der Frankfurter Demonstration, deutlich mehr als die ursprünglich erwarteten 2.000. Über Stunden war die Veranstaltung weitgehend friedlich verlaufen, bevor sich die Lage am Abend zuspitzte.

In Leipzig setzte die Polizei nach dem Ende der offiziellen Demonstration Pfefferspray ein. Schon während des Protestzuges hatten sich Teilnehmer trotz entsprechender Aufforderungen vermummt und wiederholt Feuerwerkskörper gezündet. Die Polizei änderte daraufhin die ursprünglich vorgesehene Strecke und verhinderte, dass der Aufzug durch die Einkaufsstraßen am Brühl führte. Nach der Abschlusskundgebung am Augustusplatz sperrten Einsatzkräfte den Zugang zur Innenstadt für größere Gruppen. Die Polizei begründete dies mit vereinzelten Aufrufen zu Straftaten. Rund 6.500 Menschen hatten nach ihren Schätzungen an den Protesten teilgenommen.

Auch in Mainz hielten sich Demonstranten nach dem Ende ihrer angemeldeten Kundgebung nicht an den vorgesehenen Ablauf. Rund 1.200 Menschen waren zuvor auf dem Gutenbergplatz zusammengekommen, um unter anderem gegen steigende Lebenshaltungskosten zu protestieren. Anschließend zogen mehrere Hundert Teilnehmer ohne Genehmigung durch die Innenstadt. Damit musste die Polizei auch dort über die eigentliche Veranstaltung hinaus auf das Protestgeschehen reagieren.

In Berlin haben sich die Auseinandersetzungen inzwischen vom Rosenthaler Platz bis in den Prenzlauer Berg verlagert. An der Kreuzung Kastanienallee/Schwedter Straße warfen Demonstranten Mülltonnen um, während der Protestzug unter polizeifeindlichen Parolen weiterzog. Nach Beobachtungen der Berliner Zeitung wuchs die Menschenmenge im Laufe des Abends erheblich an. Immer wieder detonierten Böller, auch Feuerwerkskörper wurden gezündet, die auch im Westen der Stadt zu vernehmen sind. Unter den Teilnehmern befanden sich zahlreiche Vermummte, die Polizei hatte bereits zuvor am Rosenthaler Platz Gruppen eingekesselt.

Gegen 19.05 Uhr blockierten Demonstranten auf der Prenzlauer Allee eine Straßenbahn. Als Polizisten einschritten, entwickelten sich heftige Rangeleien, bei denen Flaschen und Böller flogen. Mehrere Personen wurden festgenommen. Auch ein Reporter der Berliner Zeitung wurde nach Angaben seiner Redaktion von einem Schlag getroffen. Die Situation wurde zunehmend unübersichtlich, während die Einsatzkräfte versuchten, die gewalttätigen Teilnehmer unter Kontrolle zu bringen.

Um 19.10 Uhr erklärte der Veranstalter die Demonstration schließlich für beendet. Die Randale ging allerdings weiter: Auf Höhe des Zeiss-Großplanetariums lieferten sich gewaltbereite Teilnehmer und Polizisten nach Beobachtungen der Berliner Zeitung weiterhin Verfolgungs- und Ausweichmanöver. Die Organisatoren der zuvor friedlich verlaufenen Kundgebung am Brandenburger Tor hatten sich von diesem abendlichen Protestzug ausdrücklich distanziert. Auch in Berlin zeigt sich damit, wie sich unter dem Schlagwort des Jugendprotests politische Forderungen und gezielte Konfrontationen mit der Polizei miteinander vermischen.

+++ Polizisten eingekesselt, Steinwürfe in Köln, erste Eskalationen in Berlin +++

picture alliance/dpa/onw-images | Marius Bulling

Stand 18:15 Uhr: Am Hamburger Hauptbahnhof haben Demonstranten eine Gruppe Polizisten eingekesselt und mit Flaschen sowie Sprengkörpern attackiert. Nach den bereits gemeldeten brennenden Barrikaden auf dem Steindamm verlagern sich die Ausschreitungen damit zunehmend in den Bereich des Hauptbahnhofs. In sozialen Netzwerken war zuvor gezielt dazu aufgerufen worden, sich dort zu versammeln und Randale zu machen. Die Polizei muss sich inzwischen gegen Gruppen zur Wehr setzen, die offenbar auch nach dem Ende der offiziellen Demonstration die Konfrontation suchen.

Auch in Berlin fliegen mittlerweile Flaschen und Eier auf Polizeibeamte. Am Rosenthaler Platz, wo sich am frühen Abend der nächste Demonstrationszug in Bewegung setzte, wurde eine Flasche unmittelbar vor einer Reporterin der Bild auf den Boden geschleudert. Zuvor hatten Teilnehmer Polizisten mit rohen Eiern beworfen, woraufhin die Beamten ihre Helme aufsetzten und versuchten, die Angreifer ausfindig zu machen. An der Kreuzung Torstraße/Friedrichstraße hat die Polizei inzwischen einen Wasserwerfer in Stellung gebracht. Die zunächst friedliche Kundgebung am Brandenburger Tor und die spätere Mobilisierung aus dem linken Spektrum zeigen damit einen deutlich unterschiedlichen Verlauf.

In Köln berichten Reporter inzwischen von Steinwürfen durch Vermummte. Während sich die Lage am Rheinufer nach dem vorherigen Wasserwerfereinsatz beruhigt hat, ziehen Gruppen in Richtung Innenstadt, wo die Polizei ihre Kräfte zusammenzieht. Noch ist unklar, wie viele Gewalttäter unterwegs sind und ob es weitere Verletzte gibt. Die Beamten versuchen zu verhindern, dass sich die Ausschreitungen in die Einkaufsstraßen verlagern.

In Stuttgart zieht die Polizei ebenfalls eine negative Bilanz des Demonstrationsverlaufs. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurden Beamte mit Flaschen und Pyrotechnik angegriffen. Selbst nach dem offiziellen Ende der Kundgebung hielten sich zahlreiche Teilnehmer weiter auf dem Marienplatz auf, weshalb die Polizei mit starken Kräften präsent blieb. Größere Ausschreitungen wie in Köln und Hamburg blieben dort allerdings aus.

Damit zeigt sich zunehmend, welche Folgen die Beteiligung gewaltbereiter Gruppen an den Protesten haben kann. Während in zahlreichen Städten friedlich demonstriert wird, liefern sich andernorts Vermummte Auseinandersetzungen mit der Polizei. Gerade in Hamburg und Berlin beschäftigen inzwischen vor allem jene Gruppen die Einsatzkräfte, die den angekündigten Protesttag offenbar für ihre eigenen Gewaltaktionen nutzen wollen. Die Sicherheitsbehörden müssen sich nun darauf konzentrieren, deren weitere Ausbreitung zu verhindern.

+++ Krawalle in Köln und Hamburg – Polizei setzt Wasserwerfer ein, Barrikaden brennen +++

Stand 17:30 Uhr: In Köln ist die Lage nach dem Ende der Gen-Z-Kundgebung eskaliert. Mehrere Hundert Demonstranten, darunter Angehörige linksextremer und propalästinensischer Gruppen, versuchten geschlossen in die Innenstadt vorzudringen. Nachdem Pyrotechnik auf Polizeibeamte geworfen worden war, rückten mehrere Hundertschaften vor und setzten zwei Wasserwerfer gegen die gewaltbereiten Gruppen ein. Nach Angaben eines WDR-Reporters löste sich die Menge daraufhin in kleinere Gruppen auf, aus denen es weiterhin zu Ausschreitungen kam. Das nordrhein-westfälische Innenministerium bestätigte den Wasserwerfereinsatz gegen Demonstranten, die trotz der zuvor untersagten Demonstrationsroute die Standkundgebung verlassen wollten.

— Deutscher Schäferhund (@DeutscherSchfe3) October 31, 2026

Auch in Hamburg ist es inzwischen zu schweren Zwischenfällen gekommen. Nach dem Ende des Demonstrationszuges wurden auf dem Steindamm Barrikaden in Brand gesetzt. Wasserwerfer rückten an, um die Flammen zu löschen. Zuvor hatten Gewalttäter Polizisten nach Beobachtungen eines Bild-Reporters mit Flaschen, Böllern und Baustellenmaterial beworfen. Damit haben sich zumindest in zwei Großstädten die Befürchtungen bestätigt, dass gewaltbereite Gruppen die Proteste für Auseinandersetzungen mit der Polizei nutzen würden.

In Stuttgart mussten die Beamten den Demonstrationszug unterdessen wiederholt stoppen, weil sich Teilnehmer vermummten, Feuerwerkskörper zündeten und von der genehmigten Strecke abwichen. Polizisten wurden nach Medienberichten auch mit Eiern beworfen. In Düsseldorf dagegen geriet der Protestzug auf der Königsallee aus einem anderen Grund ins Stocken: Es waren mehr Teilnehmer erschienen als angemeldet, weshalb die Veranstalter dringend zusätzliche Ordner suchen mussten. Die überwiegende Zahl der Veranstaltungen in Deutschland verläuft bislang friedlich. In Köln und Hamburg allerdings zeigt sich inzwischen, wie schnell gewaltbereite Gruppen einen Protest in offene Straßengewalt verwandeln können.

+++ Vermummte und Pyrotechnik: Polizei stoppt Gen-Z-Protestzug in Köln +++

Stand 16:00 Uhr: Die Polizei hat am Samstagnachmittag den geplanten Demonstrationszug der Initiative „Gen Z regelt“ in Köln untersagt, nachdem Teilnehmer Pyrotechnik gezündet und sich teilweise vermummt hatten. Die Demonstranten hatten sich am Konrad-Adenauer-Ufer versammelt und wollten anschließend durch die Innenstadt ziehen. Nach Angaben des WDR entschieden die Beamten, den Aufzug kurzfristig zu stoppen. Den Veranstaltern blieb nur die Fortsetzung ihrer Kundgebung. Wenig später wurde Karnevalsmusik gespielt, während sich die Teilnehmer allmählich zerstreuten. Damit endete eine der größten angekündigten Aktionen des bundesweiten Protesttages deutlich früher als geplant.

Auch in Hamburg musste die Polizei bereits einschreiten. Am Jungfernstieg nahmen Beamte zwei Männer fest, von denen einer während des Demonstrationszuges sichtbar eine Anscheinwaffe bei sich getragen hatte. Polizisten überwältigten die Männer und stellten den Gegenstand sicher. Außerdem wurde in der Menge Pyrotechnik gezündet. Mehrere Tausend Menschen waren am Nachmittag zu der Kundgebung gekommen, die unter dem Motto „Gegen Wehrpflicht – Gen Z regelt!“ durch die Innenstadt führt. Zwischen den überwiegend jungen Demonstranten waren auch kommunistische Gruppen sowie Teilnehmer mit palästinensischen und libanesischen Flaggen zu sehen.

In Bonn setzte die Polizei sechs Personen wegen des Zündens von Pyrotechnik fest und nahm ihre Personalien auf. Als die Beamten einschritten, forderten mehr als hundert Teilnehmer lautstark deren Freilassung. Nach der Feststellung ihrer Identität erhielten die sechs Platzverweise und konnten gehen. In Münster wurde der Demonstrationszug ebenfalls kurzzeitig durch Pyrotechnik unterbrochen, anschließend konnte er seinen Weg fortsetzen. Dort hatten sich nach Polizeiangaben etwa 1.700 Menschen versammelt. Einzelne Parolen endeten mit der Drohung, andernfalls werde es Krawalle geben.

In Bielefeld kam es während des Protestzuges zu einem medizinischen Notfall. Ein junger Mann erlitt in einer Unterführung einen epileptischen Anfall, nachdem dort ein Knallkörper gezündet worden war. Ob dieser den Anfall tatsächlich auslöste, ist bislang nicht geklärt. Rettungskräfte versorgten den Betroffenen, der nach Polizeiangaben leicht verletzt wurde und zur weiteren Untersuchung in ein Krankenhaus kam. Wer den Knallkörper gezündet hatte, blieb zunächst unbekannt.

In Berlin versammelten sich am Brandenburger Tor nach Angaben der Bild rund 5.000 Menschen. Ursprünglich hatten die Veranstalter mit mindestens 10.000 Teilnehmern gerechnet. Neben Plakaten mit Forderungen nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz waren auch DDR- und kommunistische Fahnen zu sehen. Die Kundgebung verlief bis zum Nachmittag weitgehend friedlich. Festgenommen wurde allerdings ein rechter Livestreamer; zu den genauen Umständen lagen zunächst keine näheren Angaben vor.

Die Berliner Sprecherin der Initiative, Kaja Schwab, erklärte vor den Teilnehmern, ihrer Generation sei lange versprochen worden, dass sich Anstrengung lohne. Inzwischen sei das Leben kaum noch bezahlbar, während die Politik junge Menschen zum Wehrdienst heranziehen wolle. „Meine Generation ist zurück auf der politischen Bühne“, verkündete Schwab. Angesichts der zahlreichen älteren Demonstranten war allerdings schon optisch erkennbar, dass sich die Veranstaltung keineswegs auf die sogenannte Generation Z beschränkte.

Auch in anderen Städten blieb die Beteiligung bisher vielfach hinter den groß angekündigten Zahlen zurück. In Frankfurt hatten auf der Internetseite der Initiative knapp 14.000 Menschen ihre Teilnahme zugesagt, tatsächlich zählte die Polizei am Nachmittag etwa 2.500. In Stuttgart waren es nach Reporterangaben rund 3.000 Demonstranten, in Erfurt etwa 1.900. Rostock brachte es auf gerade einmal 230 Teilnehmer, die nach Polizeiangaben friedlich demonstrierten. Auf fast allen Bildern sind immer wieder größere Zahlen an Personen zu sehen, die nicht Gen-Z, nicht mal Generation X, sondern deutlich dahinter liegen.

Bundesweit hatte die Bewegung mit mehr als 160.000 angeblichen Teilnehmern geworben. Grundlage waren vor allem digitale Anmeldungen und Teilnahmebekundungen. Mit diesen Zahlen sollte offenbar eine gewaltige Jugendbewegung sichtbar gemacht werden, die der Bundesregierung die politischen Verhältnisse erklärt. Der tatsächliche Andrang fällt bislang erheblich bescheidener aus. Die Revolution auf der Internetseite hat offensichtlich mehr Anhänger als die Revolution auf der Straße.

Auch der Fahnenwald verrät einiges über das politische Milieu, das sich unter dem Etikett „Gen Z regelt“ versammelt. Am Berliner Brandenburger Tor wehen palästinensische, libanesische und kubanische Flaggen, daneben Antifa-Fahnen und Regenbogensymbole. Selbst die untergegangene DDR ist mit ihrer Staatsflagge vertreten. In Nürnberg werden FDJ-Fahnen geschwenkt, in München marschieren Anhänger der Revolutionären Kommunistischen Partei mit Hammer und Sichel auf. Und mittendrin finden sich in Berlin auch die „Omas gegen Rechts“. Das Personal kennt man teilweise von den Demonstrationen zur Verteidigung von „UnsreDemokratie“. Dass auf solchen Veranstaltungen Symbole kommunistischer Diktaturen offenbar keinen besonderen Anstoß erregen, gehört zu den Eigentümlichkeiten dieses moralbesoffenen Milieus. Wer angesichts dieser politischen Folklore noch glaubt, hier habe sich ganz spontan eine überparteiliche Jugendbewegung zusammengefunden, muss schon ein beträchtliches Maß an Gutgläubigkeit mitbringen.

Linksextremisten mobilisieren ausdrücklich mit

Dass die Sicherheitsbehörden die Proteste dennoch mit erheblichem Personalaufwand begleiten, hat Gründe, die über die Demonstrationsaufrufe der Organisatoren hinausgehen. Der Hamburger Verfassungsschutz hatte bereits am Freitag ausdrücklich vor der Mobilisierung linksextremistischer Gruppen gewarnt. Dazu gehören nach Angaben der Behörde das „Offen Antifaschistische Treffen Hamburg“, der „Rote Aufbau“ und die „Interventionistische Linke“. Auch extremistische Organisationen mit Auslandsbezug wie „Young Struggle“ und „Thawra“ beteiligten sich an den Aufrufen.

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes beziehen sich entsprechende Beiträge in den sozialen Netzwerken ausdrücklich auf die jüngsten Proteste in Frankreich, einschließlich der dortigen gewalttätigen Ausschreitungen. Die Behörde weist darauf hin, dass Linksextremisten gesellschaftliche Konflikte gezielt nutzen, um neue Anhänger für ihre politischen Vorstellungen zu gewinnen. Damit erhält der eigentlich von jungen Menschen getragene Protest eine zusätzliche Klientel, deren Vorstellungen von politischer Beteiligung erheblich radikaler ausfallen.

Die Organisatoren von „Gen Z regelt“ haben sich wiederholt von Gewalt und extremistischen Gruppen distanziert. Ihre Forderungen nach höheren Bildungsausgaben und niedrigeren Lebenshaltungskosten sind Gegenstand legitimer politischer Auseinandersetzungen. Allerdings hatte die Bundesschülerkonferenz der Initiative bereits vor den Demonstrationen die Unterstützung verweigert. Sie kritisierte mangelnde Transparenz und kündigte einen eigenen Protesttag für den 20. November an. Wer genau hinter der Bewegung steht und welche politischen Organisationen ihren tatsächlichen Einfluss ausüben, bleibt damit weiterhin eine berechtigte Frage.

Die Polizei hat sich auf mögliche Ausschreitungen vorbereitet, nachdem in Chatgruppen Plünderungslisten kursierten und mit Gewalttaten gedroht worden war. In Düsseldorf waren schon am Freitag vier Männer vorläufig festgenommen worden, die mutmaßlich gewalttätige Aktionen geplant hatten. Ob ein Zusammenhang mit den heutigen Demonstrationen besteht, wird noch ermittelt.

Besonders der Einzelhandel hat auf die Gewaltankündigungen reagiert. In Hamburg, Düsseldorf und Berlin wurden Luxusgeschäfte mit Holzplatten gesichert, teilweise wurden teure Waren aus den Schaufenstern entfernt. Die Bilder von vernagelten Boutiquen an der Königsallee und am Kurfürstendamm gehören zu den bedrückendsten Begleiterscheinungen dieses Protesttages. Dass Geschäftsinhaber hohe Summen für den Schutz ihrer Läden aufwenden müssen, weil politische Demonstrationen möglicherweise von Gewalttätern missbraucht werden, ist ein Armutszeugnis für die öffentliche Sicherheit.

Der bisherige Verlauf zeigt allerdings auch, dass die befürchteten französischen Verhältnisse bis zum Nachmittag noch nicht eingetreten sind. Die Polizei hat auf Verstöße reagiert und konnte die meisten Veranstaltungen weitgehend störungsfrei begleiten. Für die Sicherheitsbehörden beginnt mit dem Einbruch der Dunkelheit die nächste Herausforderung. Am Abend sind weitere Demonstrationen angekündigt, hinzu kommen die Halloween-Feiern, bei denen Maskierungen und größere Menschenansammlungen die Polizeiarbeit zusätzlich erschweren.

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