Friedrich Merz brennt vor Ehrgeiz. War Angela Merkel die beste Kanzlerin, die die Grünen je hatten, so versucht Friedrich Merz sie hierin zu übertreffen. Koste es Deutschland, was es wolle. Im Gespräch mit dem Wall Street Journal am 13. Februar in Neubrandenburg für die Druckausgabe vom 14. Februar drohte Merz nun Elon Musk mit Konsequenzen, „weil er über seine Social-Media-Plattform ‚X‘ die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) unterstützt habe“, schreibt das Wall Street Journal. Merz wörtlich: „Was in diesem Wahlkampf passiert ist, kann nicht unwidersprochen bleiben.“ Ob sich die Konsequenzen auch auf das Tesla-Werk in Brandenburg beziehen, wollte Merz „vorerst bewusst“ offenlassen.
Doch Merz polterte sich in den Jargon der Verschwörungstheoretiker hinein: „Es handelt sich um Wahlkampfunterstützung. Ob es auch eine wirtschaftliche Ersparnis oder sozusagen eine Unterstützung der AfD darstellt, muss untersucht werden.“ Wer soll das untersuchen, der Generalstaatsanwalt der DDR?
Mehr noch framt Merz bis zur Unwahrheit, wenn er behauptet: „Dass jemand von außerhalb Europas auf diese Weise in einen nationalen Wahlkampf eingreift, ist neu.“ Interessant ist, dass der Großeuropäer Merz plötzlich das Attribut „national“ verwendet, wie es halt passt, doch hat er vergessen, wie die Große Koalition, auch die Union zugunsten von Hillary Clinton im Wahlkampf 2016 gegen Donald Trump eingegriffen hatte. Am 28. November 2016 berichtete unter anderem die WELT, dass auf das Konto der Familienstiftung der Clintons „im dritten Quartal 2016, auf dem Höhepunkt des Wahlkampfs, … deutsche Steuergelder von umgerechnet bis zu fünf Millionen Dollar“ flossen. „Auch die bundeseigene Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) erscheint auf der Geberliste.“ Auch wenn Friedrich Merz daran in Scholzens Tradition die Erinnerung fehlen sollte, dann dürfte ihm mitnichten entgangen sein, wie die deutsche Regierung und die deutschen Medien massiv im Präsidentschaftswahlkampf für Kamala Harris und gegen Donald Trump 2024 gekämpft hatten.
Berüchtigt ist der Post der großen Kita-Gruppe, die inzwischen das Außenministerium beherrscht, geworden: „Ob es Ihnen gefällt oder nicht: Das deutsche Energiesystem ist voll funktionsfähig, mit mehr als 50 % erneuerbaren Energien. Und wir schalten Kohle- und Atomkraftwerke ab – nicht zu. Spätestens 2038 wird die Kohle vom Netz sein. PS: Wir essen auch keine Katzen und Hunde.“ Es darf bezweifelt werden, dass die Frau, die meint, dass das Netz der Speicher sei, eine substantiierte Aussage über die Funktionsfähigkeit des deutschen Energiesystems machen kann. Das kann nicht einmal ihr Parteifreund Robert Habeck und der ist sogar Wirtschaftsminister und verantwortlich für die Rezession. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katharina Dröge, verkündete noch am Vorabend der Wahl: „Die ganze Welt schaut mit Hoffnung, aber auch mit Sorge auf die US-Wahl.“ Und zwar mit der Hoffnung, dass die Amerikaner Harris wählen, „aber auch mit der Sorge, dass das schiefgehen könnte“. Die Liste kann beliebig verlängert werden.
In welchem Murmeltierschlaf war Friedrich Merz, wenn er das offensichtlich alles nicht zur Kenntnis nahm? In intensiven Beratungen mit Angela Merkel?
Merz mosert, dass Musk die Deutschen aufgerufen habe, die AfD zu wählen. Ja, und? Es ist sein gutes Recht aufzurufen, wozu er will, solange es nicht zum Begehen von Straftaten ist. Oder ist ein Wahlaufruf für die AfD inzwischen eine Straftat?
Das Gespräch zwischen Elon Musk und Alice Weidel fand auf X in einem X Space statt, einem X Space, der nicht exklusiv ist, sondern von jedem User von X eröffnet werden kann. Selbst Friedrich Merz, selbst sein möglicherweise künftiger Wirtschaftsminister Robert Habeck könnten ein Gespräch öffentlich im X Space führen. Ich habe das auch schon mit Oliver Gorus und Frauke Petry unternommen. Vielleicht nutzt Merz aber auch keinen X Space, weil er befürchtet, dass sich kaum jemand dafür interessieren würde.
Hatte J.D. Vance nicht recht, als er sagte: „Wenn die amerikanische Demokratie zehn Jahre lang Greta Thunbergs Tadel übersteht, können Sie ein paar Monate Elon Musks aushalten. Aber was die deutsche, was keine Demokratie, ob die amerikanische oder europäische Demokratie überleben wird, ist, Millionen von Wählern zu sagen, dass ihre Gedanken und Sorgen, ihre Hoffnungen, ihre Bitten um Entlastung ungültig oder nicht einmal der Rede wert sind. Die Demokratie ruht auf dem heiligen Prinzip, dass die Stimme des Volkes zählt.“
Doch vor allem missachtet und beleidigt Friedrich Merz in seiner Arroganz den mündigen Bürger, den Souverän. Er unterstellt, dass der Wähler dumm und verführbar ist, des betreuten Denkens bedürftig, dass es der Zensur bedarf, dass „die da draußen“ nicht die Weisheit von Friedrich Merz verstehen und deshalb die Medien zensiert werden müssen, ob „politisch“, ob „rechtlich“, will sich Merz großzügig offenhalten.
Mit diesem Satz hat Merz das Wort „demokratisch“ faktisch aus dem Parteinamen seiner Partei gestrichen. Sic transit gloria mundi.
Die CDU Konrad Adenauers und Ludwig Erhards und auch Helmut Kohls war gestern, heute ist es die CDU von Otto Nuschke und Gerald Götting. Friedrich Merz ist der Gestalt gewordene Anachronismus Deutschlands.