Und wieder eine Explosion in Köln: Ein Café im Erdgeschoss eines Wohnhauses hatte es in der Nacht auf Mittwoch getroffen. Es ist komplett ausgebrannt, zwei Anwohner wurden leicht verletzt. Dies, nachdem erst in der Woche zuvor gleich zwei Anschläge auf ein Geschäft und einen Nachtclub Schlagzeilen gemacht hatten, sowie der Fund einer Handgranate und der Brandanschlag auf ein Auto.
Nachdem sich bereits am Mittwochmittag ein Tatverdächtiger gestellt hat, sieht die Polizei allerdings bisher keinen Zusammenhang zwischen diesem Anschlag und den Verbrechen, die Nordrhein-Westfalen seit Wochen und Monaten erschüttern: Denn im an die Niederlande grenzenden Bundesland scheint sich die „Mocro-Mafia“ anzusiedeln – der Oberbegriff für vor allem von marokkanischen Kriminellen getragene niederländische Drogenbanden. Trotz der Grenzkontrollen anlässlich der Europameisterschaft hatte das Organisierte Verbrechen im Sommer offenbar freie Bahn, Täter konnten ungehindert einreisen, und waren in der Folge für eine ganze Reihe von Freiheitsberaubungen, Schussabgaben und Anschlägen verantwortlich.
Anders sieht es in Solingen aus: Hier wurden in der Nacht Schüsse duch eine Wohnungstür in einem Mehrfamilienhaus abgegeben, die Täter sollen in einer schwarzen Limousine geflohen sein – filmreife Szenen, angesichts derer die Polizei Köln eingeschaltet wurde, da Zusammenhänge mit den Kölner Verbrechen vermutet werden. „Nach ersten Erkenntnissen dürften sich die Täter in der Tür geirrt haben.“, gibt die Polizei zu Protokoll. Zurück bleibt ein mulmiges Gefühl: Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis Unbeteiligte ernstlich zu schaden kommen werden.
Das Sicherheitsgefühl der Deutschen ist im Sinkflug begriffen. Viele erkennen ihr Land nicht mehr wieder: Die Verwahrlosung des öffentlichen Raums, die Verrohung des sozialen Miteinanders, Berichte über Angriffe und Übergriffe: Was lange unter den Teppich gekehrt, als „anecdotal evidence“ und subjektives Gefühl abgetan wurde, lässt sich nicht mehr übersehen – die Messerinzidenz in Deutschland etwa kann mittlerweile jeder selbst auf der entsprechenden Website abrufen. All das gehört bereits so sehr zum Alltag in unserem Land, dass die Gegenreaktion nicht ausbleibt: Die brandenburgische AfD-Abgeordnete Lena Kotré pries in ihrem Wahlkampf Kubotans als Give-Aways an – Druckpunktverstärker, als Selbstverteidigungswaffe für den Nahkampf entwickelt. Sie begründete dies damit, dass es sich „nicht um eine Waffe, sondern um ein Werkzeug“ handle, eben ein Werkzeug, um die eigene Sicherheit sicherzustellen.
Anzeichen einer fatalen Grenzverschiebung: Das Gewaltmonopol des Staates erweist sich als zahnlos und ineffizient; in der Folge findet eine neue Dimension von Gewaltbereitschaft und Aggression zunehmend Akzeptanz. Politiker haben nicht die Aufgabe, Sprichwörter zu prägen, vor allem nicht solche, die sich nur noch zynisch zitieren lassen. Sie stehen in der Pflicht, „dem deutschen Volke“ zu dienen, und Staatsgewalt dort einzusetzen, wo Sicherheit und Stabilität bedroht sind.